Wohnquartier Karl-Sasse in Magdeburg

Frischer Wind für die Alte Neustadt

Im Norden der Stadt Magdeburg befindet sich der größtenteils als Wohngebiet ausgeschriebene Stadtteil Alte Neustadt, an dessen Rand im Jahr 2021 ein modernes Stadtvillenensemble entstand. Die Planung der übersichtlichen Wohnanlage Karl-Sasse erfolgte durch das ortsansässige Architekturbüro Arc Architekturconzept und im Auftrag der Wohnungsgenossenschaft Die Stadtfelder. Das Wohnquartier soll langfristig zur Revitalisierung des Stadtteils beitragen.

Großzügige Loggien sorgen für eine Auflösung der massigen Gebäudestruktur.
Durch das rückspringende Staffelgeschoss in erdigem Grau-Braunton wirkt es fast, als wären die Stadtvillen ein Geschoss niedriger. Diese Entscheidung ermöglicht es, dass sich die Baukörper trotz ihrer Geschossigkeit in ihre kleinteilige, niedrigere Umgebung einfügen.
Der Oberflächenwechsel von feinem zum Besenstrichputz, sorgen für eine horizontale Teilung der Fassade. Dadurch soll das Fassadenbild  zum einen gelockert und die Gesamtansicht gestaucht werden.

Revitalisierung des Stadtteils

Nach der umfangreichen Zerstörung Magdeburgs durch den Zweiten Weltkrieg erlitt die Stadt eine große Wohnungsnot. Mit dem Wegfall von knapp 70 Prozent der Wohnstruktur, musste in kürzester Zeit neuer Wohnraum entstehen, das Ergebnis bildet sich deutlich im Bezirk Alte Neustadt ab. Denn dort, wo einst Stadthäuser und barocke Wohnblöcke die Straßen schmückten, prägt heute hauptsächlich einfache Nachkriegsarchitektur das Stadtbild. Das soll sich nun ändern: Neubauten, Sanierungen und die Revitalisierung ehemaliger Brachflächen sorgen für einen frischen Wind im Wohngebiet. Durch die prominente Lage – unweit des Stadtzentrums, der Universitäten und anderer wissenschaftlicher Bildungsstätten – und die Aufwertung der Bausubstanz machte sich die neugewonnene Beliebtheit des Bezirks schnell kenntlich. 

Modernes Stadtvillen-Trio

Auf einem etwa 2.800 Quadratmeter großen Eckgrundstück realisierten die Architekt*innen das Wohnensemble als Kontrast zur umgebenen Bebauung, die aus einfachen Zeilen mit roten Satteldächern besteht. Zusammen mit weiteren Eigentümer*innen erwarben die Bauherr*innen mehrere Teilgrundstücke und befreiten sie von vorhandenen Altlasten. Durch den Zusammenschluss schuf man die benötigte Fläche zur Realisierung der drei fünfgeschossigen Baukörper. Eines der Grundstücke beherbergte den ehemaligen Jugendclub Karl-Sasse, nachdem das neue Quartier benannt wurde.

In ihrer Kubatur imitieren die Gebäude die asymmetrische Grundstücksform; das macht sich besonders am Umriss des südlichen Eckhauses bemerkbar. Durch den leichten Versatz des Mittelkörpers löst sich die strenge Straßenfront auf und eine einladende Eingangssituation entsteht. Unterirdisch sind die Gebäude durch einen gemeinsamen Tiefgaragensockel miteinander verbunden, der durch eine Rampe zwischen dem Nord- und dem Mittelhaus erschlossen wird und Platz für bis zu 60 Fahrzeuge stellt. Das Dach der Tiefgarage wurde intensiv begrünt, wodurch es den Bewohner*innen möglich ist, die Fläche als Garten zu nutzen.

Auf einer Gesamtwohnfläche von knapp 4.200 Quadratmetern schufen die Architekt*innen 45 barrierefreie Wohnungen. In den oberen Geschossen wird der Wohnraum durch großzügige Loggien nach Außen hin erweitert und mit dezenten Ganzglas-Brüstungen umrahmt. Ein Wechsel in der Textur des cremefarbenen Putzes sorgt für eine horizontale Bänderung der Fassade. Die Erd- und Staffelgeschosse nehmen sich sowohl farblich als auch geometrisch von der restlichen Kubatur zurück.

Wärmdämmziegel statt Verbundsystem

Statt für eine Stahlbetonkonstruktion mit Wärmedämmverbundsystem entschieden sich die Planenden, entgegen erster Konstruktionskonzepte, für eine monolithische Bauweise aus Leichthochlochziegeln mit integrierter Mineralwolldämmung. Mit eeiner Wärmeleitfähigkeit von 0,09 W/mK erfüllt der Ziegel KfW-Effizienzhausstandards. Dort, wo der Ziegel den statischen Anforderungen nicht gerecht werden kann, kam Stahlbeton mit herkömmlicher Dämmschicht oder in Form von tragenden Stützen zum Einsatz. 

Bautafel

Architektur: arc architekturconzept, Magdeburg
Projektbeteiligte: Ingenieurbüro Hesse und Schindel, Ditfurt (Gebäudetechnik); Wolfeam Westhus Freie Landschaftsarchitekten, Magdeburg (Landschaftsplanung); Trakon Lenz, Magdeburg (Tragwerksplanung); wienerberger, Hannover (Ziegelhersteller)
Bauherr*in: Die Stadtfelder Wohnungsgenossenschaft, Magdeburg
Fertigstellung: 2021
Standort: Johannes-Kirsch-Straße 24-26, 30196 Magdeburg
Bildrechte: Adrian Schulz (Fotos); arc architekturconzept (Planmaterial)