Einfamilienhaus in Esslingen

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Transluzente Wärmedämmfassade mit Polycarbonatplatten

Langes, schmales Ding! Als nicht bebaubar galt ein sehr schmales und auch noch steiles Grundstück an einem Südhang oberhalb von Esslingen am Neckar. Finckh Architekten aus Stuttgart haben die Herausforderung nicht gescheut und für sich selbst ein ungewöhnliches Wohnhaus geschaffen. Bei einer Breite von 4,70 Metern, einer Länge von 14 Metern bietet es Platz auf vier Geschossen, inklusive einer Einliegerwohnung.

Anders als die umgebenden Bauten des Wohngebietes zeigt sich das Einfamilienhaus transparent und offen. Seine schmalen Traufseiten sind nach Norden und Süden fast vollständig verglast, die Wände der langen Giebelseiten mit einer transparenten Wärmedämmung (TWD) verkleidet. Die Fassadenpaneele sind lichtdurchlässig genug, um bei Tag den Innenraum natürlich und gleichmäßig zu belichten. Dabei bieten sie gleichzeitig Schutz vor Einblicken. Eine in die Fassade integrierte, farblich steuerbare LED-Beleuchtung sogt bei Dunkelheit für unterschiedliche Lichtstimmungen im Innen- und Außenraum (siehe Abb. 8).

Der Zugang zu dem teilweise in den steilen Hang eingegrabenen Gebäude erfolgt über eine Außentreppe entlang der Ostfassade. Ganz unten erschließt diese die 35 Quadratmeter große Einliegerwohnung (Level 0). Die etwa 147 Quadratmeter messende Hauptwohneinheit erreicht man ein Geschoss darüber (Level +1). Ausgehend von dem großzügig gestalteten Eingangsbereich verbindet eine offene, einläufige Treppe die drei Ebenen der Wohnung. Im Eingangsgeschoss befinden sich außer der Garderobe die beiden nach Süden orientierten Kinderzimmer, sowie nach Norden ein Gästezimmer mit Bad. Im Geschoss darüber (Level +2) sind die Bereiche für Wohnen, Kochen und Essen zu einem großen Raum zusammengefasst. Eine Terrasse überbrückt von hier aus den Hang in Nordrichtung und ebnet den Zugang zum Garten mit Pool. Folgt man der Treppe dagegen noch ein Geschoss weiter nach oben, erreicht man über eine Galerie das Schlafzimmer der Eltern mit Bad und Ankleide (Level +3) unter dem Dach.

Wärmedämmung/Konstruktion
Das viergeschossige Gebäude ist in Massivbauweise aus Stahlbeton errichtet. Die Betonoberflächen der Wände, der Geschossdecken und der Dachflächen bleiben im Innern sichtbar und stehen im Kontrast zu den transparenten und transluzenten Fassadenflächen.

Die Fassade der langen Giebelseiten besteht vollflächig aus 6 cm starken, hochdämmenden, transluzenten Polycarbonatplatten. Diese haben einen U-Wert von 0,74 W/m²K. Dort, wo hinter dieser Schicht tragende Sichtbetonscheiben positioniert sind, wurde zusätzlich 6 cm Polyurethan-Hartschaum (PUR) mit einer Wärmeleitfähigkeit λ von 0,024 W/mK zwischen Beton und TWD aufgebracht, an den Stirnseiten der Geschossdecken und des Dachrandes verfuhr man ebenso. Das Satteldach aus Beton erhielt eine 14 cm starke Dämmung aus PUR. Gegen das Erdreich ist die Bodenplatte unterseitig mit einer 12 cm dicken Perimeterdämmung (Wärmeleitfähigkeit λ 0,035 W/mK) versehen, ebenso wie die Außenwände in den Bereichen unter Terrain.

Den Passivhausstandard mit einem Endenergiebedarf von 15 kWh/m²a erreicht das Wohnhaus außer durch die hochgedämmte Gebäudehülle über die Verglasung der Traufseiten. Der Wärmebedarf wird durch eine Sole-Wasser-Wärmepumpe gedeckt, und zusätzlich produziert eine auf dem Dach integrierte Photovoltaikanlage Solarstrom.

Anmerkung: Die in den Abbildungen gezeigte Treppe ist in dieser Form nach Bauordnungsrecht nicht zulässig. Im beigefügten PDF finden Sie die Ausführungen des Baurechtamtes Stuttgart dazu.

Bautafel

Architekten: Finckh Architekten, Stuttgart
Projektbeteiligte: Pfefferkorn+Partner, Stuttgart (Tragwerksplanung); PGG, Filderstadt (Geologie); Eneplan, Lachen (Energiekonzept); thelightingarchitects, Stuttgart (Lichtplanung)
Bauherr: Familie Finckh
Fertigstellung: 2012
Standort: Stöckenbergstr. 39, Esslingen
Bildnachweis: Thomas Sixt Finckh, Stuttgart; Finckh Architekten, Stuttgart

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