Wohnhäuser in Pressbaum

Die Baugruppe als Dorf

B.R.O.T. Pressbaum ist der Name einer Baugruppe, die in der gleichnamigen niederösterreichischen Gemeinde unweit von Wien ein nachhaltiges und gemeinschaftliches Wohnkonzept verwirklicht hat. Die symbolgeladene Buchstabenfolge steht dabei für die Werte der Community: Begegnen, Reden, Offensein und Teilen. Die hundert Mitglieder setzen sich aus jungen Familien, Paaren und auch Singles unterschiedlichen Alters zusammen. Die Vision des Zusammenlebens aller Generationen in einem dorfartigen Konstrukt mit ökologischen Häusern hat das Architekturbüro Nonconform durch einen partizipativen Planungsprozess gemeinsam mit den Mitgliedern der Baugruppe in gebaute Wirklichkeit umgesetzt. 

Entstanden ist eine dorfartige Struktur im Grünen.
Die Wohnhäuser gruppieren sich um eine Mittelachse mit Dorfplatz.
In das Gelände eingeschnittene Rampen ermöglichen einen barrierefreien Zugang.

Auf dem 14.000 Quadratmeter großen Grundstück gruppieren sich zehn Holzhäuser und ein zentrales Gemeinschaftshaus an den Hang. Das neue Dorf besteht aus zwei- und dreigeschossigen Quadern, die sich in zwei Reihen entlang der Hangneigung um einen zentralen Dorfplatz gruppieren. Ein Weg zwischen den beiden Baureihen funktioniert als Erschließungsachse. Ins Gelände eingeschnittene Rampen sorgen für einen barrierefreien Zugang zu jedem Haus. Die hölzernen Baukörper sind zueinander versetzt angeordnet, was für mehr Privatsphäre und Ausblicke ins Grüne sorgt. Einschnitte im Grundriss und gestaffelte Dachgeschosse brechen die Quaderform stellenweise auf, wodurch die Volumen kleinteilig wirken und den menschlichen Proportionen nahe bleiben. 

Nachhaltig Bauen: Gemeinschaftliche Planung
Die Wohnungstypen, -größen und -ausrichtungen entwickelte das Planungsbüro mit den Mitgliedern der Baugruppe. Diesen war es ein großes Anliegen, zehn Prozent der Gesamtwohnfläche der gemeinschaftlichen Nutzung zu widmen. So entstand die Idee zum Gemeinschaftshaus mit Veranstaltungsraum, Gemeinschaftsküche, Aufenthaltsräumen und einer Gästewohnung. Um die vielfältigen Wünsche der zukünftigen Bewohnerschaft aufzugreifen und in eine produktive Richtung zu lenken, entwickelte das Architekturbüro die „Nonconform Ideenwerkstatt“, in der mit Hilfe von Modellen, großen Luftbildern, Raumaufstellern und haptischen Materialien die Entscheidungen visualisiert und greifbar gemacht werden konnten. Spezifische Moderationsformate erleichterten die Konsensfindung. Auch individuelle Bedürfnisse bekamen Gehör: Nach Einzelgesprächen nahmen die Architekten Änderungen am Grundriss vor, um auf Wünsche wie Schaukeln im Innenraum und spezielle Badewannen Rücksicht zu nehmen. Der Gemeinschaft war es wichtig, dass jedes Mitglied das persönliche Hab und Gut in den Entwurf einbringen durfte. So wurde etwa die Fliesensammlung einer Bewohnerin im Gemeinschaftshaus verlegt.

Soziale Bauökologie
Das Projekt zeigt, dass Nachhaltigkeit in verschiedenen Dimensionen gedacht werden muss. Zentral ist dabei die Frage: Wie wollen wir zusammenleben? „Ich finde, dass die Zukunft im Teilen liegt. Wir haben beispielsweise einen großen gemeinsamen Garten statt viele kleine private Gärten und teilen auch Gegenstände wie Staubsauger, die nicht jeder ständig benötigt“, erzählt Bewohner Thomas Wibmer-Waldhuber. Dieser Gedanke ermöglicht es, den Flächenverbrauch pro Kopf einzuschränken, was wiederum zu einer Verringerung des CO2-Ausstoßes führt, da weniger gebaut wird und weniger Raum beheizt werden muss. Die Baugruppe engagiert sich zudem sozial. Eine Wohneinheit wurde für eine Flüchtlingsfamilie freigehalten. Finanziert wird sie durch die Gemeinschaft und zusätzliches Crowdfunding.

Gesunde Werkstoffe
Ebenfalls im partizipativen Format hat sich B.R.O.T. für eine nachhaltige Holzleichtbauweise mit Zellulosedämmung und sichtbaren Massivholzdecken entschieden. Die Holzwände mit hinterlüfteter Lärchenholzfassade wurden vorfabriziert und alle Werkstoffe auf positive baubiologische Eigenschaften geprüft. Nur das Gemeinschaftshaus wurde aufgrund der Hanglage als Stahlbetonbau ausgeführt. Die Häuser verfügen über eine kontrollierte Wohnraumlüftung und ein Grauwassersystem für die WC-Spülung sowie zur Stromgewinnung eine Photovoltaikanlage. Auch bei der Mobilität setzt die Gemeinschaft auf Teilen: Sie nutzen nebst Fahrrädern und Öffentlichen Verkehrsmitteln, E-Carsharing und Fahrgemeinschaften, welche sich über die sozialen Medien organisieren. –sh

Bautafel

Architekten: nonconform – Architektur und partizipative Raumentwicklung, Wien
Projektbeteiligte: PhysCon ZT, Pressbaum (Tragwerksplanung); S&P Climadesign, Herzogenburg (Haus- & Elektrotechnikplanung); Schöberl & Pöll, Wien (Bauphysik); Bauunternehmen Ing. Harald Weissel, Mannswörth (Teil-Generalunternehmer); Weissenseer Holz-System-Bau, Greifenburg (Holzbau); KEM Montage, Biedermannsdorf (Haustechnik); Hatec Elektrotechnik, Texingtal (Elektrotechnik)
Bauherrschaft: Verein Gemeinschaft B.R.O.T., Pressbaum
Fertigstellung: 2018
Standort: Haitzawinkel 11b, 3021 Pressbaum, Österreich
Bildnachweis: Kurt Hörbst, Wien

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Wer nachhaltig bauen möchte, sollte Baustoffe wählen, die aus nachwachsenden, gut recyclebaren und lange verfügbaren Rohstoffen bestehen (Bild: Wasserstrichziegel).

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