Bertha-Benz-Schule in Sigmaringen
Kreisrund konzipiert
Am nördlichen Rand Sigmaringens, dort, wo die Stadt langsam ausfranst und in Felder und Täler übergeht, setzt die Bertha-Benz-Schule einen markanten Schlusspunkt. Den nach der Automobilpionierin Bertha Benz benannten Neubau realisierte das Stuttgarter Architekturbüro Lederer Ragnarsdóttir Oei im Auftrag des Landkreises. Der bisherige, etwas weiter südlich gelegene Berufschulcampus wurde durch einen zweiteiligen Baukörper mit zusätzlichem Parkhaus ersetzt. Extensive Begrünung und Photovoltaikanlagen ergänzen sich auf den Dachflächen.
Ring und Riegel
Ring und ein Riegel bilden die prägenden Formen des Ensembles. Mit einem Durchmesser von 94 Metern bildet der Ringbau das Hauptgebäude und zugleich das organisatorische sowie kommunikative Zentrum. Der Riegelbau greift mit seinem tiefen Sockelbereich in den Ring und verzahnt sich mit ihm, während die schmaleren Obergeschosse ihn nur tangieren.
Helle, naturfarbene Holzfassaden und weiße Akzente geben den beiden Gebäudeteilen ein harmonisches Äußeres. Rhythmisch angeordnet spiegeln Größe und Dichte der Fassadenöffnungen die Nutzungen wider. Dabei liegen die Holzfenster hinter Vordächern oder leicht auskragenden Fassadenpartien, die konstruktiven Witterungsschutz bieten und plastische Tiefe erzeugen.
Grüne Mitte
Am Schnittpunkt der Gebäudeteile liegen die Aula, Sanitärbereiche sowie die Haupttreppe, die die nördlichen und südlichen Eingänge verbindet. Im Riegelgebäude sind die Fachbereiche mit ihren Werkstätten untergebracht. Begrünte Lichthöfe, Dachoberlichter und Oberlichtbänder sorgen selbst in den tiefen Werkstattbereichen für reichlich Tageslicht. Innerhalb der Werkstattbereiche ermöglicht jeweils eine zentrale „Mitte“ die gleichzeitige Beaufsichtigung mehrerer Unterrichtsräume. Durch seine veränderbaren Grundrisse soll der Stahlbetonskelettbau langfristig anpassugnsfähig und nutzbar bleiben.
Im Ringgebäude sind die zentralen Unterrichtsbereiche samt den zugehörigen Verwaltungsbereichen sowie Mensa und Versammlungsorte gebündelt. Im Ringinneren öffnet sich ein begrünter Hof, der als Veranstaltungsfläche und Treffpunkt dient. Zudem erweitert er die Lernlandschaft ins Freie und ermöglicht insbesondere in den Sommermonaten Unterricht und Aufenthalt unter freiem Himmel. Mitten auf dem Rasen steht eine abstrakte Stahlskulptur des Bildhauers Robert Schad. Ergänzend wurde damit begonnen, auf dem Schulgelände weit über hundert Obstbäume zu pflanzen. Sie sollen den Campus langfristig prägen, ihn ökologisch aufwerten und zum Biotopschutz beitragen.
Multifunktionale Dächer
Die Dachflächen des Schulgebäudes und des Parkhauses erfüllen gleich mehrere Funktionen: Sie übernehmen Aufgaben im Regenwassermanagement, verbessern das Mikroklima und dienen zugleich der Stromerzeugung. Bei den Schulgebäuden wurden insgesamt 8.100 m2 Dachfläche begrünt, davon 3.000 m2 in Kombination mit Photovoltaik. Das Parkhaus erhielt eine Dachbegrünung von 1.150 m2, wobei 925 m2 als Solargründach ausgeführt sind.
Die extensive Begrünung trägt zum sommerlichen Wärmeschutz bei, mindert Temperaturspitzen auf der Dachoberfläche und wirkt sich positiv auf die Dauerhaftigkeit der Abdichtung aus. Der Dachaufbau ist auf großflächige Gebäude zugeschnitten, das speziell abgestimmte Substrat ermöglicht eine zuverlässige und pflegeleichte Vegetationsentwicklung. Insgesamt 800 m3 waren für die Dachflächen von Schulgebäude und Parkhaus nötig.
Wo Photovoltaikmodule installiert wurden, kamen auflastgehaltene Unterkonstruktionen zum Einsatz. Sie lassen sich flexibel an unterschiedliche Dachformen anpassen, ohne dabei die Dachabdichtung anzutasten. Diese bleibt dauerhaft geschützt, während die PV-Anlagen sicher und wartungsarm montiert sind. Insgesamt wurden 1.549 Unterkonstruktionen verbaut, davon 1.220 auf dem Schulgebäude und 329 auf dem Parkhaus. Die Verbindung von Vegetation und Photovoltaik verbessert zudem die Betriebsbedingungen der Module, da die Dachbegrünung zur Kühlung beiträgt und Leistungsverluste bei hohen Temperaturen reduziert.
Bautafel
Architektur: LRO Lederer Ragnarsdóttir Oei, Stuttgart
Projektbeteiligte: Georg Reisch, Bad Saulgau (Generalunternehmer/Betonbau); Dachbegrünung Garten-Moser (Ausführung Dachbegrünung); Optigrün (Hersteller Solargründach FKD und Optigrün Spardach)
Bauherr*in: Landkreis Sigmaringen
Fertigstellung: 2025
Standort: Nollhofstraße 1, 72488 Sigmaringen, Deutschland
Bildnachweis: Roland Halbe (Fotos); LRO (Pläne)
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