Balustrade

Brüstungs- und Balkongeländer

Eine Balustrade ist ein meist repräsentatives Brüstungsgeländer. Es besteht aus einem rhythmischen Wechsel einer Reihe kleiner bauchiger Säulen und deren Zwischenräumen. Diese Säulen, vertikale Additionen aus tropfenförmigen und bauchigen Elementen, werden Baluster genannt und sind damit namensgebend für das Geländer.

Diese Säulen, vertikale Additionen aus tropfenförmigen und bauchigen Elementen, werden Baluster genannt und sind damit namensgebend für das Geländer.
Das Wort Baluster leitet sich etymologisch von der griechischen Vokabel Balaustion ab, die die Blüte des Granatapfelbaums bezeichnet und damit nicht nur auf von der Botanik abgeleitete Gestalt sondern vielmehr auf eine geradezu mythische Aufladung verweist. Im Bild: Historische botanische Darstellung des Granatapfels mit Zweig, Blüten und Früchten
Granatäpfel auf einem Markt in Lissabon

Herkunft und Symbolik

Das Wort Baluster leitet sich etymologisch von der griechischen Vokabel Bαλαύστιον ab, umgeschrieben Balaustion, das die Blüte des Granatapfelbaums bezeichnet und damit nicht nur auf die von der Botanik abgeleitete Gestalt, sondern vielmehr auf eine geradezu mythische Aufladung verweist. So sollen die roten Früchte aus den Blutstropfen des sterbenden Adonis entstanden sein. Sie gelten einerseits in Zusammenhang mit dem Hades und Persephone als die Früchte des Todes sowie andererseits aufgrund ihrer zahlreichen Samenkörner als Fruchtbarkeitssymbole. Folglich wurden sie als kugelförmige Talisman-Anhänger getragen und in Form von bauchigen Schüsseln, Vasen, Pokalen, Urnen, Amphoren und ähnlichen Gefäßen nachempfunden.

Typologie

Granatapfelbäume stammen ursprünglich aus dem indischen und persischen Raum, werden aber seit der Antike in Südeuropa kultiviert. Diese Blüte hat eine längliche, geschwollen-bauchige Form, die wiederum wie eine Variation der klassischen griechischen Säulen wirkt. In der Tat setzt sich ein Baluster recht fantasievoll aus ähnlichen Teilen wie beispielsweise Sockel, Schaft, Kragen, Hals oder Kapitell zuzüglich Fuß- und Handlauf zusammen. 

Epochen

Balustraden waren in den Epochen Renaissance, Barock, Rokoko und im Historismus besonders beliebt als repräsentative Mischung aus Funktion und Schmuck an Prachtfenstern, Balkonen, Atlanten, Erkern und Freitreppen. In Analogie zur jeweiligen Stilrichtung sind Balustraden opulent-verspielt, massig-rustikal, als imposante Aufsätze mit Hermen und stilisierten Frucht- und Blütengirlanden oder schlicht, schlank und elegant zurückhaltend gestaltet.

Materialien und Farben

Als Material wurde gedrechseltes Holz für Innenräume und Stein für Fassaden gewählt. Je nach Region und Vorliebe der Auftraggeber*innen sind Baluster meist aus Marmor, Granit oder Sandstein als ein massives Stück gemeißelt oder aus einzelnen Formteilen mittels Dübeln verbunden. Aus Kostengründen wurden Balustraden im Historismus auch aus Ziegeln gemauert, verputzt und anschließend poliert, um Naturstein zu imitieren. In Anlehnung an die klassische griechische Antike à la Akropolis zeigen Balustraden vielfach weiße oder helle creme-beige Farbtöne. Im Barock und Rokoko sind jedoch auch dunkelrote, bläulich-schwarze und orange-goldene Farbtöne zu finden, wenn beispielsweise dunkelroter Marmor aus den Steinbrüchen bei Verona oder blauer Marmor aus Brasilien verwendet wurde.

Wertschätzung

Schadhafte, rissige, bröckelnde und nicht mehr standsichere Balustraden wurden insbesondere in der Moderne häufig abgebrochen und durch Gittergeländer oder gemauerte Brüstungen ersetzt. Das Entfernen von Balustraden wurde oft baurechtlich begründet, wenn beispielsweise die Zwischenabstände zwischen den Balustern mehr als 12 cm und damit nicht dem gesetzlichen Maximalabstand entsprachen oder aber auch die Brüstungshöhe zu niedrig war und damit nicht den geforderten Mindesthöhen genügte. Jedoch können problematische Abstände und Höhen beispielsweise mit Glasscheiben oder filigranen Metallstangen ausgeglichen werden.

Im Zuge einer neuen Wertschätzung als historische Bauteile sowie als untrennbares Element im "Gesicht" einer Fassade werden Balustraden heute denkmalgerecht instandgesetzt. Bei Neubauten mit der Anmutung einer Stadtvilla oder einem Palais werden sie sogar im Sinne einer visuell hohen Wertigkeit hinzugefügt.

Dekoration

Einzelne Baluster werden sowohl von Antiquitätenhändler*innen als auch in manchen Bau- und Gartenmärkten angeboten. Sie können wie Säulenstümpfe als Sockel für Skulpturen, Pflanztöpfe oder Blumenvasen genutzt werden. Als Garten- und Wintergartendekoration sind sie meist aus Terracotta gebrannt oder als Steinguss hergestellt wie ähnliche traditionelle Finials, also Zierbekrönungen, wie Kugeln, Pinienzapfen, Eicheln oder Obelisken. -sj

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Die Schnittfläche zwischen einem Fenster und der umgebenden Wand wird als Fensterlaibung bezeichnet (im Bild: tiefe Naturstein-Laibungen als Zitat der Heidelberger Schloss-Ruine, Besucherzentrum, Max Dudler 2010-2012).

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Konstruktion/​Funktion

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