Ausschalen

Bei Ortbeton ist das Ausschalen ein kritischer Teil des Bauprozesses. Ein behutsames Vorgehen ist ratsam, damit es nicht zu Arbeitsunfällen oder Schäden am Bauwerk kommt. Zeitpunkt und Ablauf der Demontage variieren je nach Projekt, Bauteil, Art der Schalung und Betonzusammensetzung. Bei standardisierten Schalungssystemen gibt es jedoch einige Routinen.

Bevor sich die Schalhäute der Wandschalung lösen lassen, müssen die Spannstäbe bzw. Anker entfernt werden.
Ausschalen einer Decke
Ein Ausschalwagen erhöht die Arbeitssicherheit.

Zeitpunkt

Durch das Verdichten und Erhärten erhält der Beton seine Festigkeit. Bei einem Feuchtigkeitsgehalt von 80 bis 90 % kommt der Prozess zum Stillstand. Nach 28 Tagen ist die ausschlaggebende Druckfestigkeit in der Regel erreicht. Die zum Ausschalen benötigte Betonfestigkeit ist allerdings auch vom Auslastungsfaktor α abhängig. Dieser gibt an, inwieweit ein Bauteil ausgelastet ist, bezogen auf seine Tragfähigkeit. 

Beim sogenannten Frühausschalen werden schon nach wenigen Tagen die Schalhäute entfernt. Damit die Oberflächen und Kanten des Bauteils nicht beschädigt werden, kommen Trennmittel, beispielsweise Schalöle oder Emulsionen, zum Einsatz. Das Traggerüst der Schalung verbleibt oder wird durch Hilfsstützen ersetzt, um das noch junge Bauteil zu entlasten – im Fachjargon – zu entspannen. Bei Decken, Unterzügen und Balken ist diese Hilfsunterstellung relevant, da sie zwar ihr Eigengewicht und Nutzlasten aus dem Bauzustand tragen können, nicht jedoch die Betonierlasten der darauffolgenden Decke und auch keine schweren Baumaterialien.

Werkzeuge und Ablauf

Hämmer dienen dazu, die Elementverbindungen, etwa Bolzen, Richtschlösser, Klemmköpfe zu lockern und folglich die Decken- und Richtstützen zu demontieren. Ein Schalungs- und Ausschalplan legt fest, welche Bereiche zuerst ausgeschalt werden, wo der Ausgleichsbereich bleibt und wie lange dieser bestehen bleiben muss. Bei Deckenschalungen werden zuerst um den Ausgleichsbereich herum die Platten (Tische) entfernt, gefolgt von den Zwischenstützen und der Schalhaut im Ausgleichsbereich. Dann können die Träger und zum Schluss die Ausgleichsträger demontiert werden.

Damit sich die Wandschalungen von der Betonoberfläche lösen lassen, müssen sie zunächst entspannt werden. Ankerschlüssel dienen dazu, die Flügelmuttern oder Mutterngelenkplatten zu lockern, um die Ankerbolzen und Spannstäbe entfernen zu können. Normalerweise sind zum Entspannen der Schalung zwei Personen nötig: eine, die den Stab auf der Gegenseite anhebt, und eine zweite, die die Mutter löst. Mit einem Spannstabschlüssel, der das Gewinde fest umgreift, kann eine einzelne Person diesen Schritt erledigen.

Häufig werden Hebeleisen oder Vorschlaghammer genutzt, um eine Wandschalung von der Betonoberfläche zu lösen. Dabei besteht jedoch die Gefahr, dass der Beton und die Schalhaut selbst beschädigt werden. Manche Hersteller bieten für Rahmenschalungen spezielle Ausschalhebel an. Diese werden an einer Rahmenseite in ein Transportloch eingesteckt. Wenn der Arbeiter den Hebel betätigt, löst sich die Schalung von der betonierten Wand. Dabei ist dank der Hebelwirkung nur ein geringer Kraftaufwand nötig. Die Kunststoffrolle, die bei diesem Prozess gegen die Wand gedrückt wird, vermeidet Beschädigungen.

Fahrbare Bühnen und Gerüste, beispielsweise Ausschalwagen und Hubsteiger, erlauben ein sicheres Arbeiten in größerer Höhe. Ein Umsetzwagen hilft, die Platten oder Deckentische per Hand über die Baustelle zu fahren. Dazu entlasten Kräne das Baustellenpersonal beim Umsetzen der zum Teil sehr schweren Schalungselemente. Eine abschließende Reinigung der Oberflächen garantiert die Langlebigkeit der Schalungselemente.

Besondere Ausschalmethoden

Wenn Wandschalungen und Gerüste gleich zu Beginn einer Baumaßnahme zu großflächigen, kranversetzbaren Einheiten vormontiert werden, lässt sich wertvolle Zeit sparen. Dabei kann die Schalhaut über eine Fläche von mehr als 100 Quadratmetern aufweisen. Solche sogenannten Umsetzeinheiten werden mithilfe einer Traverse und eines Krans bewegt. 

Insbesondere im Brückenbau kommt die Split-Soffit-Ausschalmethodik zum Einsatz, bei der die Schalung der Pfeiler- und Hammerköpfe und der Säulen abschnittsweise ausgeschalt wird. Diese Technik beschleunigt die Taktzeiten erheblich, wodurch weniger Schalsätze vorgehalten werden müssen. Ist die Seitenschalung systemunabhängig, kann sie bereits am Tag nach der Betonage demontiert und weiterverwendet werden.

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