Wohnen weiterbauen

Wohnen weiterbauen

Caroline Dietlmeier, Stefan Gruhne, Simon Pytlik und Mascha Zach; herausgegeben von Andreas Hild und Andreas Müsseler

Großwohnsiedlungen in die Zukunft bringen
Gebr. Mann Verlag, Berlin 2025
312 Seiten mit 285 Farb- und 48 Schwarzweiß-Abbildungen
Format: 20 x 26 cm, Hardcover und E-Book

Preis: 59 EUR

ISBN ISBN 978-3-7861-2912-7 (Print) ISBN 978-3-7861-7534-6 (PDF)

Dem Branchenmedium Wohnungswirtschaft heute zufolge leben acht Millionen Menschen in den deutschen Großwohnsiedlungen, die hauptsächlich in den 1960er- und 1970er-Jahren entstanden sind. Dazu gehört auch der Münchener Stadtteil Neuperlach – das größte westdeutsche Siedlungsprojekt nach dem Zweiten Weltkrieg. Das Forschungsprojekt Wohnen weiterbauen lieferte an diesem Beispiel konkrete Vorschläge, wie der Gebäudebestand sozial verträglich und ökologisch weiterentwickelt werden kann. Im gleichnamigen Buch stellen die Forschenden eine „bewohnbaren Dämmung“ vor, bei der Fassaden mithilfe von Wintergärten energetisch ertüchtigt werden.

In dem Forschungsprojekt arbeiteten die TU München und die OTH Regensburg zusammen. Es wurde von 2022 bis 2024 als Teil des Projekts Creating NEBourhoods Together durchgeführt, das ko-kreative Transformationsprozesse in der Stadtentwicklung erprobt. Dieses ist wiederum Teil des Neuen Europäischen Bauhaus (NEB), einer 2020 von der Europäischen Kommission ins Leben gerufenen Initiative.

Das Buch hat einen klar strukturierten Aufbau, der das Lesen erleichtert: Zunächst erfolgt eine Analyse des Wohngebäudebestands in Neuperlach Nord und Nordost anhand von Gebäudetypen. Danach präsentieren die Autor*innen die Strategie der „bewohnbaren Dämmung“ und ordnen die erarbeiteten Sanierungsoptionen für Großwohnsiedlungen aus ökologischer, ökonomischer und sozialer Perspektive ein.

Das Konzept erinnert stark an die Projekte des französischen Architekturbüros Lacaton & Vassal: Die neue Wintergartenschicht soll als thermischer Puffer dienen und somit niedrigere Energiekosten erzielen, während zugleich Wohnfläche und Grundrissflexibilität wachsen. Anstatt jedes Haus individuell zu sanieren, setzen die Forschenden auf eine serielle Fertigung. Die vorproduzierten Holz-Hybrid-Module der bewohnbaren Dämmung werden als selbsttragendes Gerüst vor die bestehende Betonfassade gestellt. In einem „minimalinvasiven Eingriff“ müssen nur die Fensteröffnungen zu Durchgängen vergrößert werden. Bad und Küche im Innern bleiben weitgehend unangetastet. Entsprechend müssen die Bewohner*innen während der Bauphase nicht ausziehen. Darüber hinaus sieht das Konzept vor, die Siedlung nachzuverdichten, etwa mit barrierarmen Anbauten. Neben dem Plus an Wohnraum halten die Forschenden eine Quersubventionierung für möglich, die die Mieten für die Bestandsmieter*innen trotz Sanierung stabil halten soll.

Anhand eines Referenzgebäudes werden neben dem Konstruktionsprinzip verschiedene Grundrissvarianten der bewohnbaren Dämmung im Vergleich zu bisher üblichen Sanierungsweisen vorgestellt. Während eine thermisch-dynamische Gebäudesimulation die Wirksamkeit der unterschiedlichen Sanierungsvarianten in Bezug auf die Energieeffizienz darstellt, untersucht eine Lebenszyklusanalyse deren ökologische Effekte. Auf diese Weise werden Errichtungskosten ermittelt, die als Grundlage für ein wirtschaftliches Konzept hinsichtlich der Querfinanzierung durch Nachverdichtung dienen können. Außerdem werden die sozialen Auswirkungen verschiedener Sanierungsoptionen sowie Ansätze zur Einbeziehung von Stakeholdern erörtert. Ein Ausblick auf die Replizierbarkeit des Konzepts in anderen europäischen Kontexten rundet das Buch ab.

Die Forschenden ziehen eine positive Bilanz aus ihrem Projekt: Sowohl die positive Auswirkung auf den CO2-Fußabdruck als auch die Wirkung der Wintergärten als thermischer Puffer konnten sie nachweisen. Ebenso stellten sie fest, dass die Sanierungsstrategie einen sozialen Mehrwert schafft, durch flexiblere Nutzung und geringere Heizkosten.

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