ZOB Parkhaus in Kiel

Luftige Backsteinfassade mit Hafenblick

Über siebzehn Kilometer erstreckt sich die Kieler Förde – von der Hörn bis zur Bucht – und verbindet so die Innenstadt mit der Ostsee. Mit dem Voranschreiten der Werftindustrie erfuhr das Hafenareal eine rege Bautätigkeit. Auch heute entwickelt sich die Förde stetig weiter und passt sich an die Bedürfnisse der Bürger*innen und der Industrie an – so beispielsweise auch durch die Neuordnungsmaßnahme rund um den Kai. Teil dieser Maßnahme ist die Restrukturierung und Ergänzung des Zentralen Omnibusbahnhofs, durchgeführt von der Hamburger Generalplanungsgesellschaft gmp. 

Als zentraler Verkehrsknotenpunkt zwischen dem Hauptbahnhof, den Fährterminals und der Kieler Innenstadt nimmt der Omnibusbahnhof eine wichtige Rolle im städtischen Gefüge ein.
Hinter der Rundung an der Nordseite des U-förmige Neubaus mit sich leicht auffächernden Schenkeln befindet sich die Wenderampe.
Die einschalige Mauerwerksfassade wird durch Lisenen in regelmäßigen Abständen streng gerastert.

Neuordnung des ZOB-Areals

Als zentraler Verkehrsknotenpunkt zwischen dem Hauptbahnhof, den Fährterminals und der Kieler Innenstadt nimmt der Omnibusbahnhof eine wichtige Rolle im städtischen Gefüge ein. Die Neuordnung des Bahnhofs umfasste die Erneuerung des Bahnhofsplatzes, die Sanierung der Bestandsstruktur sowie die Neuerrichtung eines Hotels und eines Parkhauses. An dessen Stelle stand ein ursprünglich als temporär angedachter Vorgängerbau, der anlässlich der Olympischen Segelwettbewerbe 1972 in Kiel errichtet worden war. Während Teile dieses provisorischen Parkhauses noch im Verlauf desselben Jahrzehntes rückgebaut worden waren, erfolgte der vollständige Abbruch des maroden Gebäudes erst 2015. 

Da mit dem Wegfall des alten Parkhauses rund 360 Stellplätze am Kai verloren gingen, sollten neue Parkmöglichkeiten an gleicher Stelle entstehen. Das städtische Tiefbauamt legte für den Neubau einen Anforderungskatalog an, der einen hohen Grad an Benutzerfreundlichkeit und Aufenthaltsqualität innerhalb des Parkhauses – etwa durch die Art und Anordnung der Stellplätze – gewährleisten sollte. 

Hafenspeicher für Autos

Anders als der Vorgängerbau fügt sich der U-förmige Neubau mit sich leicht auffächernden Schenkeln und abgerundeter Nordseite elegant in das Hafenareal ein und wirkt fast wie eine natürliche Erweiterung der historischen Speicheranlagen. Das gelingt durch sein luftig-leichtes Kleid aus rotbraunem Filtermauerwerk, hinter dem sich die sechs Parkdecks sowie die für jedes Parkhaus charakteristischen Wenderampen befinden. Mit insgesamt 540 Parkplätzen bietet der Neubau 180 Stellplätze mehr als sein Vorgänger; durch das Anheben der Erdgeschosszone bietet er zudem ein überdachtes Terminal für die Busse. Erschlossen wird das Parkhaus von der westlich vorbeiführenden Auguste-Viktoria-Straße.

Lichtspiele und natürliche Lüftung

Die einschalige Mauerwerksfassade wird durch Lisenen in regelmäßigen Abständen streng gerastert. Auch die Perforationen folgen einem repetitiven Muster. Der dunkle Backstein und die starke Strukturierung der Fassade erinnern an expressionistische Ziegelbauten aus den 1920er-Jahren, das Filtermauerwerk hingegen verortet das Bauwerk im 21. Jahrhundert.

Im Innenraum sorgt das lebendige Lichtspiel der perforierten Fassade für eine besondere Atmosphäre. Zugleich gewähren die Lücken im Mauerwerk einen prominenten Blick über die Stadt Kiel und den Hafen. Die natürliche Belichtung und Belüftung der Ebenen wird zusätzlich durch einen zentralen Lichthof zwischen den beiden Schenkeln des U-förmigen Baukörpers unterstützt, der außerdem einen Sichtbezug zum Busterminal herstellt.

Bautafel

Architektur: Architekten von Gerkan, Marg und Partner (gmp), Hamburg
Projektbeteiligte: AMP Parking, Karlsruhe (Gebäudeplanung); AWD Ingenieurgesellschaft, Köln (Tragwerksplanung)
Bauherr*in: Landeshauptstadt Kiel
Fertigstellung: 2019
Standort: Auguste-Victoria-Straße 9, 24103 Kiel
Bildnachweis: Rainer Taepper, Deggendorf (Bildmaterial); gmp, Hamburg (Pläne)

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