Wohnhaus in London

Verdichtetes Wohnen im historischen Backsteinhaus

Der Londoner Stadtteil Camden Town hat eine bunte Historie, die auch heute noch ablesbar ist. Hier finden sich Handwerkerhäuser, Märkte, Subkultur und Herrenresidenzen zu einem spannenden Mix zusammen. Ganz in der Nähe des Regent’s Park, in zweiter Bebauungsreihe, hat das New Yorker Architekturbüro Archi-Tectonics ein bestehendes Einfamilienhaus saniert und erweitert und so einen interessanten Beitrag zum Wohnen auf kleiner Fläche geleistet. Durch den Einsatz von erneuerbaren Energien ist das Gebäude jetzt weitgehend energieautark.

Um den baulichen Charakter der Straße zu erhalten, wurden die alten Backsteinwände weitergenutzt, die Traufkante erhalten und lediglich die Fenster erneuert.
Der zentrale Wohnbereich sich im Obergeschoss ist mit einer hohen und schrägen Decke versehen, wodurch die räumliche Verbindung ins Dachgeschoss mit der Küche hergestellt wird.
Die neue Treppe ist eine Spezialanfertigung aus Stahl, die ein vertikales, fließendes Kontinuum durch das Haus erzeugt.

Ursprünglich war das Gebäude ein typisches Hinterhof-Wohnhäuschen mit lediglich einem Erd- und einem Obergeschoss. In der Bebauungsreihe lässt es zur Nachbarbebauung einen kleinen Abstand und springt leicht hervor. Die Außenwände der beiden Gebäude bestehen aus festen und markanten alten Ziegeln. Das Ambiente des Ensembles wollten die Architekt*innen unbedingt bewahren. Sie entwickelten deshalb ein Konzept, das in die äußere Gebäudegestalt nur zurückhalten eingreift. Die augenfälligste volumetrische Ergänzung findet oberhalb der bisherigen Traufkante statt. Hier formt das neue, polygonal gefaltete, mit Zinkblech verkleidete Dach ein komplettes Stockwerk samt Loggia. Eher unauffällig schließt die zweite Addition des Ursprungsbaus die Lücke zum Nachbargebäude, wodurch ein kleiner Carport entsteht.

Neue Räume und hochwertige Materialien

Jetzt, nach dem Umbau, hat das Haus drei Stockwerke, die zusammen eine Fläche von 209 Quadratmetern ausmachen und von einer vierköpfigen Familie genutzt werden können. Im Erdgeschoss befinden sich zunächst die beiden Kinderzimmer mit separatem Badezimmer. Eine Treppe direkt nach der Eingangstür führt hinauf ins Obergeschoss, wo sich das Elternschlafzimmer mit eigenem Bad befindet. Auf dieser Ebene ist außerdem der zentrale Wohnraum angeordnet, der sich in der erwähnten lückenfüllenden Erweiterung befindet. Der Raum hat – wie sich bereits in der Außenansicht abzeichnet – eine schräge Decke, durch die eine räumliche Verbindung ins Dachgeschoss möglich wird. Dort befindet sich die Küche, die in ihrer Dimension eher eine Wohnküche mit großem Gemeinschaftstisch ist. Von hier aus hat man einen Zugang auf die Dachloggia. Die Treppe ist eine Spezialanfertigung aus weiß beschichtetem Stahl. Sie bildet ein vertikal fließendes Kontinuum in Form eines Wirbels und ist somit ein besonderer Eyecatcher im Innenraum. Bei der Wahl der Materialien haben Architekturbüro und Bauherren eine Atmosphäre geschaffen, die durchaus bodenständig anmutet, etwa durch das Holz an Boden und Wänden oder den Teppichen aus Naturwolle. Gespickt ist der Innenraum jedoch mit wertigen Akzenten wie Naturstein oder Messingmosaik. Die vielen weißen Flächen an Wänden und Decken sorgen für ein helles und weites Raumgefühl.

Nahezu unabhängig vom Stromnetz

Bei den Themen Energie und Gebäudetechnik sind die Fachplaner*innen von WSP aus London dem National Planning Policy Framework (NPPF) gefolgt, ein nationales Rahmenwerk zur nachhaltigen Entwicklung, das wirtschaftliche, soziale und Umweltaspekte berücksichtigt. Damit soll sichergestellt werden, dass Bauprojekte im Einklang mit den Bedürfnissen der Gemeinschaft sind. Auf dem Dach ist eine 42 Quadratmeter große Photovoltaikanlage installiert, die eine Gesamtleistung von 6,9 kWp und damit pro Jahr insgesamt rund 5100 kWh liefert. Dadurch werden knapp 1200 kg CO₂ im Jahr vermieden. Die PV-Paneele sind so gewählt, dass sie keinen Installationsrahmen besitzen und in der Breite genau zwischen die Falze der Blechverkleidung passt. Mit dem PV-Strom wird wiederum eine Luft/Wasser-Wärmepumpe betrieben, die die gesamte Wärme für Heizung und Warmwasser erzeugt. So ist das Gebäude nach der Sanierung nahezu netzunabhängig. Bei der Wärmedämmung haben die Planer*innen auf eine Außendämmung verzichtet, um die Fassadenoptik zu erhalten, und entschieden sich für eine Innendämmung. Aus demselben Grund gibt es außen keine zusätzlichen Rollläden, sondern innen mit etwas Abstand vom Fenster in der Decke versteckte Raffstoren. -tg

Bautafel

Architektur: Archi-Tectonics, New York
Projektbeteiligte: WSP, London (Gebäudetechnik); AKTII, London (Tragwerk); Lana Lenar, New York (Licht); Philiam Construction, Bushey (Generalunternehmer)
Bauherr*in: privat
Fertigstellung: 2024
Standort: Primrose Hill, London
Bildnachweis: Nick Kane, Surrey

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Zusätzlich eingesetztes Innenfenster

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Calciumsilikatplatten

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