Betonkosmetik
Reinigung, Retusche und Reparatur von Betonoberflächen
Ob im Fertigteilwerk oder auf der Baustelle – für Sichtbetonoberflächen gelten besonders hohe optische Anforderungen. Ihnen auf Anhieb gerecht zu werden, ist gerade bei Ortbeton anspruchsvoll und gelingt eher selten. Entsprechend ist eine Nachbehandlung erforderlich, eine sogenannte Betonretusche. Sie erfordert technische Kenntnisse ebenso wie ästhetisches Gespür. Betonkosmetiker*innen sind außerdem an der Reinigung und Reparatur von alternden und beschädigten Gebäuden oder Bauteilen beteiligt.
Mängel beim Neubau – eine Geschmacksfrage?
In der Regel sind die im Vorfeld möglichen Maßnahmen zur Erzielung einer homogenen Sichtbetonfläche günstiger als eine nachträgliche Retusche. Viele Mängel lassen sich durch eine genaue Vorplanung und Einhaltung der Abläufe reduzieren. Im Merkblatt Sichtbeton, das der Deutsche Beton- und Bautechnik-Verein (DBV) und der Verein Deutscher Zementwerke (VDZ) herausgegeben haben, sind verschiedene Sichtbetonklassen und ihre Anforderungen definiert. So trägt das Merkblatt zur Verständigung der Baubeteiligten bei. Jedoch wird im Merkblatt Sichtbeton auch darauf hingewiesen, dass trotz aller Vorkehrungen manche Mängel unvermeidbar sind. Nicht ungewöhnlich sind beispielsweise Kalkablagerungen, wie sie sich im Laufe des Trocknungsprozesses auf der Oberfläche zeigen.
Bereits in der Planungsphase ist eine Beratung durch Betonkosmetiker*innen sinnvoll, damit später keine zeitaufwändigen und teuren Nacharbeiten notwendig sind und nur noch die unvermeidbaren Mängel behoben werden müssen. Konkrete Tipps, wie sich etwa Betonnasen, Kiesnester, Rostfahnen und Trennmittelverfärbungen vermeiden lassen, liefern außerdem die Leitfäden der Betonhersteller. Hinzu kommen weitere Faktoren, die der Betonhersteller nicht beeinflussen kann. Beispielsweise können Verzögerungen durch Staus die Konsistenz oder Farbe des Betons verändern.
Doch nicht immer geht es darum, makellose Oberflächen zu erzeugen: Insbesondere der Blick auf die Fassaden brutalistischer Bauten offenbart, dass Unregelmäßigkeiten ebenso Bestandteil der architektonischen Gestaltung sein können. Sie werden hier nicht als Mangel empfunden, sondern stellen die Rauheit und Lebendigkeit des künstlichen Steins zur Schau.
Sanierung und Retusche im Bestand
Betonkosmetik bzw. Betonretusche konzentriert sich auf die Oberflächenerscheinung bzw. die oberste Schicht des Materials. Das unterscheidet sie von einer technologischen Sanierung. Geht es also darum, eine freigelegte, rostende Bewehrung zu behandeln und neu zu überdecken, ist ein Unternehmen für Betonsanierung gefragt. Bei der Reprofilierung des Bauteils sind dennoch kosmetische Aspekte zu beachten: Handelt es sich um eine gut einsehbare Oberfläche, muss die Rezeptur der Reparatur- oder Instandsetzungsmörtel unbedingt vorher getestet werden, damit die reprofilierten Bereiche später nicht ins Auge fallen. Betonkosmetiker*innen sind außerdem fähig, Oberflächenstrukturen, zum Beispiel von einer Holzschalung, nachzubilden.
