Weingut Preisinger in Gols/A

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Symbiose aus Holz und Beton

Selbstbewusst und zeitgemäß behauptet sich das Weingut Preisinger in der ländlichen Umgebung der Gemeinde Gols im österreichischen Burgenland. Mit seiner lang gestreckten dynamischen Form scheint es sich in die Weinberge am Goldberg zu schieben. Die Wiener Architekten von Propeller Z haben den Gebäuderiegel in zwei Teile aus unterschiedlichen Materialen und in unterschiedlichen Höhen gegliedert: Im vorderen zweigeschossigen Gebäudeteil aus Sichtbeton sind der Empfang, das Büro, die Neben- und Umkleideräume im Erdgeschoss sowie die Weinverkostung im Obergeschoss angeordnet. Direkt anschließend ist die eingeschossige Lager- und Produktionshalle als komplette Holzkonstruktion ausgeführt. Unter allem liegt das Untergeschoss etwa 4,00 m unter Terrain mit zwei getrennten Lagerräumen im Nord-Ostteil sowie einem Technikraum und weiteren Lagerräumen im Süd-Westteil.

Schräg ansteigend betragen die Gebäudehöhen an der niedrigsten Stelle im hinteren Bereich der Lagerhalle 5,20 m und an der höchsten Stelle im zweigeschossigen vorderen Betonbaukörper 7,40 m. Hier schiebt sich das Obergeschoss nach vorne und überkragt den darunter liegenden Empfangsbereich mit einer Terrasse, die eine herrliche Aussicht über die umliegende Rebenlandschaft bietet. Die schräg nach hinten verlaufenden seitlichen Betonwände der Terrasse verstärken den dynamischen Charakter des Hauses. Ganz aus Glas ist die Fassade zum Verkostungsbereich ausgeführt - ebenso wie die im darunter liegenden Erdgeschoss. Ihre profillose Ausführung lässt das Obergeschoss schwebend erscheinen. Diese Wirkung wird durch die Holztüren noch unterstützt, die gänzlich von Glas umschlossen sind: Nichts scheint die Auskragung zu tragen. Es entsteht der Eindruck, als ob das Gebäude jeden Moment abheben könnte.

Holz
Im hinteren Teil des Gebäudes besteht die Außenhaut aus einer 4 cm starken Holzlattung natur mit einer Hinterlüftung von 12 cm, es folgt eine OSB - Platte, dann 12 cm Mineralwolle, die Dampfsperre und eine 3-Schichtplatte als innerer Abschluss. Im Dach, ebenfalls als Holzkonstruktion ausgeführt, befinden sich öffenbare Oberlichter in der Größe von 1,00 x 4,80 m.

Beton
Der vordere Bereich des Gebäudes ist in Beton ausgeführt. Hier beträgt die Wandstärke im auskragenden Terrassenteil 45 cm und verjüngt sich dann auf der Wandinnenseite auf 30 cm mit 10 cm Mineralwolle als Innendämmung, einer Dampfsperre und 3 -Schichtplatten als Trockenwand. Die Geschossdecken sind ebenso wie die Boden- und Deckenplatte 25 cm stark und mit einem beschichteten Estrich als Bodenbelag versehen. Um die Dämmung innen aufbringen zu können, musste im Deckenbereich mit Isokörben gearbeitet werden. Das wiederum hatte Einfluss auf die Schalstruktur der Latten und damit auf das gesamte Schalbild.

Als Beton wurde die Sondermischung C40/50 B2 GB3 GK16 verarbeitet. Alle senkrechten Wände inklusive die der Auskragung wurden in einem Arbeitsgang betoniert. Für die Deckenanschlussbewehrung wurden Löcher in der Schalhaut ausgespart, die einzeln abgedichtet wurden. Insgesamt erforderte der hohe Bewehrungsanteil großes handwerkliches Know-how, was durch die ausführende Baufirma mit Bauleiter Herbert Praunrath hervorragend gemeistert wurde.

Schalung
Charakteristisches Merkmal der Fassade ist die schräg verlaufende Struktur der beiden Materialien Holz und Beton, die nahtlos ineinander überzugehen scheinen. Zusammen bilden sie eine Einheit, die sich auf den ersten Blick nur farblich voneinander unterscheiden. In ihrer Neigung entsprechen die im Beton eingelassenen Riefen der schräg angebrachten äußeren Holzlattung, unterscheiden sich jedoch in Breite und Abstand zueinander. Da die Betonstruktur nur indirekt mit der Holzlattenfassade zu vergleichen ist, wählten die Architekten ein unregelmäßiges Lattenbild.

Damit die Oberflächenstruktur ohne Übergang in die Schrägstellung ineinander laufen, mussten die jeweils anschließenden Schaltafeln exakt aufeinander abgestimmt werden. Verwendet wurden 2,70 m hohe Schaltafeln aus Holz, die stark modifiziert wurden. Ihre Maserung und das orthogonale Schaltafelraster zeichnen sich auf der schrägen Lattenstruktur des Betons ab.

Bautafel

Architekten: Propeller Z, Wien/A
Projektbeteiligte: Werkraum, Wien/A (Statik); Dr. Dl. Erik Würger, Wien/A (Bodengutachten); Herbert Praunrath / Östu Stettin, Leoben/A (Bauleitung); Peri, Weißenhorn (Schalung)
Bauherr: Claus Preisinger, Gols/A
Standort: Goldberg, Gols
Fertigstellung: 2009
Bildnachweis: Hertha Hurnaus, Wien

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