Züribadibuch

Illustration Karte mit den Badeanstalten in Zürich
Postkarte der Männerbadi Bürkliplatz mit den beliebten Sprungbrettern
1909: Luftaufnahme vom Heissluftballon-Piloten Eduard Spelterini

Züribadibuch

Tina Schmid

Scheidegger und Spiess
232 Seiten, 106 farbige und 100 s/w-Abbildungen, Format 19 x 25 cm, Hardcover

Preis: 48 EUR

ISBN 978-3-03942-222-7

Wer die Züricher Badekultur bisher nicht kannte, hat nun die Chance auf detaillierte Einblicke. Das Züribadibuch zeigt die Bedeutung der Open-Air-Bäder für die Stadt und ihre Bewohner*innen. Mit 18 Einrichtungen hat Zürich die höchste Bäderdichte Europas – oder zumindest die höchste „Badi“-Dichte. Tina Schmid dokumentierte akribisch die Vielfalt der Schwimmstätten und analysierte ihre Geschichte, Architektur und Aufenthaltsqualität. Entstanden ist ein unterhaltsames Nachschlagewerk, das mit seinem poolblauen Einband zum Stöbern einlädt. 

Badi-Facts

Was in Berlin erst seit diesem Jahr erlaubt ist, legalisierte Zürich bereits in den 70er Jahren. Wenn auch heute verpönt, war das Baden „oben ohne“ für Frauen schon damals möglich und wurde flächendeckend praktiziert. Ein historischer Höhepunkt von vielen aus der 150-jährigen Geschichte der Schwimmbäder – auf einem übersichtlichen Zeitstrahl listet Schmid die wichtigsten Momente auf. Neben der geschichtlichen Analyse zeigt sie in vereinfachten Schnittdarstellungen die vier Bädertypen der Stadt: Kastenbad, Flussbad, Seebad und Freibad. Auch die individuellen Daten zu Eröffnung, Umbau, Ergänzung, Abbruch und Neubau stellt das Buch anschaulich dar. 

Badewelten

Chronologische Steckbriefe und aktuelle sowie historische Fotos beschreiben die Badeanstalten im Hauptteil des Buches. Zusätzlich erfahren die Leser*innen fast märchenhafte Geschichten über die tierischen Gäste der Badis. So besuchte ein kleiner, harmloser Braunbär aus den umliegenden Wäldern regelmäßig das Dolder Wellenbad. Seit der Abschaffung der Wellenmaschine sieht man ihn jedoch seltener. Ein aus der Vogelwarte Sempach entkommener Pelikan lebt seit Jahren im Flussbad Oberer Letten. Anekdoten über zerstrittene Erdkröten, kleine Seesterne, Laubfrösche und Hasen verdeutlichen die lange Tradition und die aufmerksamen Besucher*innen der Badeanstalten. 

O-Töne und Zeichnungen

Nicht zuletzt wurden die Stimmen der badenden Protagonist*innen eingefangen. Routinierte Schwimmer*innen und Bademeister*innen plaudern aus dem Nähkästchen und erzählen von früheren Zeiten oder aktuellen Geschehnissen. Die Interviews ergänzen zum Teil die Steckbriefe der Bäder, am Ende des Buches findet sich außerdem eine Sammlung kurzer O-Töne. 

Begleitet werden die Texte und Fotos von Tina Schmids charakteristischen Illustrationen. Beinahe kindliche Strichzeichnungen der Badeanstalten schmücken das Cover und die einzelnen Steckbriefe. Eine Karte am Anfang verortet die einzelnen Badis.

Züribadbuch ist ein charmantes Projekt, dass die betuchte Stadt in einer angenehmen Frische zeigt. Neben einem Städtetrip macht das Lesen Lust aufs kühle Nass. Ein gelungenes Konzept, was Tina Schmid auch auf eine andere Welt angewandt hat: Im Zürikinobuch dreht sich alles um die Architektur- und Kulturgeschichte der filmbegeisterten Bewohner*innen.

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