Wohnhaus in Kutná Hora

Massive Steintreppe trifft filigrane Metallstufen

Etwa 70 Kilometer östlich von Prag liegt Kutná Hora, eine Stadt mit etwa 20.000 Einwohner*innen. Gegründet als Bergmannsiedlung im 12. Jahrhundert, entwickelte sich der Ort im Folgenden zu einer der lebhaftesten und wohlhabendsten Städte Böhmens. Im historischen Stadtkern befindet sich ein Wohnhaus, das bereits viele bauliche Veränderungen erfuhr. Der mittelalterliche Vorgängerbau fiel einem Brand zum Opfer und wurde Ende des 19. Jahrhunderts durch eine für die damalige Zeit typische Blockrandbebauung ersetzt. Eine erste Sanierung in den 1970er-Jahren zeigte einen wenig behutsamen Umgang mit dem Bestand. Das Prager Architekturbüro Byró Architekti hat sich mit der zweiten umfassenden Sanierung zum Ziel gesetzt, den bauzeitlichen Charme des Wohnhauses sichtbar zu machen.

Das Haus ist Teil einer Blockrandbebauung aus dem späten 19. Jahrhundert.
Hinter dem Haus befindet sich eine begrünte Terrasse.
Über eine Betontreppe gelangt man in einen erhöht liegenden Garten.

Grenze zwischen Alt und Neu verwischen

Erd- und Obergeschoss sowie ein ausgebautes Dachgeschoss sind über einen gemeinsamen Erschließungskern verbunden. Die Haustür führt in eine großzügige Diele, an welche geradeaus der Treppenraum und ein Flur zum Gartenhof anschließen. Rechterhand umlagern ein Spielzimmer für die drei Kinder, ein Badezimmer, ein Hobbyzimmer und ein Hauswirtschaftsraum den Erschließungskern. Im ersten Obergeschoss befinden sich straßenseitig das Schlaf- und Badezimmer der Eltern sowie ein Arbeitszimmer. Die zentrale Küche öffnet sich zum Wohn- und Esszimmer, welche die gesamte Hofseite einnehmen. Das geräumige Dachgeschoss beherbergt neben den Kinderzimmern auch ein Duschbad. Bei der Gestaltung der Innenräume strebten die Planenden fließende Übergänge zwischen historischem Bestand und neuen Einbauten an, um ein harmonisches Ganzes zu schaffen.

Unerwartete Verbindungen

Eine Besonderheit sind die zahlreichen Fenster, welche die Innenwände durchbrechen. Das Planungsteam arbeitete einerseits mit kreisrunden Glasbausteinen, die an die Architektur der 1960er- und 70er-Jahre denken lassen und als indirekte Hommage an die erste Sanierung verstanden werden können. Im Haus verteilt sind außerdem eckige und kreisförmige Fenster, die seitlich einfallendes Tageslicht bis in den Treppenkern vordringen lassen, aber auch unerwartete Sichtbezüge zwischen den Räumen herstellen.

Mit Licht und Farbe gestalten

Die zahlreichen Öffnungen und transluzenten Elemente bewirken eine je nach Tageszeit wechselnde Lichtsituation. Hofseitig öffnet sich das Haus zu einer begrünten Terrasse, die über eine Beton- und eine Metalltreppe mit dem Balkon im Obergeschoss verbunden ist. Das Grün der Außenanlagen bildet sich in einer Pastell-Variante in den Innenräumen ab. Gedeckte Grün- und Blautöne, helles Holz und einzelne Akzente in leuchtendem Orangerot finden sich in dem minimalistischen Interieur. Die Wände sind weiß, hellgrau oder auch mal mit Holz vertäfelt. Trotz relativ kleiner Flächen wirken die Zimmer hell und luftig.

Treppe im Zentrum

Die Räume sind auf allen Geschossen um den zentralen Treppenkern angeordnet. Eine halbgewendelte U-Treppe aus Naturstein verbindet das Erdgeschoss mit dem ersten Obergeschoss: Es ist die originale Treppe, welche die Planenden im Bestand vorgefunden haben. Vom Obergeschoss ins Dachgeschoss führen eukalyptusgrüne Metallstufen, die beidseitig in der Wand verankert sind. Ein großes Oberlicht erhellt das Treppenhaus, seitlich dringt Licht durch Fenster und Glasbausteine. Ein filigraner Handlauf aus Metall in der Farbe der Metallstufen leitet durch den gesamten Erschließungskern. 

Die Kombination aus zwei verschiedenen Materialien findet sich auch im Außenbereich. Eine gerade Betontreppe führt von der Terrasse auf eine begrünte Zwischenebene, eine weiße Metalltreppe weiter auf den Balkon. Ein Blickfang ist das filigrane Treppengeländer, das fließend in die Balkonbrüstung übergeht. -np

Bautafel

Architektur: BYRÓ architekti, Prag
Projektbeteiligte: BYRÓ architekti, Prag (Einbaumöbel); Locksmith Svozil (Metalltreppe)
Bauherr*in: privat
Fertigstellung: 2023
Standort: Kutná Hora, Tschechien
Bildnachweis: Alex Shoots Buildings, Prag (Fotos); BYRÓ architekti, Prag (Pläne)

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Materialien/​Baustoffe

Metalle im Treppenbau

Marmortreppe im Olivetti Showroom in Venedig, den Carlo Scarpa Ende der 1950er-Jahre entwarf.

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Natursteintreppen

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