Wildtiere am Haus

Wildtiere am Haus

Michael Stocker, Sebastian Meyer und Iris Scholl

Haupt Verlag, Bern 2026
192 Seiten, 350 Farbfotos, 25 sw Illustrationen, Softcover mit Klappen, 15,5 x 22,5 cm

Preis: 29 EUR

ISBN 978-3-258-08458-9

Fassaden sollen heute möglichst dicht sein. Doch was für den Menschen aus energetischer Sicht sinnvoll ist, bedeutet für viele Wildtiere den Verlust eines wichtigen Lebensraums. Vorsprünge, Spalten und Hohlräume ähneln natürlichen Strukturen. Manche Arten haben sich diese Lebensräume längst erschlossen – vom Mauersegler in der Fassadennische bis zum Wanderfalken auf dem Hochhaus. Das Buch Wildtiere am Haus. So gelingt das Miteinander zeigt, wie sich Artenschutz und zeitgemäßes Bauen zusammenbringen lassen. Im Mittelpunkt stehen dabei weniger allgemeine Forderungen nach mehr Biodiversität als konkrete bauliche Lösungen.

Die Autor*innen Michael Stocker, Sebastian Meyer und Iris Scholl greifen auf rund dreißig Jahre Erfahrung in der faunistischen Baubegleitung zurück. Zunächst stellen sie die zahlreichen tierischen Gebäudebewohner vor: Neben Vögeln wie Schwalben, Dohlen, Turm- und Wanderfalken zählen auch Wildbienen, Wespen, Mauerspinnen, Fledermäuse, Siebenschläfer und Steinmarder zu unseren Mitbewohner*innen. Dabei zeigen die Verfasser*innen vor allem auf, wie unterschiedlich die Ansprüche der Tiere sind und welche baulichen Strukturen sie benötigen. 

Besonders relevant für die Planung sind die darauffolgenden Kapitel zu Sanierung, Wärmedämmverbundsystemen und Neubauten. Gerade bei energetischen Sanierungen werden Nischen und Hohlräume häufig geschlossen, die bislang als Brutplätze oder Quartiere dienten. Das Buch zeigt, wie sich solche Strukturen erhalten oder durch geeignete Ersatzquartiere integrieren lassen. Auch bei Neubauten können Nist- und Unterschlupfmöglichkeiten von Beginn an mitgedacht werden. Entscheidend ist, den Artenschutz nicht erst zu berücksichtigen, wenn die Fassade bereits fertig geplant ist.

Ein weiteres Kapitel widmet sich begrünten Fassaden und Dächern sowie typischen Gefahrenquellen am Gebäude, etwa Glasflächen und Schächten. So entsteht ein umfassender Blick auf das Haus als Lebensraum – nicht nur für Menschen. Dabei verschweigen die Autor*innen auch die möglichen Konflikte nicht: Wildtiere können Verschmutzungen verursachen, Lärm machen oder Schäden an Gebäuden hervorrufen. 

Die Verfasser*innen verstehen Artenschutz und eine funktionierende Gebäudehülle nicht als unvereinbaren Gegensatz. Vielmehr geht es ihnen darum, aufzuzeigen, wie ein „einvernehmliches Zusammenleben“ möglich wird. Manchmal braucht es dafür aufwendige Lösungen, manchmal lediglich den bewussten Erhalt einer kleinen Nische. 

Für Architekturschaffende, Eigentümer*innen und alle, die mit Sanierung und Neubau befasst sind, liefert das Buch konkrete Anregungen, wie aus dem scheinbaren Detail eine wichtige ökologische Funktion werden kann.

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