Kraftwerks-Leitstelle TIWAG in Silz

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Koloss aus mit Eisenoxidpigmenten gefärbtem Beton

Die Stromgewinnung aus Wasserkraft hat in Österreich nicht nur eine lange Tradition, sie ist auch weit verbreitet. Rund 150 Groß- und 3.000 Kleinkraftwerke versorgen einen Großteil des Landes mit elektrischer Energie. Eines der leistungsstärksten ist das 1981 errichtete Speicherkraftwerk der Tiroler Wasserkraft Gesellschaft, kurz TIWAG, nahe der kleinen Gemeinde Silz im Oberinntal. Da seine technischen Komponenten unterirdisch angelegt sind, trat es bislang kaum in Erscheinung. Zu sehen waren lediglich eine Turbinenhalle für die Wartung der Generatoren, eine Freiluftschaltanlage zur Einspeisung des erzeugten Stroms ins Netz sowie eine Leitstelle, von der die Steuerung sämtlicher Anlagen der Kraftwerksgruppe erfolgte. Nach mehr als dreißig Jahren Betriebszeit machten technische Veränderungen und steigende Sicherheitsstandards den Bau einer neuen Leitstelle erforderlich.

Bechter Zaffignani Architekten aus Bregenz übernahmen die Aufgabe und schufen einen expressiven Baukörper aus hellbraun eingefärbtem Beton, den sie axial zum Turbinenhaus platzierten. Mit seinen sechs Geschossen weithin sichtbar wird er dem Anspruch der Planer gerecht, die kraftvollen energetischen Prozesse auf dem Gelände optisch zum Ausdruck zu bringen. In der seitlichen Ansicht scheinen zwei der Geschosse von unsichtbarer, aber mächtiger Hand wie Schubladen herausgezogen und in halboffenem Zustand erstarrt zu sein. In die Nord- und Südfassade sind gebäudebreite, schwarz gerahmte Fensterbänder eingelassen, die wie dunkle Fugen in der Betonfläche erscheinen; Ost- und Westfassade sind vollkommen geschlossen ausgebildet.

Das Raumprogramm ist denkbar einfach geschossweise gestapelt – jeder Ebene ist eine andere Funktion zugeordnet. Diese klare Hierarchie vereinfacht insbesondere die Überwachung und Zutrittskontrolle der Sicherheitsbereiche. Der zentrale Kontrollraum ist zweigeschossig und befindet sich in der schubladenartigen Auskragung nach Norden. Insgesamt ist das Gebäude in Niedrigenergiebauweise errichtet; ein Grundwasserbrunnen versorgt es mit der benötigten Heiz- und Kühlenergie. Zusätzlich wird die Abwärme der technischen Anlagen für die Heizung genutzt.

Beton
Den kraftvollen Ausdruck verdankt der Baukörper seiner klaren Form, der Materialisierung und Farbgebung. Mit seiner industriell rau anmutenden Hülle aus bräunlichem Sichtbeton ist er der Kraftwerksanlage eindeutig zuzuordnen. Den gewünschten Farbton erhielt der Beton durch Zugabe von Eisenoxidpigmenten.

Das Gebäude gründet auf einer ein Meter dicken Fundamentplatte, die zusätzlich mit Zugpfählen verankert ist, um Erdbeben standzuhalten. Die geschlossenen Wandflächen der Ost- und Westflanken sind thermisch von den Innenwänden und Decken entkoppelt. Die freien Deckenränder der anderen beiden Fassaden sind deshalb durch massive Brüstungen verstärkt, die als Träger wirken. Edelstahleinlegeteile und Edelstahlquerkraftdorne verbinden die innere mit der äußeren Konstruktion.

Bautafel

Architekten: Bechter Zaffignani Architekten, Bregenz
Projektbeteiligte: ZSZ Ingenieure, Innsbruck (Tragwerksplanung); BMO Baumanagement Oswald, Mils (Bauleitung, Haustechnik- u Elektroplanung); Luzian Bouvier, Zams (Ausführung Haustechnik); Fiegl & Spielberger, Innsbruck (Elektroinstallationen); Fröschl, Hall (Betonbau)
Bauherr: Tiroler Wasserkraft AG, Innsbruck
Standort: Dr. Meinrad Praxmarer Straße 2, 6424 Silz, Österreich
Fertigstellung: 2014
Bildnachweis: Rasmus Norlander, Zürich/Stockholm

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