Wohnquartier Hartmannstift in Bremen
Vorgefertigte Kalksandstein-Mauertafeln als Rückgrat des Ensembles
Eine bewegte Geschichte liegt hinter dem 1887 als Stadtkrankenhaus eröffneten Hartmannstift in Bremen-Vegesack: Wilhelm Hartmann, der als drittes von neun Kindern eines Maurermeisters in Vegesack aufwuchs und später in England erfolgreicher Unternehmer wurde, stiftete es seiner Heimatstadt als Asyl für arme und mittellose Kranke. Später wurde es Teil des Klinikums Bremen-Nord, diente dann dem Bauamt als Sitz und wurde schließlich bis 2016 als Geflüchtetenunterkunft zwischengenutzt. Danach stand es einige Jahre leer – bis es 2024 als Mehrfamilienhaus umgenutzt und zum Mittelpunkt eines neuen Wohnquartiers wurde.
Das Berliner Büro Schönborn Schmitz Architekten zeichnet für die Quartiersplanung verantwortlich. Der Entwurf sieht sechs annähernd baugleiche, dreigeschossige Quader mit roter Ziegelhülle vor, die locker um das historische Hartmannstift gruppiert sind. Sie säumen eine autofreie Mittelachse, die von der Albrecht-Roth-Straße auf den Altbau zuführt, sich davor zu einem Platz aufweitet und ihn damit als repräsentativen Mittelpunkt inszeniert.
Erstes Haus am Platz
Später hinzugefügte Bauten aus der Nachkriegszeit hatten jahrzehntelang den Blick auf das für den Ort wichtige Gebäude versperrt, bis sie schließlich rückgebaut wurden. Der historische Bau wurde dadurch wieder neu erlebbar. Rund um den Platz sind öffentliche, soziale Einrichtungen untergebracht wie eine Tagespflege, eine Kita und barrierefreie Wohnungen für inklusive und demenzielle Wohngruppen. Außerdem gibt es eine Tiefgarage mit 31 Pkw-Stellplätzen, davon zehn mit Ladevorrichtung für E-Autos und Räume zur Unterbringung von Fahrrädern. Zwischen den Neubauten führen Spazierwege hindurch, gesäumt von alten Bäumen, die das gesamte Quartier umgeben.
Bezahlbar und barrierefrei
Insgesamt entstanden siebzig neue Zwei- bis Fünf-Zimmerwohnungen zwischen 49 und 98 Quadratmetern. 32 davon werden preisgebunden mit einer Miete von 6,50 Euro pro Quadratmeter vermietet (so gibt es die Gewoba auf ihrer Webseite an). Das liegt deutlich unter der örtlichen Durchschnittsmiete von 9,32 Euro pro Quadratmeter. Alle Wohnungen sind barrierefrei und verfügen über Balkon oder Loggia.
Nachhaltige Wärmeversorgung
Die Neubauten sind im KfW-55-Standard errichtet. Das historische Stiftsgebäude wurde saniert und energetisch ertüchtigt. Zur nachhaltigen Wärmeversorgung wurden mehrere Wärmerzeuger miteinander kombiniert: Solarthermie und eine Wärmepumpe ergänzen ein Blockheizkraftwerk. Über ein Nahwärmenetz wird die Wärme im Quartier verteilt. Auf den Dächern der Neubauten sind zudem Photovoltaikmodule zur Stromerzeugung montiert.
Schneller Baufortschritt dank Kalksandstein-Mauertafeln
Die tragende Struktur wurde mit Mauertafeln aus großformatigen Kalksandsteinen erstellt, die in einem Werk in der Region gefertigt wurden. Die inklusive Fenster- und Türöffnungen vorgefertigten Wandtafeln wurden mit dem Lkw auf die Baustelle gebracht und dort mittels eines Krans gesetzt. Im Anschluss wurden die Elemente im Mörtelbett ausgerichtet und mit Schrägstützen gesichert. Ein integriertes Nut-und-Feder-System sorgte dabei für eine effiziente und reibungsarme Montage. Spezialwerkzeug und Fachkräfte waren nicht erforderlich. Durch die kurzen Transportwege und die eingesparte Materialbearbeitung auf der Baustelle konnte die Bauzeit auf ein Fünftel der üblichen Dauer verkürzt werden.
Kalksandstein punktet besonders im mehrgeschossigen Wohnungsbau durch seine hohe Tragfähigkeit bei schlanken Wandkonstruktionen, die einen Raumgewinn von bis zu sieben Prozent ermöglichen, sowie durch sehr gute Schall- und Brandschutzeigenschaften.
Rote Ziegel zur Ensemblestärkung
Bautafel
Architektur: SCHÖNBORN SCHMITZ ARCHITEKTEN, Berlin
Projektbeteiligte: PROCON Realisierungsgesellschaft, Bremen (LP6-9 und Projektsteuerung); KS-Original, Hannover (Kalksandsteine; verwendetes Produkt KS-Quadro)
Bauherr*in: Jointventure der PROCON‑Gruppe und der ELB Real Estate, Bremen
Standort: Gerhard-Rohlfs-Straße, 28757 Bremen-Vegesack
Fertigstellung: 2025
Bildnachweis: Stefan Müller; Olaf Mahlstedt
Fachwissen zum Thema
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Entenfangweg 15
30419 Hannover
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