Wushan Goddess Escalator in China
Verkehrssystem aus Fahrtreppen, Aufzügen und Fahrsteigen
Wo der Jangtse in die berühmten Drei Schluchten eintritt, klammern sich im chinesischen Wushan moderne Hochhäuser terrassenförmig an die steilen Berghänge. Große Teile der heutigen Stadt entstanden neu, nachdem das Drei-Schluchten-Staudammprojekt frühere Uferbereiche überflutet hatte. Nun rückt erneut ein Infrastrukturprojekt der Stadt in den Fokus: 2026 wurde der Wushan Goddess Escalator eingeweiht, das weltweit längste Outdoor-Fahrtreppensystem – das zumindest sagt das Unternehmen Schindler, das die Treppenanlage baute.
Statt also die 242 Meter Höhe vom Flussufer bis auf den Berg über die bestehende steinerne Treppenanlage zu erklimmen – es braucht dafür etwa eine Stunde – können Einheimische und die vielen Besucher*innen der Region jetzt über eine ganze Kaskade von 21 Fahrtreppen in nur 21 Minuten bequem nach oben oder unten fahren.
Aufbau der Treppenanlage
Die Treppenanlage ist über der Bestandstreppe auf Betonpfeiler aufgebockt und besteht aus 33 Förderanlagen, zwei Fußgängerbrücken und zwei Verbindungsbauwerken. Zudem verkürzen vier Fahrsteige den Weg zwischen den Fahrtreppen. Alles in allem ist die Anlage 905 Meter lang. Sie hat zwischendurch viele Ein- und Ausstiege, so dass auch die Menschen in den dichten Stadtvierteln drumherum die Anlage auf ihren täglichen Wegen nutzen können. Umgerechnet etwa 40 Cent kostete das Ticket im Testbetrieb, dafür darf sich der Passagier eine Stunde lang transportieren lassen. Der Hersteller schätzt die Zahl der Passagiere pro Tag auf 10.000 Menschen. Eine Glaseinhausung schützt sie in Teilen der Anlage vor Wind und Wetter.
Technische Überwachung und Steuerung
Technisch ist das Projekt bemerkenswert, weil es sich nicht um eine einzelne außergewöhnlich lange Fahrtreppe handelt, sondern um ein komplexes, integriertes Verkehrssystem. Eine sogenannte Cluster-Control-Technologie koordiniert Fahrtreppen, Aufzüge und Fahrsteige als Gesamtnetz und sorgt dafür, dass die verschiedenen Förderanlagen aufeinander abgestimmt arbeiten. Hinzu kommt eine permanente Fernüberwachung über die Firmenzentrale des Herstellers in Shanghai, die den Zustand der Anlagen kontrolliert und mittels vorausschauendem Instandhaltungsmanagement den Wartungsbedarf frühzeitig erkennen soll.
Topografie
Die Topografie war eine Herausforderung für die Umsetzung: Der Hang hat eine Steigung von 35 Prozent, in einzelnen Abschnitten sogar bis zu 60 Prozent. Dazu ermöglichte das eng besiedelte Gebiet nur punktuelle Eingriffe in den Stadtraum und hatte zudem wenig Fläche für schwere Baumaschinen und die gesamte Baulogistik. Zunächst wurde daher die Installation einer Seilbahn geprüft, die aber weniger Stationen und weniger Förderkapazität bei gleichzeitig höheren Kosten und einem stärkeren Eingriff ins Stadtbild bedeutet hätte. So entschied man sich für das Fahrtreppensystem.
Baustelle am Hang
Um die Arbeiten am Hang zu erleichtern, wurden große Teile der Anlage modular vorgefertigt und erst vor Ort auf die betonierten Pfeiler montiert. Dadurch ließ sich der Einsatz schwerer Baumaschinen deutlich reduzieren. Die erhöhten Korridor- und Brückenstrukturen minimieren zudem den Flächenverbrauch und die Eingriffe in die steile Topografie. Das feuchtwarme Klima der Jangtse-Schluchten war allerdings ein Problem für die Stahlkonstruktion: Vorsorglich erhielten alle Bauteile eine Schutzbeschichtung gegen Korrosion, auch feuerverzinkte Stahlbauteile wurden eingesetzt.
Energieeffizienz
Die Fahrtreppen verfügen über rekuperative Bremssysteme, die den Energieverbrauch der Anlage senken sollen: Fahren viele Menschen bergab, wirkt ihr Gewicht auf die Anlage. Der Antriebsmotor muss dann nicht mehr aktiv antreiben, sondern wird von der Last mitgezogen und arbeitet als Generator. Die dabei erzeugte elektrische Energie wird in das Stromnetz der Anlage zurückgespeist und kann dort wieder genutzt werden. Dadurch sinkt der Gesamtenergieverbrauch des Systems. -rg
Bautafel
Planung: China Railway Second Engineering, Chengdu
Projektbeteiligte: Chongqing Beixin Rongjian Construction Engineering, Chongqing (Generalunternehmung), Schindler Gruppe, Shanghai (Fördertechnik)
Bauherr: Chongqing Wushan Construction Engineering
Fertigstellung: 2026
Standort: Jingtanyi Rd, Wushan, Chongqing, China
Bildnachweis: Schindler Gruppe, Shanghai
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