Wohn- und Geschäftshaus Ascension Paysagère in Rennes

Keramisches Bergmassiv mit hoher Wohnqualität

Rennes ist die lebenswerteste Stadt Frankreichs – so zumindest urteilte das französische Magazin l'Express im Jahr 2018. Die ein Jahr zuvor fertiggestellte TGV-Verbindung bringt entsprechend viele Besucher in die größte Stadt der Bretagne. Wie die wachsende Einwohnerzahl zeigt, kommen einige, um zu bleiben. Die zahlreichen denkmalgeschützten Gebäude im Stadtzentrum haben den dadurch entstehenden Expansionsdruck in die Peripherie verlagert. Um die weitere Flächenversiegelung zu begrenzen, setzt die Stadt auch auf moderate Nachverdichtung, wie mit dem Wohn- und Geschäftshaus Ascension Paysagère nach Plänen von MVRDV.

Das Grundstück liegt an der Mündung der Ille in die Vilaine, gegenüber dem schwimmenden Jardin de la Confluence und am Ende einer Fußgängerzone.
Gleich einem Bergmassiv mit drei Gipfeln wachsen die geschwungenen Baukörper in die Höhe.
Im Erdgeschoss definieren die Kurven der beiden Gebäude u.a. eine begrünte Fußgängerzone und einen öffentlichen Platz am Wasser, der zu einem Restaurant und Theater führt.

Bergmassiv mit drei Gipfeln

Der 12-geschossige, 10.550 Quadratmeter große, zweiteilige Komplex befindet sich im Übergangsbereich zwischen Zentrum und Außenbezirk. Das Grundstück liegt an der Mündung der Ille in die Vilaine, gegenüber dem grünen schwimmenden Jardin de la Confluence und am Ende der inzwischen zur Fußgängerzone gewordenen Mail François Mitterrand. Der Entwurf, den MVRDV zusammen mit dem Büro ALL für den Immobilienentwickler Groupe Giboire erarbeitete, ist von geologischen Formationen inspiriert. Gleich eines Bergmassivs mit drei Gipfeln wachsen die geschwungenen Baukörper in die Höhe. Durch die geschossweisen Rücksprünge zum Flussufer und zur Nachbarbebauung entstehen Terrassen, die mit eigens angefertigten Pflanzgefäßen samt automatischer Bewässerung und Wasserhahn ausgestattet sind. Das erleichtert den Bewohner*innen die Pflege ihres kleinen Grünraums.


Verweilen am Wasser

Im Erdgeschoss definieren die Kurven der beiden Bauten eine Reihe von öffentlichen Räumen wie einer begrünten Fußgängerzone und einem Platz am Wasser. Letzterer führt zum Le Bacchus, einem Restaurant und Theater, das von der Kurve des größeren Gebäudes umschlossen wird. In Richtung Ufer mündet der Platz in Sitzstufen, die zum Verweilen einladen. Die Eingänge zum größeren, winkelförmigen Gebäude mit zwei „Bergspitzen“ befinden sich in drei holzverkleideten Passagen. Sie durchdringen das Gebäude und führen zu einem abgelegenen Garten auf der Rückseite des Theater-Restaurants.

Der gesamte Komplex beherbergt 138 Wohnungen in verschiedenen Größen und Preisklassen – darunter 37 Sozialwohnungen – sowie Geschäftsräume. Allen Mieter*innen stehen zudem Gemeinschaftsräume zur Verfügung. Eine Tiefgarage bietet neben Pkw-Stellplätzen auf insgesamt 210 Quadratmetern Platz für Fahrräder, einschließlich spezieller Abstellflächen für Lastenfahrräder und Elektroladestationen, die zum Umstieg auf nachhaltigere Mobilitätsformen anregen sollen. Viele der Wohnungen sind zu zwei oder sogar drei Seiten ausgerichtet und verfügen damit über viel Tageslicht und die Möglichkeit zur Querlüftung. Die Wohneinheiten des kleineren Blocks sind im Passivhausstandard ausgeführt.


Vollständig rückbaubare Keramikhülle

Der Eindruck eines Bergmassivs wird durch das Fassadenmaterial gestärkt: matte und glänzende Keramikfliesen in fünf verschiedenen Grautönen umhüllen die Baukörper. Während sie in der Sockelzone überwiegend matt und dunkel sind, werden sie mit wachsender Höhe heller und glänzender. Durch unregelmäßig über die Fassade verteilte LED-Leuchten entsteht bei Dunkelheit der Eindruck, als würde der Komplex helles Mondlicht reflektieren.

Die Keramikhülle wurde als vorgehängte, hinterlüftete Fassade umgesetzt. Die langen, schmalen Keramikplatten wurden vertikal montiert, wodurch sie das Aufstrebende der Kubatur unterstreichen. Die Elemente mussten lediglich in das Profil eingehängt werden, wozu kein weiteres Werkzeug notwendig war. Das erleichterte nicht nur die Erstellung, sondern ermöglicht auch den problemlosen Rückbau und die Recycelbarkeit des gesamten Systems. -sas

Bautafel

Architektur: MVRDV, Rotterdam u.a.
Projektbeteiligte: ALL (Co-Architekten); Franck Boutté Consultants, Paris (Berater für Umweltfragen); Sertco, Rennes (Tragwerksplaner); ICOFLUIDES Ingénierie, Thorigné-Fouillard (Technischer Berater); OB Ingénierie, Pace (Projektkoordination); CDLP (Kostenberechnung); Agrob Buchtal, Schwarzenfeld (Hersteller Fassadensystem KeraTwin)
Bauherr/in: Groupe Giboire
Fertigstellung: 2022
Standort: Rennes, Frankreich
Bildnachweis: Ossip van Duivenbode

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