Wohnsiedlung am Triller in Saarbrücken
Vorkonfektionierte Wandbausätze aus Kalksandstein-Planelementen
Jahrzehntelang hatten die Erben des Stahlmagnaten Carl Röchling versucht, für das Saarbrückener Grundstück am Triller, auf dem einst die im Zweiten Weltkrieg zerstörte Familienvilla stand, eine Folgenutzung zu finden. Die Bemühungen scheiterten jedoch an den Behörden und den Anwohner*innen. Das auf einer Anhöhe befindliche Anwesen mit mehreren kleinen, historischen Nebengebäuden und altem Baumbestand lag in all dieser Zeit brach. Im Jahr 2017 entwickelte das Büro BHK Architekten schließlich eine Konzeptstudie, die nach zwei Jahren in einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan mündete und letztlich zur Beauftragung mit Planung und Realisierung des Vorhabens führte.
Architektur folgt Natur
Dass die Verantwortlichen in diesem Fall erfolgreich waren, liegt in den Qualitäten des Entwurfs von BHK Architekten begründet: Er berücksichtigt nicht nur die bauliche Maßstäblichkeit der Umgebung, sondern auch die Parklandschaft. Gemäß der Pläne entstanden sieben viergeschossige Mehrfamilienhäuser mit insgesamt 34 Wohneinheiten, die teils durch Tiefgaragen miteinander verbunden sind, sowie zwei Villen; zwei weitere sind geplant. Damit der alte Baumbestand weitgehend erhalten bleiben konnte, besitzen alle Häuser polygonale, jeweils individuelle Kubaturen. Um dennoch funktionsfähige und möblierbare Grundrisse zu erhalten, sind diese größtenteils orthogonal organisiert: Sämtliche Schlaf- und Nebenräume sind nach Norden ausgerichtet, die Wohnräume öffnen sich mit großen Panoramafenstern und Terrassen zur Stadt.
Eine große Qualität für die Bewohner*innen birgt der stets präsente Grünraum, der sich zwischen den Baukörpern hindurchschlängelt. Durch die leicht erhöhte Lage bietet sich aus den Wohnungen zudem nicht nur ein grüner, sondern auch ein weiter Blick über die Stadt. Die historischen, schmiedeeisernen Zäune sowie die große Toranlage wurden durch einen lokal ansässigen Schlosser aufgearbeitet und zusammen mit der denkmalgeschützten Umfassungsmauer und dem alten Teehäuschen in die Freiraumplanung integriert.
Vorkonfektionierte Wandbausätze
Weil die Grundrisse von Gebäude zu Gebäude variieren, wählten die Verantwortlichen eine Bauweise mit vorkonfektionierten Kalksandstein-Planelementen. Dafür elementierte das auf Systemplanung spezialisierte Ingenieurbüro Isocom sämtliche Wände und optimierte sie zugleich für die Fertigung durch das nahegelegene Kalksandsteinwerk. Das Bausystem basiert auf 998 x 498 mm großen Elementen. Um die schiefwinkligen Wandanschlüsse umzusetzen, ergänzte man diese Standard-Bauteile um individuell zugeschnittene Elemente mit passgenau angeschrägten Stoßkanten. Nach Wänden sortiert wurden die zugeschnittenen Kalksandsteine entsprechend dem Baufortschritt auf die Baustelle geliefert und konnten dort zügig verarbeitet werden. Umgesetzt wurde eine Wanddicke von 240 mm für die Außen- und 200 mm für die Innenwände. Durch die Vorkonfektionierung wurde die Lärm- und Staubbelastung für die Anwohnerschaft zudem geringgehalten.
Auf das tragende, einschalige Mauerwerk folgt eine 160 mm dicke mineralische Dämmschicht sowie im Fall der Geschosswohnungsbauten eine helle, greigefarbene Putzfassade, der kleine Glaseinstreuungen beigemischt wurden, die in der Sonne glitzern. Dazu kombinierten die Planenden bodentiefe, champagnerfarbene Aluminiumfenster. Die Villen erhielten eine beigefarbene Klinkerfassade.
Baustelle mit Hürden
Der Erhalt des Baumbestands, die Topographie und die umliegenden, engen Straßen waren eine logistische Herausforderung für den Bauablauf. Ein Verkehrsplaner erstellte zunächst ein Konzept für Materialanlieferung und -lagerung sowie Anfahrtsrouten und Wartestellen für die LKW. Zudem wurde das Gelände in vier Baufelder geteilt. Der Spatenstich erfolgte auf Baufeld 2, auf dem zwei Mehrfamilienhäuser mit Tiefgaragen in den Hang eingelassen wurden. Im Anschluss wurden zwei der drei Häuser von Baufeld 3 sowie das Mehrfamilienhaus auf Baufeld 4 errichtet. Vor Errichtung des letzten Mehrfamilienhauses auf Baufeld 3 wurde der Kran schließlich versetzt, sodass im Anschluss auch die Villen auf Baufeld 1 realisiert werden konnten.
Statt nur einer Familie bietet das Grundstück heute 36 Lebensgemeinschaften ein Zuhause mit hoher Wohnqualität. Dass dies unter Erhalt des über hundertjährigen Baumbestands möglich wurde, ist vor allem der Stärke des Entwurfs zu verdanken, bauliche Verdichtung und gewachsene Parklandschaft in ein ausgewogenes Verhältnis zu setzen. Damit konnten die jahrzehntelangen Bemühungen um das Areal zu einem überzeugenden Abschluss gebracht werden.
Bautafel
Architektur: BHK Architekten, Saarlouis
Projektteam: Simon Kosiol, Ralf Heinrich
Projektbeteiligte: amv plan, St. Wendel (Bauleitung); Isocom, Saarlouis (Ingenieurbüro); KS-Original, Hannover (Kalksandsteine; verwendetes Produkt: KS-Plus)
Bauherr*in: Triller Wohnpark GmbH, St. Wendel
Standort: Trillerweg, 66119 Saarbrücken
Fertigstellung: 2024
Bildnachweis: palladium.de / Oliver Schuh
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