Ausstellung Picturing the Cosmos im Louvre Abu Dhabi

Interaktiv, immersiv und informativ

Das Weltall fasziniert – bereits Jahrtausende vor Christus beobachteten Menschen Sternenkonstellationen und zeichneten Auf- und Untergänge von Sternen und Planeten auf. Die Astronomie gilt damit als eine der ältesten Wissenschaften: Dank ihr konnten vielfältige physikalische Zusammenhänge im Universum erklärt und auf das irdische Leben übertragen werden. Dadurch war es etwa erstmals möglich, die Jahreszeiten kalendarisch festzuhalten – der Beginn der modernen Zeitrechnung. Bis heute ist die Weltraumforschung ein wichtiger Treiber technologischer Erkenntnisse und Neuerungen.

Generalplanung, Ausstellungsgestaltung, Szenografie und Grafikdesign der aktuellen Ausstellung stammen von Atelier Brückner.
Die Ausstellung Picturing the Cosmos erstreckt sich über drei Geschosse mit je eigenem Thema.
In der Cosmos Gallery im Erdgeschoss wird mittels leuchtender Sternbilder und Himmelskörper die Beobachtung des Himmels dargestellt.

Eine interaktive Ausstellung über die Welt der Astronomie speziell für Kinder ist derzeit im von Jean Nouvel entworfenen Louvre in Abu Dhabi zu sehen. Die Ausstellung Picturing the Cosmos, die noch bis Juni 2025 läuft, wurde von Atelier Brückner aufbereitet. Ausgehend von originalen Objekten, Kunstwerken und Artefakten erhalten Kinder und Jugendliche auf drei Etagen mit je eigenem Thema einen spielerischen Zugang zum Thema Kosmos. Das Besondere: Die Kinder können sich das Wissen eigenständig aneignen – mithilfe eines Armbands mit Barcode, das ihnen per Scan Informationen gemäß ihrer Altersgruppe und ausgewählten Sprache (englisch, französisch oder arabisch) bereitstellt.

Projizierter Nachthimmel

Im Erdgeschoss startet die interaktive Reise mit der Cosmos Gallery, die sich dem Blick des Menschen in den Himmel widmet. Unterteilt in die drei Themen Betrachten, Erzählen und Messenwerden die Arten dargestellt, mit denen sich der Mensch dem Kosmos im Lauf der Geschichte anzunähern versuchte. Dementsprechend gestaltet ist dieser Bereich: dunkel und geheimnisvoll wie der Nachthimmel. An den Wänden sind verschiedene Himmelskörper und Sternbilder durch Lichtpunkte dargestellt, die mithilfe von Ferngläsern aus der Nähe betrachtet werden können. Präsentiert werden zudem verschiedene historische Messinstrumente sowie Kunstwerke, darunter ein Himmelsglobus von 1750, dessen Sternbilder die Kinder an einer Medienstation erkunden können. Ein Erlebnisraum, in dem projizierte Sterne, Planeten und die Milchstraße mehrfach gespiegelt ein Gefühl von Unendlichkeit vermitteln, ergänzt die Cosmos Gallery um ein künstlerisch-spielerisches Element.

Immersive und interaktive Erlebnisreise

Ins Obergeschoss mit dem Thema Erforschen führt ein Treppenhaus, das mit Lichtern in Magenta, Violett und Blau inszeniert ist. Fokus dieses Teils der Ausstellung ist die Raumfahrt, weshalb der Bereich dem Inneren eines Raumschiffs gleicht: Hell erleuchtet, mit grauen Oberflächen, blauen Boden- und Wandmarkierungen und verschiedenen Monitoren. Unterschiedliche Forschungsstationen laden hier zum Experimentieren ein: Kinder und Jugendliche können spielerisch entdecken, wie Meteoriten hinsichtlich Gewicht und Magnetismus untersucht oder wie Teleskopbilder mittels Farbanpassung lesbar werden. Auch hier ist ein immersives Erlebnis integriert: Die Rauminstallation Spacewalk through Infinity (dt.: Weltraumspaziergang durch die Unendlichkeit) aus hinterleuchteten Globen und Spiegelwänden ist reaktiv und ändert ihre Farbe, sobald sich eine Person nähert.

