Besucherzentrum an der Vintgar-Klamm bei Bled

Holzständerbau mit Zwischendämmung

Die Vintgar-Klamm (slowenisch: Blejski vintgar) ist eine beeindruckende Schlucht vier Kilometer nordwestlich von Bled, im Triglav-Nationalpark. Über Jahrmillionen haben sich hier erst Gletscher und dann der Fluss Radovna 300 Meter tief in die slowenische Landschaft gegraben. Die Klamm beginnt am Dorf Podhom und schlängelt sich 1,6 Kilometer nach Nordosten zum Šum-Wasserfall. Bereits seit Ende des 19. Jahrhunderts erschließen Holzbrücken und an den Fels geheftete Wege das schmale Tal für Besucher*innen. Nach heftigen Überschwemmungen und Erdrutschen im Jahr 2023 wurde die Infrastruktur wiederhergestellt. 2024 eröffnete auch ein neues Besucherzentrum, geplant von OFIS Arhitekti.

Der Ticketverkauf ist über einen Steg angebunden.
Die zum Fluss Radovna orientierte Gebäudehülle ist transparent gestaltet und öffnet den Blick in die Natur.
Dunkle Hülle, heller Kern

In der Hauptsaison durchwandern täglich bis zu 2.300 Tourist*innen die Klamm. Der Neubau am Startpunkt des Rundwegs sollte einerseits das Erlebnis der Gäste verbessern, zum anderen die Umweltauswirkungen durch den hohen Andrang minimieren. Dazu behielten die Planer*innen den gemauerten Sockel des Vorgängerbaus bei, einer Blockhütte aus dem Jahr 1986. Diese wurde durch einen Holzständerbau mit ähnlichen Proportionen ersetzt. Mit dunkler Holzverkleidung und filigranem, mit ebenso dunklen Schindeln gedecktem Satteldach ist der Neubau eine zeitgenössische Interpretation der alpinen Bestandsarchitektur.

Kompakt durchorganisiert

Das kompakte, nur 42 Quadratmeter große Häuschen ist längs des Dachfirsts geteilt: Die dem Wanderpfad zugewandte Westseite ist überwiegend geschlossen und mit Lager- und Arbeitsflächen für einen Kiosk ausgestattet. Ist der breite Faltladen geöffnet, sind hier Getränke und Snacks erhältlich. Die zum Fluss orientierte, östliche Hälfte ist raumhoch verglast und beherbergt Informationsstelle, Souvenir- und Ticketshop. 

Über eine der beiden Stahlbrücken gelangen die Besucher*innen in den Innenraum und auf der anderen Seite wieder hinaus. Dabei werden Gruppen und Gäste mit Online-Tickets von jenen getrennt, die aufgrund von Kapazitätsbeschränkungen warten müssen. Das hell gestaltete Innere verfügt über eine lange Theke aus geöltem Lärchenholz und Regale, in denen Souvenirs ausliegen. Hinter dem Glas beginnt bereits die spektakuläre Flusslandschaft.

Verbesserungen im Umfeld

Nicht nur das Gebäude selbst, sondern auch die Außenflächen wurden mit minimalen Eingriffen in die bestehende Umwelt naturnah gestaltet. Den Vorplatz begrenzen langgestreckte Bänke mit einem Trinkwasserbrunnen. Hier können Gäste auf den Elektrobus des Park-and-Ride-Systems warten. Ein paar Schritte weiter südlich steht ein kleines Café. Auf der anderen Seite lässt sich eine kleine, temporäre Konzertbühne aufbauen. Neben dem Besucherzentrum schiebt sich ein überdachter Aussichtspunkt über die Hangkante. Unter den Stahlbrücken führen Treppen hinab zum Gebäudesockel und zum Beginn des Wanderwegs.

Dämmung: Holzbau mit Mineralwolle

Die Tragkonstruktion ist überwiegend in Holz errichtet. Flussseitig sorgen Aussteifungskreuze für Stabilität. Auf der anderen Seite des Gebäudes sind die Holzständerwände raumseitig beplankt. Eine 100 mm starke Zwischendämmung aus Mineralwolle sorgt für Wärmeschutz. Der Rähm ist zugleich das Schwellenholz für das Pfettendach. Hier wurde eine 220 mm starke Dämmung zwischen Pfetten eingebracht.

Man verzichtete beim Holzbau weitgehend auf Klebstoffe und verband die Bauteile stattdessen mit Holzstiften. Zudem sind die Oberflächen natürlich behandelt: Die Kiefernschindeln des Dachs und die Fichtenbretter der Fassade wurden karbonisiert, sprich oberflächlich angekohlt, und mit natürlichem schwarzem Kiefernharz behandelt. Diese Kombination sorgt nicht nur für das markante, dunkle Erscheinungsbild, sondern schützt das Holz auch auf natürliche Weise vor Feuchtigkeit, Schimmel und Verwitterung.

Bautafel

Architektur: OFIS Arhitekti, Ljubljana
Projektbeteiligte:
Ekoart, Menge (Bautechnik); Mizarstvo Ovsenik, Kranj (karbonisiertes Holz); Gradbeništvo Franc Novak, Gorica pri Slivnici (Bauunternehmen)
Bauherr*in: Bergsteigerverein Gorje, Oberes Gorje
Fertigstellung:
2024
Standort: Podhom 80, 4247 Zgornje Gorje, Slowenien
Bildnachweis: Tomaž Gregorić, Miran Kambič, Janez Martincic (Fotos); OFIS Arhitekti, Ljubljana (Pläne)

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