Wohnhaus Herenhuis in Den Haag

Glasfassade mit zweigeschossiger Schwenktür

Das typische niederländische Stadthaus ist schmal und lang, schlicht und aus rotem Backstein. Eines von ihnen liegt in einer 1920er-Jahre-Siedlung im Den Haager Stadtteil Arensdorp, ein Stück nördlich des Zentrums. Das dreigeschossige Reihenhaus von 1924 erhebt sich auf einer länglichen Parzelle, im Südwesten schließt rückwärtig ein kleiner Garten mit altem Baumbestand an. Hohe Zäune zwischen den dicht gereihten Grundstücken bieten einen guten Sichtschutz. Nach seinem Umbau durch Cepezed Architekten aus Delft verfügt das als Herenhuis bezeichnete Wohnhaus über lichte Räume auf 190 Quadratmetern Wohnfläche. Während die straßenseitige, nordöstliche Fassade unter Denkmalschutz steht und ihr traditionelles Backsteinantlitz mit zweigeschossiger Auslucht unverändert belassen wurde, erfuhren die Gartenseite und der Innenraum eine erhellende Neugestaltung.

Während die straßenseitige Fassade unter Denkmalschutz steht und unverändert blieb, erfuhren der Innenraum und die Gartenseite eine umfassende Neugestaltung
Der Bauherr ließ die Backsteinwand durch ein vollisoliertes Stahl-Glas-Fassadensystem ersetzen
Anstelle einer Längswand im Erdgeschoss tragen drei schlanke Rundstützen die Deckenlast

Im Erdgeschoss wurde die auf den abgetrennten Eingangsbereich folgende Längswand entfernt, stattdessen tragen drei schlanke Rundstützen die Deckenlast. So entfällt der ursprünglich schmale, lange Flur, und ein großzügiger Wohn- und Essraum mit offener Küche konnte geschaffen werden. Die alten Türblätter fanden neu aufgearbeitet Verwendung als Schranktüren eines Einbauschranks. Über die Holztreppe aus der Erbauungszeit werden die beiden oberen Etagen erschlossen. Hier befinden sich eine Arbeitsebene, ein kleiner Schlafraum und ein Bad im ersten Obergeschoss sowie ein großes Schlafzimmer, Dusche und zu jeder Seite eine kleine Dachterrasse im zweiten Obergeschoss.

Glas
Der bauliche Eingriff an der Gartenfassade war umfassend: Der Bauherr ließ die gesamte Backsteinwand mit teils marodem Holzwerk durch ein vollisoliertes Stahl-Glas-Fassadensystem ersetzen. Um eine über die gesamte Breite des Gebäudes und zwei Geschosse reichende Verglasung setzen zu können, fügten die Planenden den Rücksprung des ehemaligen Balkons im ersten Obergeschoss dem Innenraum zu. Eine neue Austrittmöglichkeit mit Südwestausrichtung entstand durch das Zurücksetzen der Fassade in der obersten Etage. Mit einer Bekleidung aus grauen Metallplatten passt diese sich nun den Profilen der geschossübergreifenden Verglasung an. Raumseitig sind die Scheibeneinfassungen aus Aluminium und weiß pulverbeschichtet.

Die Glasfront besteht aus sechs Feldern in zwei verschiedenen Breiten. Eine schmale Zone ist oben festverglast und im Erdgeschoss als Glastür ausgebildet, eine breite Zone auf der anderen Seite oben wie unten festverglast. Bemerkenswert ist die schwenkbare zweigeschossige Glastür dazwischen: Sie hat eine Breite von 1,80 Metern und eine Höhe von 6,40 Metern. In geöffnetem Zustand ragt sie um etwa ein Drittel in den Garten und zu zwei Dritteln in den Raum – die Geschossdecke tritt hier als Galerie zurück, gesichert durch ein gläsernes Geländer.

Die schwenkbare Verglasung ist als Sonderkonstruktion eines bewährten Fassadensystems konzipiert. Mit einem Gewicht von 600 kg ist sie an zwei Punkten oben und unten gelagert. Trotz des stattlichen Gewichts lässt sie sich per Türdrücker auf der Innenseite mit einem Handgriff öffnen. Das Lager ist mit speziellen Dichtungen ausgestattet, die Drehpunkte sind exzentrisch positioniert. In den Rahmen eingelassen sind drei innen liegende, motorbetriebene Stores, die über die ganze Länge reichen und gleichermaßen Sicht- und Sonnenschutz bieten. Vor Überhitzung schützt außerdem eine dreifache Silberbeschichtung der Scheiben. Eine Verglasung im Obergeschoss ist opak: Dahinter befindet sich ein Badezimmer. Um die Energieverluste bei einer so großen Verglasung möglichst gering zu halten, kam eine 44 mm starke Zweifachisolierverglasung mit einem Wärmedurchgangskoeffizienten von Ug = 1,0 W/(m²K) zum Einsatz. Weitere Maßnahmen gegen Wärmebrücken sind wärmegedämmte Türfalzprofile sowie ein Konvektor zwischen Boden und Tür.

Bautafel

Architekten: cepezed, Delft
Projektbeteiligte: IMd, Rotterdam (Ingenieursplanung); ODS, Barendrevht (Stahlbausystem); AGC Glass Europe, Louvain-la-Neuve (Verglasung); Mobius Consult, Delft (Haustechnik); Schüco Stahlsysteme Jansen, Bielefeld (Fenster)
Bauherren: privat
Standort: Den Haag
Fertigstellung: 2014
Bildnachweis: cepezed, Delft / Léon van Woerkom

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