Vor der Retusche: Absprachen und Tests
Frühzeitig sollten Architekturbüros und Rohbaufirmen sowie Mitarbeitende der Baubetreuung und Bauherr*innen einen Fachmenschen für Betonkosmetik zu Rate ziehen. „Ein solcher Experte hilft nicht nur, potenzielle Fehler zu vermeiden“, sagt Felix Sommer vom Büro SB5ÜNF, „sondern entlastet auch den Betonbauer, da der Druck sinkt und die Wahrscheinlichkeit für Missgeschicke reduziert wird.“ Im Vorfeld ist zu klären, welche ästhetischen Anforderungen bestehen und mit welchen Maßnahmen sie erreichbar sind. Eine Rolle spielt dabei, wie der Beton zusammengesetzt und das Bauteil erstellt wird.
Handelt es sich um einen kürzlich ausgeschalten Neubau, müssen die Betonkosmetiker*innen wissen, welche Nachbesserungen bereits in Eigenregie versucht wurden. Ein solches Vorgehen ist nicht empfehlenswert: Unsachgemäße Arbeiten dauern oft nicht nur länger, sondern müssen mitunter korrigiert werden, wodurch zusätzliche Kosten entstehen.
Anhand von Musterflächen wird schließlich die Wirkung verschiedener Maßnahmen geprüft. Erst danach folgt eine großflächige Retusche. Je nach Gebäudegröße und Lage der Fläche sind Gerüste und Hebebühnen nötig. Im Winter sind Arbeiten im Außenraum problematisch. Abhängig von Art und Umfang der Eingriffe sowie von der individuellen Arbeitsgeschwindigkeit können Zeitaufwand und Kosten sehr unterschiedlich ausfallen.
Vor- und Nachteile der Maßnahmen
Von Expert*innen ausgeführte Retuschen sind für das ungeschulte Auge nicht zu erkennen. Dennoch können nicht alle Mängel gänzlich beseitigt werden. Manche der Maßnahmen hinterlassen ebenso Spuren und es besteht sogar das Risiko, dass der optische Charakter der Betonoberfläche zerstört oder die Stellen nach der Behandlung noch sichtbarer sind. Daher ist es empfehlenswert, im Vorfeld abzuwägen, ob sich mit einer kleinen Unregelmäßigkeit leben lässt.
Folgende Maßnahmen sind üblich:
- Mit einem weichen Radiergummi oder einem Spülschwamm lassen sich oberflächliche Verschmutzungen wie Bleistiftzeichnungen entfernen.
- Chemische Mittel helfen, Ausblühungen und Rostfahnen zu beseitigen.
- Zur Vereinheitlichung der Sichtbetonfläche besteht die Möglichkeit, eine pigmentierte Lasur aufzutragen.
- Stärkere Verschmutzungen werden mit einem leichten Oberflächenabtrag beseitigt, etwa mithilfe von Wasserstrahlen, seltener durch Sandstrahlen und Absäuerung. Mitunter kommen auch Schwing-, Exzenter- oder Industrieschleifer zum Einsatz.
- Ausgelaufene Kanten oder Kiesnester werden durch Spachtelauftrag überdeckt und an die umgebende Betonfläche angeglichen.
Zu beachten ist, dass das Schleifen und Abstrahlen der Oberflächen die Oberflächenstruktur verändert: Sie wird matter und rauer. Chemische Reinigungsmittel sollten nur in Ausnahmefällen und anfänglich stark verdünnt zum Einsatz kommen. Der Betonkosmetiker Felix Sommer rät: „Was mit Wasser und abrasiv nicht weggeht, sollte überdeckt werden. Chemie sollte nur in Ausnahmefällen und anfänglich stark verdünnt genutzt werden. Die Betonmatrix ist sehr sensibel und irreversible Beschädigungen der Oberfläche bleiben immer erkennbar.“ Beim Spachteln besteht die Gefahr, dass der Farbton des Umgebungsbetons nicht ganz getroffen wird. Außerdem kann die Reparaturstelle durch das unterschiedliche Saugverhalten erkennbar bleiben.
Fachwissen zum Thema
Tipps zum Thema
Deutsche Zement- und Betonindustrie vertreten durch das
InformationsZentrum Beton | Kontakt 0211 / 28048–1 | www.beton.org