Arten von Flachdächern
Flachdächer lassen sich vielseitig nutzen, sei es als erweiterte Wohnfläche oder Dachterrasse, als Standort für Gebäudetechnik (z. B. Klimageräte), zur Energieerzeugung, als Parkdeck oder sogar als Sportanlage. Eine zunehmende Beliebtheit erfährt das Urban Farming in Großstädten. Hier werden Dachflächen zum Anbau für Obst und Gemüse genutzt. Trotz der sehr unterschiedlichen Funktionen, die Flachdächer bieten können, werden sie in lediglich drei Nutzungsarten unterschieden.
Nicht genutzte Dächer
Nicht genutzte Dachflächen sind nicht für den dauerhaften Aufenthalt von Personen, die Nutzung durch Fahrzeuge oder eine intensive Begrünung vorgesehen. Betreten werden diese Flächen in der Regel nur zu Wartungs-, Instandhaltungs- und Pflegezwecken.
Genutzte Flachdächer
Genutzte Dachflächen dienen planmäßig dem Aufenthalt von Personen, der Nutzung mit Fahrzeugen oder sind für eine intensive Begrünung vorgesehen. Im Sinne der technischen Regelwerke gelten folgende Dächer als genutzt:
- Terrassen und Balkone
- Parkdecks und Hofkellerdecken
- intensiv begrünte Dachflächen
- befahrbare Verkehrsflächen
Flache Dächer, die begangen oder befahren werden, müssen zum einen über eine gut funktionierende Entwässerung verfügen, zum anderen über einen verkehrssicheren und rutschfesten Belag. Dieser kann z.B. aus Kies, Natur- oder Naturwerksteinplatten, frostsicheren keramischen Platten, Holzdielen oder Betonplatten bestehen. Die Beläge werden entweder im Mörtelbett, auf Stelzlagern oder im Split-/Kiesbett verlegt. Wichtig ist der Einsatz eines druckbelastbaren Dämmstoffes und die Trennung (mittels Trennlage) von Abdichtung und Dämmung.
Bei begeh- und befahrbaren Dächern werden zwei Arten unterschieden: Flachdächer über genutzten (und mit Wärmedämmung versehenen) Räumen und Flachdächer über nicht gedämmten Räumen wie z.B. bei Parkhäusern. Bei den letztgenannten dient das Flachdach und dessen Abdichtung dem Schutz der darunterliegenden tragenden Konstruktion, vor allem gegenüber Nässe. Deshalb sollte das Mindestgefälle bei 2% liegen. Damit die Abdichtungen nicht durch den Fahrbahnbelag beschädigt werden, müssen mehrlagige Trennschichten auf der Abdichtung angeordnet werden. Bei Dächern über genutzten Räumen muss die Wärmedämmung druckfest sein.
Befahrbare Dächer können auch als Umkehrdach ausgeführt werden, sofern keine großen Lasten z.B. durch sehr schwere Fahrzeuge zu erwarten sind. Diese würden zu Schäden an den ohnehin hoch beanspruchten Dachabdichtungen führen, die beim Umkehrdach unterhalb der Dämmung liegen. Zum Schutz von Abdichtungen und Wärmedämmung sollten Druckverteilungsplatten eingesetzt werden, die entweder unterhalb des obereren Belags angeordnet sind oder den Oberbelag herstellen. Geeignet sind z.B. Pflastersteine, Verbundpflaster oder Betonplatten.
Begrünte Flachdächer
Begrünte Dachflächen dienen der Verbesserung des Klimas oder als Ersatz für eine bebaute Fläche. Außerdem können sie als Garten genutzt werden. Gründächer sind teilweise oder vollständig mit Vegetation bedeckt. Grundsätzlich ist bei begrünten Dächern die Tragfähigkeit der Unterkonstruktion zu prüfen, inklusive gegebenenfalls auftretenden Verkehrslasten und größerer Einzellasten von Gehölzen und Bauelementen, sowie die Menge von möglichem Anstauwasser. Wichtig sind zudem eine ausreichende Druckfestigkeit der Dämmung sowie die Berücksichtigung des Wasserdampfdiffusionsverhaltens des gesamten Dachaufbaus.
Der Schichtenaufbau besteht meist aus: Vegetationsschicht, Filterschicht, Entwässerungs-/Dränageschicht, Durchwurzelungsschutz, Schutzschicht, Abdichtung und Wärmedämmung (von oben nach unten). Man unterscheidet:
- Extensivbegrünung
- Einfache Intensivbegrünung
- Intensivbegrünung
Extensivbegrünung
Extensivbegrünungen sind naturnah
angelegte Vegetationsformen mit niedrigem Wuchs. Die zumeist
geschlossene Vegetationsschicht besteht aus Pflanzen, die sich
weitgehend selbst erhalten und weiterentwickeln. Die Höhe des
Schichtaufbaus beträgt 6 bis 15 cm bei einem Gewicht von max. 1,5
kN/m². Die Wartung extensiv begrünter Dachflächen beschränkt sich
auf ein bis zwei Kontrollgänge im Jahr, deshalb gehört diese Art zu
den nicht genutzten Flachdächern.
Einfache Intensivbegrünung
Bei einfachen Intensivbegrünungen
werden in der Regel bodendeckende Begrünungen mit Stauden, Gräsern
und kleinen Gehölzen verwendet. Diese Wuchsform bedarf eines
geringen Pflegeaufwands, bei dem die Pflanzen je nach Witterung
auch bewässert werden müssen. Die Höhe des Schichtaufbaus beträgt
etwa 15 bis 20 cm bei einem Gewicht von 1,5 bis 3,0
kN/m².
Intensivbegrünung
Intensivbegrünungen umfassen
Pflanzungen aus Stauden, Gehölzen, Bäumen und ggf. Rasenflächen.
Die Möglichkeiten zur Gestaltung sind beinahe so vielfältig wie bei
bodengebundenen Freiräumen. Eine Kombination mit Sitz- und
Gehbereichen, aber auch Wasserbecken sind möglich. Häufig ist diese
Art der Begrünung auch bei Tiefgaragendecken, bei denen z.B.
Fahrbeläge und Spielbereiche hinzukommen. Die verwendeten Pflanzen
haben einen hohen Pflegeaufwand und müssen regelmäßig bewässert und
gedüngt werden. Die Aufbauhöhe beträgt 25 bis 100 cm bei einem
Gewicht von 3 bis 12 kN/m².
Fachwissen zum Thema
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