Wohnhaus Triemlistrasse

Umbau und Erweiterung eines Zürcher Mehrfamilienhauses

Dass Umbauten auch wirtschaftlich eine attraktive Alternative zum Ersatzneubau darstellen können, ist noch immer nicht selbstverständlich. Im Westen Zürichs gelang es Atelier Candrian Meier, einen privaten Bauherrn vom Erhalt seines Mehrfamilienhauses zu überzeugen. Ein Neubau hätte nach geltender Bau- und Zonenordnung größere Abstände zur Grundstücksgrenze einhalten müssen und damit deutlich weniger Wohnraum zur Folge gehabt. Durch den Umbau hingegen ließ er sich sogar erweitern. Gleichzeitig erhielt das Gebäude eine eigenständige Erscheinung, die es fast wie einen Neubau wirken lässt.

Aufstockung und Anbau verleihen dem Haus seine eigentümliche Silhouette.
Erker schaffen zusätzlichen Wohnraum...
...und ruhen auf einer Tischkonsole aus Stahlbeton.

Inmitten einer Gartenstadtsiedlung der Nachkriegszeit

Das Mehrfamilienhaus liegt am Fuß des Uetlibergs. Nach der Eingemeindung der Nachbarschaft entstand hier in den 1940er-Jahren eine weitläufige Gartenstadtsiedlung aus locker gestreuten Zeilenbauten. Charakteristisch für die dreigeschossigen Wohnhäuser sind Satteldächer, beige Putzfassaden und hölzerne Fensterläden. Die Eingänge befinden sich auf der Gartenseite, zur Straße zeigen die Zweispänner mit je sechs Wohneinheiten vorgehängte Balkone. Wie das Haus vor dem Umbau ausgesehen hat, lässt sich auch ohne Bestandsfotos nachvollziehen: Die baugleichen Nachbarn zeigen den ursprünglichen Zustand. 

Gerade in dieser homogenen Umgebung sticht das transformierte Haus mit seiner glänzenden Fassade und der markanten Silhouette deutlich heraus. Zwar gehört die Bebauung an der Triemlistrasse zu einem der größten erhaltenen Gartenstadt-Ensembles der Zürcher Nachkriegszeit, unter Denkmalschutz steht sie jedoch nicht. Weder seitens des Bauherrn noch der Ämter bestand daher ein Zwang, sich formal unterzuordnen. So hatten die Architekt*innen großen gestalterischen Freiraum, den sie entschieden nutzten.

Form follows Flächengewinn

Bauzeitlich war der Hauseingang zum Garten orientiert. Im Zuge des Umbaus verlegten ihn die Architekt*innen auf die Straßenseite. Da sich das Treppenhaus weiterhin auf der Gartenseite befindet, wurde für den neuen Zugang ein Teil der Erdgeschosswohnung abgetrennt. Insgesamt vergrößerte sich die Wohnfläche dennoch deutlich, weil an diversen Stellen angebaut werden konnte. So ergänzt eine Aufstockung ein neues Geschoss und verwandelt das ehemals symmetrische Satteldach in ein versetztes Pultdach mit deutlich spitzerem Winkel. Im Südosten kam ein Anbau hinzu, der die neue Firsthöhe des Baukörpers noch einmal überragt. Er ist einige Meter von der Straßenfassade zurückversetzt und nimmt im Inneren großzügige Wohnräume mit zweigeschossigen Galerien auf.

Im Inneneck zwischen Bestand und Anbau ergänzten die Architekt*innen Balkone. Zusätzliche Wohnfläche entstand durch Erker auf der Straßen- und der Gartenseite. Konstruktiv ruhen letztere auf neu eingesetzten Betonkonsolen, da sich die Bestandsdecken nicht zum Abhängen größerer Lasten eigneten. Insgesamt vergrößerte sich die Bruttogeschossfläche von 620 auf 1.035 Quadratmeter. Aus ehemals sechs Wohnungen mit je 3,5 Zimmern wurden acht Einheiten zwischen 2,5 und 4,5 Zimmern. Zur energetischen Ertüchtigung erhielt das Gebäude eine rund 10 Zentimeter starke Außendämmung. Die neuen Volumen wurden mit stark reflektierendem Aluminium-Wellblech verkleidet, die aufgedämmten Bestandswände mit mineralischem Außenputz versehen und weiß gestrichen. Sämtliche Fenster wurden bodentief ausgeschnitten.

Fließende Grundrisse statt Mittelgang

Auch die innere Organisation wurde grundlegend überarbeitet. Statt wie zuvor über einen Mittelgang erschlossen, entwickeln sich die Wohnungen nun als fließende Raumfolgen um einen kompakten Kern. Separat angeordnete WCs, Duschen und Waschmöglichkeiten erlauben eine parallele Nutzung, was insbesondere für größere Familien eine Erleichterung darstellen soll. Die Küchen orientieren sich zur Straße, während die Schlafräume auf der ruhigeren Gartenseite liegen. Im Innenausbau setzte das Entwurfsteam auf eine entsättigte Material- und Farbpalette. Grauer Gussestrich bildet den Bodenbelag, sämtliche Wände sind weiß verputzt, konstruktive Betonelemente bleiben im Rohzustand sichtbar. Punktuell entstehen kontrastreiche Akzente durch schwarze Türen, Treppenstufen und Küchenfronten mit Hochglanz-Finish.

Bautafel

Architektur: Atelier Candrian Meier, Zürich
Projektbeteiligte: Ferrari Gartmann AG, Chur (Tragwerksplanung)
Bauherr*in: privat 
Standort: Triemlistrasse, Zürich, Schweiz
Fertigstellung: 2024
Bildnachweis: Federico Farinatti (Fotos), Atelier Candrian Meier (Pläne)

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