Wohnensemble Steinbruchsfeld in Hannover

Langlebige Baustoffe

Im hannoverschen Stadtteil Misburg erstreckt sich zwischen Steinbruchsstraße, Werner-Kraft-Straße und Kampstraße das Neubaugebiet Steinbruchsfeld. Im Rahmen eines Realisierungswettbewerbs für die in mehrere Grundstücke unterteilte Großfläche entschied der Bauherr Hochtief Infrastructure sich unter anderem für den Entwurf des Architekturbüros Kiefer Sander. Das Konzept sah ein dreiteiliges Wohn- und Gewerbeensemble sowie eine städtebauliche Neuordnung vor. Die Planung und Realisierung erfolgte in Zusammenarbeit mit dem ortsansässigen Büro lad+ landschaftsarchitektur diekmann.

Der Entwurf setzt sich aus drei städtebaulichen Baukörpern zusammen, die dem zum Westen hin zulaufenden Grundstück in seiner Form folgen und gleichzeitig neue Plätze ausbilden.
Während beide Wohnungsbauten sich zum gemeinsamen Innenhof und zueinander öffnen, schafft der dritte Teil des Ensembles einen eigenen Vorplatz.
Die Nutzungszuordnung der Baukörper lassen sich bereits an einfachen Gestaltungselementen, wie den vorgesetzten massiven Loggien, oder dem verglasten Erdgeschoss im Gewerbebau ablesen.

Der naturnahe Stadtteil im Osten Hannovers grenzt südlich an den Mittellandkanal und im Norden am Naturschutzgebiet Misburger Wald. Bereits seit den 1990er Jahren erlebt die Region eine umfangreiche Transformation und zählt zu den wachstumsstärksten Gebieten der Stadt. Das Steinbruchsfeld ist Teil dieser Maßnahme und mit einer knapp 7,8 Hektar großen Grundfläche eines der größten Städtebauprojekte seiner Art. Inzwischen umfasst das Areal mehrere tausend Wohneinheiten sowie Gewerbeflächen. 

Gemischtes Ensemble

Das Projekt „Wohnen im Steinbruchsfeld“ vereint beide Nutzungen. Der Entwurf setzt sich aus drei Baukörpern zusammen, die dem zum Westen hin zulaufenden Grundstück in seiner Form folgen und gleichzeitig neue Plätze ausbilden. Die Typologien unterscheiden sich deutlich voneinander. Während der im Norden angeordnete Wohnriegel an eine groß dimensionierte Anreihung von Stadtvillen erinnert, bilden die Architekt*innen das zweite Wohngebäude mit einem L-förmigen Grundriss aus, der aus zwei sich verschränkenden Riegeln mit unterschiedlichen Höhen besteht.

Die drei- bis viergeschossigen Gebäude beherbergen insgesamt 61 Zwei- bis Vierzimmerwohnungen mit 62 bis 128 Quadratmetern. Die Wohnungen wurden größtenteils als Dreispanner geplant und sind barrierefrei. Zudem verfügen die straßenseitigen Baukörper über, für die Bewohner*innen, frei zugängliche Dachterrassen. Erschlossen werden die Wohngebäude jeweils von ihrer nördlichen Fassadenseite. Neben den Wohneinheiten umfasst das Ensemble außerdem eine 2.300 Quadratmeter große Gewerbefläche, die sich im dritten, nordwestlich positionierten Gebäude eingliedert. Für die alltägliche und medizinische Versorgung sind Arztpraxen, Einzelhandelsgeschäfte und Gastronomie in den Komplex eingebettet.

Aus Drei werde Eins

Während beide Wohnungsbauten sich zum gemeinsamen Innenhof und zueinander öffnen, schafft der dritte Teil des Ensembles einen eigenen Vorplatz, der als kleines Quatierszentrum dienen und die soziale Interaktion fördern soll. Die Nutzungszuordnung der Baukörper lassen sich bereits an einfachen Gestaltungselementen, wie den vorgesetzten massiven Loggien, oder dem verglasten Erdgeschoss im Gewerbebau ablesen. Für das einheitliche Stadtbild sorgt die industriell anmutenden und für den Raum Hannover typischen Klinkerfassaden. 

Ton auf Ton

Statt Beton und WDVS mit weißem Anstrich entscheiden sich die Architekt*innen von Kiefer Sander für ein lebendiges Fassadenbild aus schwarz-roten Klinkerriemchen. Auch die tragende Struktur der Gebäude wurde aus dem mineralischen Backstein hergestellt – statt eines herkömmlichen Ziegelmauerwerks setzt man auf Dämmziegel. Die monolithische Konstruktion besteht aus einer tragenden, 49 cm dicken Ziegelschicht und 14 mm starken Riemchen.


Bautafel

Architektur: Kiefer Sander Architekten BDA, Sarstedt
Projektbeteiligte: lad+ landschaftsarchitektur diekmann, Hannover (Landschaftsplanung); HOCHTIEF Infrastructure, Essen (Generalplanung)
Bauherr*in: GENTEC Immobilien, Hannover (Eigentümer), HOCHTIEF Infrastructure, Essen (Bauherr/Generalplanung)
Standort: Willi-Blume-Allee, 30629 Hannover
Fertigstellung: 2022
Bildrechte: Olaf Mahlstedt (Fotos); Kiefer Sander Architekten BDA, Sarstedt (Pläne)

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