Wohnhaus Efringerstraße in Basel

Geschraubt statt geklebt

Der Stadtteil Kleinbasel am rechten Basler Rheinufer galt früher als Wohnviertel der einfachen Leute. Anfang des 20. Jahrhunderts beherbergten die Blockrandbauten hier noch viele Gewerbebetriebe. Dazu zählt auch die noch heute betriebene Spenglerei Jäggi Vollmer in der Efringerstraße 107. Da der Bedarf an innerstädtischem Wohnraum wächst, beauftragte die Spenglerei das Büro Lukas Raeber Architekten mit der Aufstockung der eingeschossigen Werkstatt aus dem Jahr 1920.

Das Gebäude ist nach der Idee des Urban Mining konzipiert: Die Materialien sind fast komplett rückbau- und wiederverwendbar.
Das aus unterschiedlichen Metallreststücken zusammengesetzten Regenrohr markiert die Philosophie der Wiederverwendung.
Das Spenglereiunternehmen, dem das Haus gehört, hat die Fassade und den Innenausbau maßgeblich mitgeprägt und -gestaltet.

Abgetreppter Massivholzbau

Die viergeschossige Erweiterung ist ein vorgefertigter Massivholzbau, der auf dem bestehenden Sockelgeschoss aufliegt. Da keine zusätzlichen vier Vollgeschosse erlaubt waren, ist das Gebäudevolumen in Richtung Hof abgetreppt und mit Terrassen versehen. Straßenseitig orientiert sich der Entwurf an der linksseitigen Nachbarbebauung, indem er deren Traufhöhe übernimmt und die Dachform in ein Sheddach überführt. Während der rückwärtige Teil des Daches begrünt ist, befindet sich auf dem vorderen Teil eine Photovoltaikanlage. Sie liefert Energie an die Luft-Luft-Wärmepumpe.

Holz, Aluminium und Chromstahl

Das Wohnhaus wird straßenseitig über das bestehende Sockelgeschoss erschlossen. Hier verbindet sich Bestehendes mit Neuem. Im Erdgeschoss befindet sich weiterhin die Werkstatt, hier wurde auch während der Bauarbeiten weitergearbeitet. In den vier Obergeschossen sind acht neue Wohnungen untergebracht, die über eine Treppenanlage aus vorgefertigten Holzelementen erschlossen werden. Sie richten sich in erster Linie an Singles, die in Basel rund die Hälfte aller Haushalte ausmachen. Auf jedem Stockwerk finden sich zwei Wohnungen von 37,5 bis 47,5 m² Größe.

Ein Kern mit Bad, Küche, Technikschrank und Garderobe trennt jeweils den Wohnraum vom Schlafzimmer. Rohes Holz sorgt in allen Räumen für eine warme Atmosphäre. Doch auch der Spenglereibetrieb hat im Innenausbau und bei der Fassadengestaltung kräftig mitgewirkt: Aluminium-Wellblech verkleidet die Fassaden, Bäder und Küchen sind mit großformatigen, hinterlüfteten Chromstahlplatten ausgestattet.

Rückbaubares Wohnhaus

Der Entwurf des Wohnhauses orientiert sich am Prinzip des Urban Mining: Alles soll möglichst einfach zurückgebaut und wiederverwendet oder kompostiert werden können. Deshalb sind die Bauteile in der Regel geschraubt statt verklebt, fugenlos montiert und Elektro- und Heizinstallationen aufgesetzt statt unter Putz verlegt. Das Konzept entwickelt seinen ganz eigenen Charme: Die unsichtbar geschraubten Massivholzriemen sorgen beim Betreten für ein leises Knarren des Bodens. Für den Bau hat das Team um Lukas Raeber an einigen Stellen bereits wiederverwendetes Material eingesetzt: Das mittig an der Fassade herabgleitende Fallrohr beispielsweise ist sichtbar aus unterschiedlichen Reststücken aus Kupfer, Chromnickelstahl und Messing zusammengesetzt. -sh

Bautafel

Architektur: Lukas Raeber Architekten, Basel
Projektbeteiligte: Haller & Partner, Oberwil (Tragwerk); Beat Joss & Partner, Basel (HLK-Planung); Jäggi Vollmer, Basel (Fassaden- und Spenglerarbeiten)
Bauherrschaft: Sonja und Felix Jäggi
Fertigstellung: 2022
Standort: Efringerstrasse 107, 4057 Basel
Bildnachweis: Rasmus Norlander, Zürich

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