Wohnhaus in Isenbüttel

Wärmepumpe und Kaminofen versorgen den Neubau mit Heizwärme

Die niedersächsische Gemeinde Isenbüttel, gelegen rund 20 Kilometer westlich von Wolfsburg, ist geprägt von einer eher kleinteiligen, dörflichen Bebauung mit niedrigen, satteldachbedeckten Häusern aus ganz unterschiedlichen Bauzeiten. In dieser beschaulichen Umgebung haben Busch & Takasaki Architekten zusammen mit der Architektin Ann-Kathrin Lepke ein Wohnhaus errichtet, das in seiner Gestalt die Nähe zur Nachbarschaft sucht und dennoch einen eigenen Charakter ausbildet. Die spezielle Kubatur ergibt sich aus der natürlichen Belichtung und Belüftung des Innenraums, geheizt wird klimafreundlich mit einer Wärmepumpe.

Die überhöhte Gaube an der Nordwestecke wirkt gestaltprägend.
Zum Garten, zur Südseite, öffnet sich das Erdgeschoss großzügig über eine gebäudebreite Glasfront.
Im großen, gebäudehohen Wohnraum unterhalb der Gaube sind die Küche, der Essplatz und eine Sofaecke untergebracht.

Aus der umgebenden Bebauung nimmt der Neubau Größe und Linienführung wie Gebäudehöhe und Traufkante auf. Und doch hebt sich das Haus deutlich von seinen Nachbarn ab: Die Formensprache ist reduziert, die Öffnungen konzentrieren sich auf wenige, dafür größere Ausschnitte, wodurch ein eher monolithisch anmutender Baukörper entsteht. Gestaltprägend ist zudem eine überhöhte Gaube an der Nordwestecke.

Holzfassade als Hommage an landwirtschaftliche Baukultur

Zur Straße hin zeigt sich das Haus eher geschlossen, selbst das neben der Eingangstür einzige Fenster ist mit vertikalen Lamellen versehen, die den Blick filtern. Anstelle der im Ort vorherrschenden Klinker- und Putzfassaden haben die Planer*innen das Wohnhaus in eine Holzfassade gehüllt. Diese soll als Reminiszenz an die landwirtschaftlichen Bauten des Dorfes wie Scheunen und Ställe verstanden werden. Die vertikale Fassadenschalung besteht aus heimischem Lärchenholz, das bereits durch die Witterung eine markante, graubraune Patina entwickelt hat. Das Dach erhielt eine Deckung aus dunkelgrauen Zinkblechen.


Türenloses Raumkonzept

Die Gestalt des Hauses ist aus dem Innenraumgefüge sowie dem Bezug zwischen Innen- und Außenraum entwickelt: Im Zentrum des Grundrisses ist ein Kern mit Badezimmer, Küche und Treppe ins Obergeschoss angeordnet. Dadurch wird der zur Verfügung stehende Raum in mehrere Bereiche zoniert, die sich nach Bedarf miteinander verbinden oder voneinander trennen lassen. Klassische Flure sind deshalb nicht nötig.

Sommerliche Kühlung durch Kamineffekt

Nach Betreten des Hauses gelangt man zunächst in einen kleinen Eingangsbereich mit Garderobe, rechterhand schließt sich direkt der große Wohnbereich mit offener Küche an, in dem sich die komplette Gebäudehöhe mit Satteldach abzeichnet. Die hohe Gaube vergrößert den Wohnraum hier noch einmal deutlich, zusätzlich gelangt durch eine Öffnung in dem Bauteil viel natürliches Licht hinein. Das Oberlicht kann ferngesteuert geöffnet werden, sodass in den Sommermonaten ein Kamineffekt entsteht, durch den die warme Luft abziehen kann.

Auf der anderen Seite des Kerns befindet sich im Erdgeschoss das Hauptschlafzimmer. Ins Obergeschoss, das als Teilgeschoss ausgebildet ist, gelangt man über die zum Wohnraum hin offene Treppe. Dort gibt es ein weiteres Zimmer mit Bad, das als Gästezimmer genutzt werden kann.

Im gesamten Innenraum wird das Thema der Reduktion hinsichtlich der Materialität fortgeführt: Birke für die Oberflächen der Einbaumöbel und Treppe, verputzte Lehmwände, händisch polierter Estrich und Aluminium in der Küche. Zum Garten, zur Südseite also, öffnet sich das Erdgeschoss großzügig über eine gebäudebreite Glasfront, im Obergeschoss gibt es hier eine weitere Gaube mit einem raumhohen Fenster.

Wärmepumpe für Heizung und Warmwasser

Die Innenräume sind so miteinander verknüpft, dass sie sich sinnvoll und effizient beheizen lassen. So steht – versteckt hinter einem Sichtschutz ebenfalls aus Lärchenholz – eine reversible Luft/Wasser-Wärmepumpe mit einer Leistung von 5,66 kW (A-7/W35), mit der im Erdgeschoss eine Fußbodenheizung betrieben wird, die im Sommer auch zur Kühlung genutzt werden kann. Die warme Luft gelangt über den Luftraum des Wohnzimmers schließlich ins Obergeschoss, das auf diesem Wege mitgeheizt wird. Oben gibt es zwar einen zusätzlichen Heizkörper, der jedoch, so berichtet die Architektin Ann-Kathrin Lepke, im Grunde nie aktiviert werden muss, weil die Wärme aus dem Erdgeschoss in der Regel für den gesamten Innenraum ausreichend ist. Mit der Wärmepumpe, die eine Vorlauftemperatur von bis zu 62 °C erzeugen kann, wird auch das Warmwasser bereitet.

Kaminofen und solarer Wärmeeintrag ergänzen das Heizkonzept

Im großen Wohnraum steht außerdem ein nur 50 cm schmaler Kaminofen mit großzügigem Sichtglas, der eine Wärmeleistung von bis zu 6 kW liefert, die Beheizung der Innenräume unterstützt und dazu eine wohlige Atmosphäre liefert. Durch die großzügige, nach Süden ausgerichtete Verglasung kann im Winter außerdem der solare Wärmeeintrag zur Erwärmung der Räume genutzt werden. -tg

Bautafel

Architektur: Busch & Takasaki Architekten, Berlin + Architektin Ann-Kathrin Lepke
Projektbeteiligte: Alt Isenhagen 19, Hankensbüttel (Zimmermeister); Lepke Ingenieurgesellschaft, Gilfhorn (Tragwerk und Bauphysik); Buderus, Wetzlar (Hersteller Wärmepumpe)
Bauherr*in: privat
Fertigstellung: 2023
Standort: Im Winkel 6a, 38660 Isenbüttel
Bildnachweis: Ruben Beilby, Berlin; Ann-Kathrin Lepke-Jensen, Berlin; Pascal Kapitza, Berlin

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