Wohnquartier École Maternelle am Petrisberg in Trier

Mauerwerk aus vorkonfektionierten KS-Planelementen

Das Wohnquartier École Maternelle ist ein wichtiger Baustein der Konversion des Trierer Petrisbergs. Das 70 Hektar große Gelände diente bis 1999 als französische Militärbasis und wird seit der Landesgartenschau 2004 sukzessive in ein Naherholungs- und Wohngebiet mit Gewerbe- und Wissenschaftspark umgewandelt. Das 2018 von ROSA Wirtz Architektur aus Frankfurt entworfene Ensemble des École Maternelle entstand auf dem Gelände eines früheren Kindergartens, an der Nahstelle zwischen dem öffentlichen Grünraum des Petrisparks im Westen und dem neuen, geschützten Wohnquartier Burgunderviertel im Osten. 

Wie ein Setzkasten wurde die 1,80 Meter tiefe Loggienzone vor das viergeschossige Wohngebäude gestellt.
Die hofseitigen Laubengänge übernehmen neben der Funktion als Erschließung auch eine soziale Rolle.
Sie laden durch vereinzelte Aufweitungen zu unterschiedlichsten Aneignungen ein.

Der Entwurf umfasst 81 Wohneinheiten in fünf Gebäuden über einer Tiefgarage. Der Wohnungsmix reicht von kompakten Einheiten über altersgerechte Wohnungen bis hin zu reihenhausähnlichen Maisonetten. Mittelpunkt des Quartiers ist ein viergeschossiger Riegel in Kalksandsteinbauweise. 

Laubengang als Begegnungsraum

Die Architekt*innen teilten den Baukörper in drei vertikale Schichten: eine Loggienzone zur Straßenseite, den mittigen Wohnraum und einen hofseitigen Laubengang. Die 1,50 Meter breiten Laubengänge übernehmen neben der Funktion als Erschließung auch eine soziale Rolle: Sie fördern die Kommunikation unter den Bewohner*innen und laden durch vereinzelte Aufweitungen zu unterschiedlichsten Aneignungen ein. Mal stehen dort Tische und Stühle, mal ein Fahrrad, wissen die Architekt*innen zu berichten. 

Flexibles Raumprinzip

Die wechselnden Breiten und Höhen der 1,80 Meter tiefen Loggien hingegen lassen das flexible Raumprinzip im Inneren bereits erahnen. Der Riegel ist in 13 Achsen unterteilt, die jeweils Küche, Bad, Wohneinheit und Loggia umfassen. Die Wohneinheiten können je nach Bedarf horizontal und im Grunde auch vertikal miteinander verbunden werden. Möglich macht das die robuste Grundstruktur aus tragenden Außenwänden aus Kalksandstein mit einem innenliegenden Stützensystem aus Stahlbeton. 

Effizientes KS-System

Das Kalksandsteinmauerwerk wurde aus vorkonfektionierten großformatigen Planelementen (998 x 498 mm) erstellt. Ergänzt werden diese durch spezielle Passelemente, die auf Grundlage detaillierter Wandabwicklungspläne angefertigt wurden. Dies ermöglichte eine effiziente Logistik und Verarbeitung auf der Baustelle: Die Elemente konnten direkt den vorgesehenen Wandabschnitten zugeordnet und mit einfachen Versetzgeräten eingebaut werden.

Kalksandstein als Baustoff bietet mehrere Vorteile: Seine hohe Druckfestigkeit erlaubt vergleichsweise schlanke Wandquerschnitte, die wertvolle Wohnfläche sparen. Gleichzeitig bietet das Material aufgrund seiner hohen Dichte einen sehr guten Schallschutz.

Konstruktive Klarheit

Die Laubengänge und Loggien sind als selbsttragende Stahlbetonkonstruktionen vor die Mauerwerksfassade gesetzt. So bleiben gedämmte und ungedämmte Bauteile klar getrennt, was bauphysikalisch günstig ist und konstruktive Klarheit schafft. Der Verzicht auf ein innenliegendes Treppenhaus zugunsten der Laubengänge bringt noch einen weiteren Vorteil mit sich: Es muss keine Mindesttemperatur eingehalten werden. Die Außentreppen wurden mit einem Rankgerüst versehen, an dem seit der Fertigstellung des Quartiers Pflanzen emporklettern und das Gebäude immer grüner werden lassen.

Bautafel

Architektur: ROSA Wirtz Architektur, Frankfurt am Main
Projektbeteiligte: HKK Landschaftsarchitektur, Frankfurt am Main (Landschaftsarchitektur); KS-Original, Hannover (Kalksandstein; Produkt: KS‑Plus)
Bauherr*in: EGP GmbH – Gesellschaft für urbane Projektentwicklung, Trier
Fertigstellung: 2022
Standort: Petrisberg, Trier
Bildnachweis: Eibe Sönnecken


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