Bode-Museum in Berlin

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Kuppelkonstruktion aus Stahlträgern und Holzsparren

Das wieder eröffnete Bodemuseum umfasst ca. 169.500 m³ Bruttorauminhalt, dieser ist verteilt auf rund 25.000 m² Bruttogeschossfläche, von denen etwa 11.000 m² Hauptnutzfläche sind. An der Spreeseite beträgt die Länge des Museums 139 m und die Breite an der Stadtbahnseite 111 m. Die Höhe wird mit 20,30 m angegeben, die der großen Kuppel mit 39,50 m. Das Museum ist also ein Ort der Superlative, nicht nur bezüglich seiner Maße, sondern auch im Hinblick auf seine Geschichte.

Bei der sehr umfangreichen Sanierung wurde zunächst Wert auf die Substanzerhaltung gelegt, was eine umfangreiche Bestands- und Schadenaufnahme erforderte. Nachdem schon 1991 dazu der Auftrag erteilt wurde, ist erst 1996 ein denkmalpflegerisches Gutachten erstellt worden. Die Sanierungsaufgaben umfassten im einzelnen die Erneuerung der Fenster, die statische Instandsetzung der Treppenhäuser, die Erneuerung und die Ergänzung der Kuppeln, das Herrichten der Depots und der Werkstätten sowie die Sanierung der Fassaden und die Restaurierung der Räume des Münzkabinetts.
Der Wiener Architekt Heinz Tesar erhielt schließlich 1997 den Auftrag zur Grundinstandsetzung des Gebäudes.

Dach
Die Kuppeln bilden die Eckpunkte des Gebäudes.
Die kleinere der beiden Kuppeln ist als zweischalige Mauerwerkskonstruktion ausgeführt. Die große Kuppel besteht aus einer aufwändigen Stahl-/Holzkonstruktion, der so genannten Schwedler-Kuppel.

Bei einer Schwedler-Kuppel werden vereinfacht beschrieben Ringe aus Stahl erstellt und mit Stahlträgern vertikal auf einen bestimmten Abstand gebracht. Die entstehenden viereckigen Felder werden mit diagonalen Streben versehen. Jedes Feld ist somit für sich ausgesteift. Die Träger, die als "Abstandshalter" dienen, neigen sich nach innen und laufen schließlich in der Spitze zusammen, wo sie sich gegenseitig abstützen. Die Ringe verhindern eine unzulässige Ausdehnung einzelner Bereiche nach innen und außen. Durch eine gelenkige Lagerung können Verwindungen schadlos aufgenommen und abgeleitet werden.

Über diese Konstruktion wird quasi eine zweite, fast baugleiche Konstruktion mit einem bestimmten Abstand gestülpt. Wieder dienen Stahlträger als "Abstandhalter". Um die äußere stählerne Konstruktion ist ein kompliziertes Holzwerk erstellt. Auf den vertikal verlaufenden äußeren Stahlträgern, die einen geringeren Abstand zueinander haben als die inneren, liegen Ring-Holzpfetten. Darauf wiederum ruhen die Sparren, deren lichter Abstand etwa der Hälfte des Abstandes der äußeren Stahlträger beträgt. In mehreren Schichten werden nun, mit wechselndem Richtungsverlauf, Schalungen und weitere Sparren und Wechsel aufgebracht. Letztlich entsteht dadurch in der Oberschale eine gleichmäßig runde Form, die durch Erhöhungen und Vertiefungen zusätzlich noch die Form des darunter liegenden Mauerwerks übernimmt. Diese Form wird durch das Dach quasi in die Krone weitergeführt. Das relativ große Gewicht dieser Konstruktion muss lediglich über den unteren Ring abgetragen werden, der Rest stützt sich selber.

Die Kuppel war zu DDR-Zeiten mit Schiefer eingedeckt und wurde nur notdürftig repariert woraus große Schäden im Dachbereich entstanden. Im Laufe der Rekonstruktion wurde sie, ihrer ursprünglichen Deckung entsprechend, wieder mit einer Kupfer-Stehfalzdeckung versehen.

Bautafel

Architekten: Tesar/Fischer, Wien (bis 2002) Atelier Heinz Tesar, Wien (ab 2002) in Projektpartnerschaft mit Hella Rolfes, Berlin
Projektbeteiligte: GSE Ing.-Gesellschaft Saar, Enseleit & Partner, Berlin (Tragwerksplanung); Freyer Holzbau GmbH, Netzeband (Holzbauarbeiten); Firma Fuchs & Girke Bau und Denkmalpflege GmbH, Ottendorf-Okrilla (Dachdecker- und Klempnerarbeiten der großen Kuppel)
Bauherr: Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Staatliche Museen zu Berlin vertreten durch Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung, Berlin
Fertigstellung: 2006
Standort: Museumsinsel Berlin-Mitte
Bildnachweis: Christian Thiele, Berlin (1); Florian Profitlich, Berlin (2); Gegusch, Berlin (3)

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