Wohnbebauung Bernauer Straße in Berlin
Mäanderndes Gefüge auf historischem Grund
Im Berliner Osten an der Bernauer Straße befindet sich heute die rund 1,4 Kilometer lange Gedenkstätte der Berliner Mauer. Nördlich schließt ein mäandernder Riegel aus kubischen Volumen an – dort, wo einst die Mauer verlief. In Zusammenarbeit schufen Studio Mars und Linie Creutzfeldt Architekten in dem denkmalgeschützten Bereich insgesamt 87 neue Wohnungen. Eine modellbasierte Planung mit der open-BIM-Methode erhöhte die Planungsqualität und erleichterte die Kommunikation aller Projektbeteiligten.
Während weite Teile des ehemaligen Grenzstreifens heute überbaut sind, zeichnet ein 1,4 Kilometer langer Freistreifen mit Gedenkstätte, Dokumentationszentrum und der Kapelle der Versöhnung den Mauerverlauf an der Bernauer Straße nach. Der mittlerweile belebte Stadtraum war einst Ort tragischer Fluchtversuche aus dem abgeriegelten Ost-Berlin. Mit dem Bau der Wohngebäude in unmittelbarer Nähe zur Gedenkstätte ist nun ein weiterer Teil des ehemaligen Mauerverlaufs bebaut.
Öffentliches Erdgeschoss und private Dachgärten
Für den denkmalgeschützten Bereich galten strenge Vorgaben aus dem Bebauungsplan und der vorhandenen Gestaltungssatzung, sowie Auflagen zum geförderten Wohnungsbau. Die Projektbeteiligten entwickelten zwei vier- bis fünfgeschossige Baukörper, bestehend aus einem länglichen Riegel, der sich an den Baubestand fügt, und einem davon losgelösten, L-förmigen Volumen. Gemein ist beiden Gebäuden ein offenes Sockelgeschoss für Gewerbeeinheiten mit großformatigen Fensteröffnungen, die einen fließenden Übergang zum Stadtraum herstellen. In den Obergeschossen wechseln sich Ein- bis Vierzimmerwohnungen ab – darunter auch Maisonette-Wohnungen. Den Abschluss bilden Gemeinschaftsterrassen.
Durch die eingefriedeten Nordbereiche zwischen den Volumen erfolgt die Erschließung: Die Treppenhäuser liegen an der südlichen Fassade. Die vertikalen Fensterformate und ihre Gliederung erzeugen eine rhythmische Fassadengestaltung, Blindöffnungen und Faschen verstärken den Eindruck. Die Materialität folgt den strengen Vorgaben der Gestaltungssatzung: Für die Klinkerriemchen wurde ein beige-ockerfarbener Farbton gewählt, Fensterrahmen und Bleche sind anthrazitfarben. Einzig die Ausbildung der Faschen sorgt für kleine Akzente: Die um neunzig Grad gedrehten Riemchen sind hier in grünen beziehungsweise roten Farbtönen gehalten. An historische Spuren, wie etwa an die Verläufe der ehemaligen Fluchttunnel, erinnern Stahlelemente im Außenraum.
Durchgängig digitale Arbeitsweise mit BIM
Die Architekt*innen erzeugten ein detailliertes
3D-Architekturmodell. Durch open-BIM und das herstelleroffene
IFC-Format
konnten sie Daten mit den Fachplanenden wie aus der Tragwerks- und
TGA-Planung austauschen. Die modellbasierte Planung erlaubte eine
frühzeitige Identifizierung und Lösung von Konflikten, etwa bei der
komplexen Schlitz- und Durchbruchsplanung. Für die Kollisionsprüfung kam die Softwarelösung
Solibri zum Einsatz. Aber nicht nur Unstimmigkeiten wurden
durch die BIM-Planung minimiert; die integrale Planungsmethode
sorgte auch für die Einhaltung von Zeitplänen und für eine
insgesamt transparente und lösungsorientierte Zusammenarbeit aller
Projektbeteiligten.
Bautafel
Architektur: STUDIO MARS, Linie Creutzfeldt Architekten
Projektteam: Leila Kasumagic, Joanne Lim, Aninka Bahr, Lars Zeppenfeld, Jelena Kremer, Ali Baddour
Projektbeteiligte: Otto Wulff Bauunternehmung (Generalunternehmer); Coqui Malachowska Coqui (Landschaftsarchitektur); ITP Ingenieurgesellschaft (Tragwerksplanung); Dernbach (TGA-Planung); IBR Nico Richter (Brandschutz); ALB Akustiklabor, Berlin (Schallschutz); Solibri (Software für Kollisionsprüfung)
Bauherr*in: Wohnungsbaugesellschaft Mitte (WBM), Berlin
Fertigstellung: 2025
Standort: Bernauer Straße 26/34, Berlin
Bildnachweis: Jan-Oliver Kunze (Fotos); STUDIO MARS Berlin und Linie Creutzfeldt Architekten (Pläne)