Wall House in Santiago de Chile

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Die bewohnte Wand

Einen Alterswohnsitz in der Nähe von Santiago de Chile, das wünschte sich ein Ehepaar vom Kölner Architekturbüro FAR Frohn & Rojas. Auf einem Grundstück mit heterogenem Umfeld entstand das Wall House: Einerseits nähert sich die Stadt mit ihren vorstädtischen Strukturen entlang des Pan-American Highway, andererseits öffnet das 5000 m² große Naturgrundstück den Blick auf die Anden. Der Name Wall House ist Programm. Die Wände des Gebäudes sind in vier verschiedene Schichten aufgelöst und jede Schicht entwickelt eigene Qualitäten hinsichtlich Nutzung, Konstruktion, Oberfläche, Atmosphäre und Klima.

Wärmedämmung/Energiekonzept
Die innerste Schicht ist ein Stahlbetonkern, der die intimsten Bereiche - die Baderäume - birgt. Er ist vollständig als Nassraum ausgebildet. Die zweite Schicht besteht aus Holzbauelementen, die - geschlossen und offen - Räume verbinden bzw. trennen. Sie dienen als Ablage- oder Schrankflächen. Die dritte Schicht wird von hochdämmenden Polycarbonatplatten gebildet, die aus der Typologie des Industriebaus entlehnt sind. Die Platten sind 40 mm stark, haben drei Kammern und erreichen einen U-Wert von 1,65 W/m²K. Diese dritte Schicht aus Polycarbonat stellt die raumabschließende Hülle des Hauses dar und wurde an zwei Seiten komplett verglast. Raumhohe Schiebetüren erlauben die vollständige Öffnung zum Außenraum.

Die äußerste und damit vierte Schicht spannt sich wie ein Zelt über das Haus. Dieses Zelt besteht aus zwei verschiedenen, gewebten Textilien, die über - dem Klima angemessene - Funktionen verfügen: Ein Gewebe reflektiert Sonnenstrahlen, um einer Überhitzung vorzubeugen, das andere dient als Insektenschutz. Beide Materialien stammen aus dem Gewächshausbau. Das Sonnenschutzgewebe besteht aus hoch reflektierenden Aluminiumstreifen mit Polymerfasern, es kann zwischen 50 bis 75% des vorhandenen Sonnenlichts reflektieren. Komplettiert wird es durch dunklere, dreieckige Flächen, die alle Zugänge zum Haus markieren. Sie bestehen aus einer Insektenmembran und lassen sich durch Reißverschlüsse öffnen. Die Distanz zwischen Zelt und Polycarbonathülle variiert zwischen 45 cm und 4 m in Abhängigkeit von den zugeordneten Räumen.

Die räumliche und materielle Ausbildung der verschiedenen Wandschichten lässt klimatisch und atmosphärisch unterschiedliche Räume entstehen. Die Entlehnung der Materialien aus Agrar- bzw. Industriebauten ermöglichte ein sehr kostengünstiges Bauen.

Bautafel

Architekten: FAR Frohn & Rojas, Köln; Marc Froh, Mario Rojas, Amy Thoner, Pablo Guzman, Isabel Zapata (Mitarbeit)
Projektbeteiligte: Ingewag Limitada, Santiago Chile (Tragwerksplanung Holz); Ernesto Villalon Santiago Chile (Tragwerksplanung Beton)
Fertigstellung: 2007
Standort: Santiago de Chile
Bildnachweis: Christobal Palma, Santiago de Chile