Akustikdecke neu befüllt
Neue Schüttdämmung für das Kino International
Wenige Bauten der ehemaligen DDR sind so beliebt wie das 1963 eröffnete Kino International an der Berliner Karl-Marx-Allee. Bereits ein Jahr nach dem Mauerfall wurde es unter Denkmalschutz gestellt. Seit 2024 wird es nun einer umfassenden Sanierung unterzogen, bei der auch die Dämmung auf den Abhangdecken ausgetauscht wird.
Als Solitär zwischen den Hochhausscheiben, die die Allee säumen, ist das Kino nicht zu verfehlen. Das Sockelgeschoss ist grau, mit verklinkerten Seiten und einer Straßenfront mit verglasten Kassenboxen. Darüber kragt der weiße Kinotrakt um neun Meter aus und reckt der Karl-Marx-Allee eine 35 Meter breite Glasfront entgegen, hinter der abends die Kinobar funkelt. Die übrigen Seiten sind fensterlos und zeigen ein Relief.
Hinter den Fassaden verbirgt sich ein Stahlskelettbau. Im Zentrum steht der Vorführsaal mit einer 17,5 Meter breiten Leinwand und einer gewellten, grauweiß gestreiften Akustikdecke. Ursprünglich befanden sich in dem Gebäude noch eine Bibliothek sowie Klub-, Vortrags- und Sporträume – diese Nutzungen sind nach der Wende jedoch verschwunden.
Rabitzdecke mit Schüttdämmung
Die Akustikdecke wurde in Rabitztechnik erstellt. Dabei wird Putzmörtel oder – wie beim Kino International – Gips auf einem Drahtgitter aufgebracht. Dieses ist wiederum an einer tragenden Unterkonstruktion befestigt. Beim Kino International ist dort sogar ein Laufweg aus Gitterrosten integriert. Während die Tragkonstruktion aus Stahl noch in sehr gutem Zustand war, erforderten Schadstoffbelastung und unzureichender Brandschutz jedoch einen Ersatz der aus DDR-Zeiten stammenden Kamelitdämmung. Auf der gesamten Decke sollte folglich eine neue, fugenlose Dämmlage von 160 mm hergestellt werden.
Wegen der dichten Abhängung der Rabitzdecke empfahl sich eine Schüttdämmung, die mit Schläuchen aufgeblasen wurde. Aus Brandschutzgründen fiel die Wahl auf Fillrock RG des Herstellers Rockwool. Das flockenförmige Steinwolle-Granulat ist nichtbrennbar. Darüber hinaus profitiert die Raumakustik im Vorführraum des Kinos von der Masse der neuen Dämmung. Wird sie – wie in diesem Fall – mit einer Dichte von 45 bis 55 kg/m3 aufgebracht, erreicht sie die Wärmeleitstufe 038. Das Setzmaß liegt bei maximal zehn Prozent.
Arbeit im Zwischenraum
Das Team des Fachbetriebs Cogito brachte das Granulat in drei Bauabschnitten ein: Begonnen wurde über dem großen Vorführraum, weiter ging es über der Bühne hinter der Leinwand und schließlich folgte die Decke über der Panorama-Bar. Für die Maßnahme wurden Holzplanken in die Deckenkonstruktion eingelegt, um die Bewegungsflächen zu vergrößern. So ließen sich auch die Schläuche gefahrlos mitführen. Beim Aufbringen prüften die Handwerker kontinuierlich mit einem Stabmaß, ob die angestrebte Dämmdicke bereits erreicht ist. Im Anschluss benetzten die Handwerker das Granulat mit Kaliwasserglas (sprich Wasserglaskleber), um die Dämmung zu fixieren. Üblicherweise werden Kleber und Granulat gemeinsam aufgespritzt. In diesem Fall galt es jedoch, die Gipsdecke nicht durch zu hohe Feuchtigkeitsmengen zu gefährden.
Die Wiedereröffnung des Kinos ist für Frühling 2026 geplant.
Fachwissen zum Thema
Deutsche Rockwool | Kontakt 02043 / 408 408 | www.rockwool.de