Wohnhaus in Brtev

Zeitgenössische Hütte in einer alten Scheune

Die Gegend um Brtev, einem Örtchen im Norden von Tschechien, ist eher ländlich geprägt, mit Feldern und Wäldern. Ein idealer Ort zur Erholung also. Die ersten Ideen, sich hier einen Rückzugsort einzurichten, konzentrierten sich für eine Familie zunächst auf die Sanierung des Wohnhauses eines bestehenden, kleinen Gehöfts. Dennoch formulierten sie ihren Auftrag für Facha Architekti sehr offen, um der Kreativität möglichst keine Grenzen zu setzen. So ergab es sich im weiteren Entwurfsprozess, dass, statt das Haus zu sanieren, die ungenutzte Scheune des Gehöfts umgenutzt und ausgebaut werden sollte. Das einfache Holzhaus dient künftig als Hülle für eine zeitgenössische Hütte.

Den Eingang markiert eine Art Zunge aus Beton, die zum eigentlichen Eingang in die innere Hütte führt.
Die Hütte nimmt nur etwas die Hälfte der Scheunenfläche ein, wodurch die andere Hälfte als großzügige, geschützte Terrasse dient.
Alle Öffnungen an der Innenseite der Hütte lassen sich komplett schließen.

Grundlage der Entwurfsidee war für Architekt*innen wie Bauherrenschaft der Respekt vor dem Bestand sowie die Bewahrung des authentischen Charakters der baulichen Struktur des Gehöfts. Um diesen Gedanken maximal weit zu verfolgen, gibt es eine klare Trennung zwischen den neuen und den bestehenden Bauteilen: Der Bestand – das alte, dreischiffige Holztragwerk mit Holzaußenwänden und Dach – wurde zunächst von allem Unnötigen freigeräumt.

In dem dadurch freigewordenen Raum ist ein neuer Baukörper platziert, der ungefähr die Hälfte der Grundrissfläche einnimmt. Er beherbergt – wie in einem klassischen Tiny House – einen Wohn- und Essbereich mit Kochnische, ein kleines Bad und einen Schlafraum. Die zentrale Sichtachse verläuft entlang der ehemaligen Tenne, mittig der zu beiden Längsseiten öffenbaren Scheune. Dadurch lassen sich der Innen- und der Außenraum mit Apfelbäumen und Landschaft großzügig verbinden.

Scheune als Hülle

Der eingefügte Baukörper ist mit einem leichten Abstand zum bestehenden Scheunenboden angeordnet, wodurch die Trennung zwischen Alt und Neu noch hervorgehoben wird. Konstruktiv handelt es sich um einen Baukörper aus Holz, der mit einer schwarzen Asphaltfaserbeschichtung versehen ist. Die Anordnung der Hütte im Scheunenraum nach dem Haus-im-Haus-Prinzip führt dazu, dass mehrere Räume mit verschiedenen Charakteren entstehen: Direkt vor dem Eingang gibt es eine Art geschützte Terrasse, deren Dreiteilung Platz für ganz unterschiedliche Aktivitäten lässt.

Die ehemalige Tenne im Mittelschiff ist teilweise als helle Betonfläche ausgeführt, die sich wie eine Zunge vom Eingang hinaus in den Hof streckt. Links und rechts, also in den Seitenschiffen, ist der Boden mit unregelmäßigen, stabilen Steinen versehen. Von hier gelangt man über eine Wendeltreppe auf einen inneren Balkon, der einen erhöhten Ort im großen Scheunenraum schafft. Die Scheunenwände sind mit vertikalen Holzlatten versehen, die jeweils einen kleinen Abstand haben, sodass etwas Licht in den Scheuneninnenraum fällt.

Nachhaltiges Haus im Haus

Die eingestellte Hütte ist konstruktiv in leichter Holzrahmenbauweise errichtet. Obwohl das Häuschen ursprünglich für eine saisonale Nutzung (in der Regel im Sommer) gedacht wurde, ermöglicht die Dämmung sowie eine Fußbodenheizung auch eine ganzjährige Bewohnbarkeit. Der Raum, der sich durch die Scheunenhülle ergibt, dient dabei sowohl im Winter als auch im Sommer als Klimapuffer, der den Wohnbaukörper vor starker Kälte und Wärme schützt. Die Gestaltung des Innenraums setzt auf minimale formale Gesten mit Schwerpunkt auf einer natürlichen Materialität. Birkensperrholz dominiert die Atmosphäre, ergänzt durch schwarz gebeizte MDF-Platten für die Küchenzeile und die Schrankeinbauten.

Das kleine Bad mit offener Dusche ist mit einer grauen, feuchtigkeitsbeständigen Schicht versehen. „Wir glauben, dass Großzügigkeit nicht durch die Größe eines Gebäudes definiert wird“, beschreiben Facha Architekti ihren Blick auf die Architektur. Und weiter: „In der Architektur sehen wir nicht nur Form, Struktur und Materialien, sondern auch Menschen und ihre Geschichten.“ So ist das Wohnhaus in Brtev ein räumlich spannendes wie nachhaltiges, weil leicht wieder abbaubares Beispiel eines zukunftsträchtigen Umgangs mit einem bestehenden Gebäude, das unter anderen Umständen vielleicht längst nicht mehr existieren würde. -tg

Bautafel

Architektur: Facha Architekti, Prag
Projektbeteiligte: Drebo David Böhm, Prag (Holzkonstruktionen); miriki studio, Kladno (Stahlkonstruktionen); Aman Original, Prag (Möbeleinbauten)
Bauherr*in: privat
Fertigstellung: 2025
Standort: Brtev 17, 507 81 Lázně Bělohrad, Tschechien
Bildnachweis: Peter Fabo, Prag

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