Staatstheater in Darmstadt

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Sanierung in Weißbeton

Das Staatstheater Darmstadt wurde 1972 nach den Entwürfen des Architekten Rolf Prange erstellt. Das horizontal gegliederte, funktionale Gebäude aus Sichtbeton, Mamorverkleidung und Wellblech, war sowohl baufällig als auch in seiner autogerechten Architektursprache ohne Haupteingang nicht mehr zeitgemäß. Abgesehen von den gestalterischen Mängeln war eine technische Aufrüstung dringend notwendig geworden.

Die elementaren Neuerungen des Umbaus sind die Einführung eines provisorischen Theaters in der „verratzten Unterwelt“ (LRO) der Tiefgarage und das neue Hauptportal. Das Eingangsbauwerk - ein helles, freundliches Portal mit Treppe und Aufzug - prägt jetzt in einer selbstverständlich wirkenden Dominanz das Theater. Der aus Weißbeton hergestellte und organisch geformte Baukörper wendet sich mit weit auskragendem Balkon zum Stadtraum. Er wirkt wie eine Bühne und es ist nicht auszuschließen, dass dort bei speziellen Anlässen Aufführungen stattfinden werden. In den Pausen bietet sich den Besuchern der Blick auf die Innenstadt von Darmstadt. Das Portal hat eine große Glasfront, die mit Türflügeln versehen ist. Langgestreckte horizontale Vordächer, ebenfalls aus Beton, führen als eine Art Pergola mit pilzartigen Stützen zum Eingangsportal.

Neben dem städtebaulich wirksamen Eingang gestalteten die Architekten das Foyer, die Spielstätten in der ehemaligen Tiefgarage sowie das neue Treppenhaus um. Es windet sich mit seinen Brüstungen aus Weißbeton wie eine Skulptur nach oben. Statt der funktionalen Verbindung zwischen zwei Punkten wird die Treppe zum atmosphärischen Bewegungsraum.

Im Foyer trennen farbige Deckensegel die dunkle, roh belassene und sichtbare Deckeninfrastruktur von den hellen, edel wirkenden Wänden. Die Durchgängigkeit im Farbton setzt sich auch im neu gestalteten Garderobenbereich fort. Hier befinden sich weiße Besucherspinden, die sich als eingestellte Möbel durch Lichtstreifen von Boden und Decke absetzen.

Beton
Das Eingangsportal sowie "Pergolen" und Treppenraum sind aus Weißbeton hergestellt. Um den Beton im Außenbereich vor Sprayern zu schützen, wurde ein Anti-Graffitischutz aufgebracht.

Im organisch geformten Eingangsbauwerk fallen Stäbe auf, die in die Spannlöcher eingelassen wurden. Es sind Kupferstäbe, die den unaufhaltbaren und gewollten Alterungsprozess, die ohnehin eintretende Patina auf dem Weißbeton, beschleunigen sollen. Auffallend sind die Dachabschlüsse ohne Blechaufkantungen, wodurch die linien- und körperhafte Ausformulierung stark betont wird und die Architektur klar und eindeutig zur Wirkung kommt.

Bautafel

Architekten: Arno Lederer, Jórunn Ragnarsdóttir, Marc Oei, Stuttgart
Projektbeteiligte: DU Diederichs Projektmanagement AG & Co KG (Projektsteuerung)
Bauherr: Land Hessen vertreten durch das Hessische Baumanagement, Frankfurt am Main
Fertigstellung: 2006
Standort: Georg-Büchner-Platz 1, Darmstadt
Bildnachweis: Barbara Aumüller, Frankfurt

Architektenprofil

Lederer Ragnarsdóttir Oei

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