Wohn- und Geschäftshaus in Berlin

Einfach bauen

Wie baut man auf einer kleinen Parzelle gegenüber vom großmaßstäblichen Bau des Bundesnachrichtendienstes in Berlin? Für Wietersheimer Architekten lautet die Antwort: Einfach! Für ihren Entwurf eines Wohn- und Geschäftshauses am südöstlichen Kopfende einer Blockrandbebauung ließen die Architekturschaffenden alles Unnötige beiseite und besannen sich auf einfache, tektonische Prinzipien zurück. Nicht nur städtebaulich war der nachverdichtende Neubau mit elf Wohnungen und einem Ladenlokal im Bezirk Mitte eine Herausforderung, sondern auch die geringe Grundstücksgröße von 13 mal 11 Metern; zudem mussten Brand-, Wärme- und Schallschutzanforderungen gelöst werden.

Das schmale Gebäude auf kleiner Parzelle dient den dahinterliegenden Bauten als Eingang und Durchfahrt.
Durch eine Verschiebung der monolithischen Ziegelwände erhält die Fassade Tiefe, was durch die differenzierten Putzoberflächen unterstrichen wird.
Das Treppenhaus bildet sich in der Wohnung ab und formt wohnliche Nischen.

Die elementare Tragstruktur des siebengeschossigen Hauses gegenüber dem ausladenden BND-Komplex ist von außen ablesbar: Geschichtete Steinquader lasten auf Decken und Wandscheiben wurden so gestellt, dass Öffnungen entstehen. Die Deckenrandschalung und leichte Verschiebungen der monolithischen Ziegelwandelemente gliedern die hellrosa verputzte Fassade, wobei differenzierte Putzoberflächen und der Schattenwurf dem symmetrischen Fassadenbild plastische Tiefe verleihen. Den Abschluss bildet ein rückspringendes Staffelgeschoss. Das Konstruktionsprinzip ist auch im Inneren gestaltprägend: Das zentrale Treppenhaus und die Verschiebung der Wandelemente bilden Nischen, die als begehbare Kleiderschränke oder mit Holzeinbauten die Wohnqualität erhöhen. In jedem Obergeschoss entstanden zwei Wohnungen mit zweiseitiger Belichtung und Belüftung durch bodentiefe Fenster in Holzrahmen. Während die straßenseitigen Öffnungen vis à vis des BND als französische Fenster mit filigraner Absturzsicherung aus Metall ausgeführt sind und die Brandwand im Südosten gänzlich fensterlos ist, kragen zum ruhigeren, nordöstlich ausgerichtetem Hof Balkone aus.

Hohe Anforderungen gemeistert

Das Mehrfamilienhaus steht am Ende von einer Häuserreihe aus der Gründer- sowie Nachkriegszeit und musste besondere Aufgaben erfüllen: Einerseits sollte die südöstliche Seitenwand die Anforderungen an eine Brandwand erfüllen und widerstandsfähig gegenüber Stoßlasten sein. Andererseits musste bei einer Breite von nur 10,80 Metern zusätzlich eine Durchfahrt zu den dahinterliegenden Bauten gewährleistet werden, was zu erhöhten Schallemissionen führt. Aufgrund der hohen Anforderungen hinsichtlich Wärmeschutz, Statik, Schall- und Brandschutz hat sich das Planungsteam für eine monolithische Ziegel-Bauweise entschieden. Die mit Mineralwolle verfüllten Planziegel ermöglichen es, dem Prinzip des einfachen Bauens treu zu bleiben. Mit einer Wärmeleitfähigkeit von 0,1 W/mK eignen sie sich für KfW-Effizienzhäuser. -sh

Bautafel

Architektur: Wietersheim Architekten, Berlin
Projektbeteiligte: Andreas Kuelich, Ingenieurbüro für Tragwerksplanung, Berlin (Tragwerksplanung); wienerberger, Hannover (Ziegelhersteller)
Bauherrschaft: Privat
Fertigstellung: 2018
Standort: Chausseestrasse 48a, 10115 Berlin
Bildnachweis: Wietersheim Architekten, Berlin

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