Mit dem Fahrstuhl zum Mars

Von hier aus führt ein Fahrstuhl ins Untergeschoss, wo sich ein gänzlich in orangerotes Licht getauchter Raum eröffnet: die Mars-Station.  Besuchende erfahren zunächst, welche Anforderungen für die Erkundung dieses Planeten wichtig sind. An interaktiven RFID-Stationen gibt es Informationen über mögliche zukünftige Marsmissionen. Anschließend können die Kinder eine künstliche Marslandschaft erkunden: mit Hügeln, Hindernissen und einem integrierten Trampolin. Zurück zur Erde – bzw. in die weiteren Ausstellungsräume des Louvre – führt der sogenannte Space-Tunnel, der mit seinen Lichtern den Eindruck eines Strudels erzeugt. 

Licht als Gestaltungselement

Zentrales Gestaltungsmittel bei der Herstellung der jeweiligen Atmosphäre ist die Beleuchtung, mit der das Lichtdesign-Büro Belzner Holmes die Merkmale der Themenbereiche räumlich übersetzte. Da es sich um eine temporäre Ausstellung mit geringem Budget handelt, nutzten die Beteiligten, wenn möglich, vorhandene Strahler – die zum Teil mit Farbfiltern angepasst wurden – und fügten nur wenige neue Strahler und LEDs hinzu. Zum Teil waren außerdem Leuchtstoffröhren in den Vitrinen vorhanden.  Während die Steuerung der vorhandenen Leuchten mittels eines DALI-Steuerungssystems erfolgt, kommen zur Farb- und Intensitätsanpassung der neuen RGB-LED-Streifen einfache drahtlose RGB-TW-Controller (TW = Tuneable White) zum Einsatz.

Die mystische Atmosphäre wurde im Erdgeschoss mithilfe einer Akzentbeleuchtung geschaffen – was zugleich die teils wertvollen und empfindlichen Exponate vor direkter Lichteinstrahlung bewahrt. Dafür wurden die vorhandenen warmweißen Spotlights – passend zur Konzeptfarbe des Geschosses – mit blauen und lila Farbfiltern versehen. Eines der Exponate ist besonders wertvoll und liegt daher in einer Vitrine mit Mini-Strahlern, die mittels Bewegungssensoren nur dann eingeschaltet werden, wenn eine Person sich nähert. Zur Darstellung der Sternenbilder und Himmelskörper an den Wänden wurden sogenannte LED-Ketten verwendet: RGBW-LED-Dots, die auf einem Flachbandkabel fixiert sind und einzeln steuerbar sind. Diese sind bündig in die Wände eingelassen, sodass im Ergebnis nur die Lichtpunkte zu sehen sind.

Für die Umsetzung des Raumschiff-Charakters im ersten Obergeschoss kamen neue warm- und kaltweiße Strahler für die Beleuchtung der Exponate zum Einsatz. Die Allgemeinbeleuchtung erfolgt über die vorhandene hinterleuchtete Spanndecke, die dank ihres transluzenten Materials das Licht diffus im Raum verteilt. Mittels eines DALI-Protokolls kann dabei die Helligkeit angepasst werden. Die Mars-Station im Untergeschoss wurde mit neuen LED-Streifen (RGBW) in Blau, Orange und Rottönen ausgestattet. Vorhandene Strahler wurden mit orangefarbenen Lichtfiltern modifiziert. -si

Bautafel

Architektur (Bestand): Ateliers Jean Nouvel, Paris
Generalplanung, Ausstellungsgestaltung, Szenografie, Grafikdesign: Atelier Brückner, Stuttgart
Projektbeteiligte: Belzner Holmes Light-Design, Stuttgart (Lichtdesign; Projektteam: Andrew Holmes, Elham Souri); medienprojekt p2, Stuttgart (Medientechnik)
Bauherr: Abu Dhabi Departement of Culture & Tourism, Louvre Abu Dhabi
Standort: Saadiyat, Abu Dhabi
Fertigstellung: 2023
Bildnachweis: Atelier Brückner / Daniel Stauch

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