Wastewater treatment in Aproz

Von der Kläranlage zum Spielplatz

Im Schweizer Rhônetal liegt das beschauliche Dorf Aproz. Einfamilienhäuser dominieren das Ortsbild. Öffentliche Plätze, die Begegnung fördern, fehlen fast völlig, die Freizeit wird meist im eigenen Garten verbracht. Um Kindern gemeinsames Spielen zu ermöglichen, beauftragten die Nachbargemeinden Nendaz und Sion das lokal ansässige Landschaftsarchitekturbüro En-Dehors mit dem Bau eines Spielplatzes. Als der ursprünglich geplante Standort verworfen wurde, schlugen die Planenden eine Alternative vor: die stillgelegte Kläranlage des Dorfes. Mit präzise gesetzten Betonschnitten und Interventionen verwandelte En-Dehors das alte Sedimentationsbecken in einen vielseitigen Wasserspielplatz.

Mit zwei präzise gesetzten Schnitten öffneten sie die Südwand.
Alle Bauteile wurden wiederverwendet: die herausgeschnittenen Wandteile dienen nun als Treppenstufen ...
... und das Geländer des Wandkopfes wurde an der Erschließungsrampe angebracht.

In den 1960er-Jahren war Aproz seiner Zeit voraus: Am Ufer der Rhône entstand damals die erste Abwasserreinigungsanlage des Kantons Wallis, außerhalb des Ortzentrums. 1994 stellte die Gemeinde die Anlage still, nachdem die Abwasserreinigung interkommunal organisiert wurde. Das von Betonwänden umgebene Sedimenationsbecken blieb daraufhin rund dreißig Jahre ungenutzt. Während dieser Zeit wuchs das Dorf und rückte näher an die alte Klärinfrastruktur heran. Heute liegt das Areal nur wenige Häuser von dem Kindergarten entfernt, am Ende einer Sackgasse. En-Dehors schlugen vor, das Gelände für eine zukünftige Nutzung unbebaut zu lassen und stattdessen das eigenwillige Gebäude in einen Spielplatz zu verwandeln.

Umfassende Wiederverwendung

Das offene, rechteckige Klärbecken misst im Grundriss 15 mal 10 Meter, besteht aus Sichtbeton und ist von fünf Meter hohen Wänden umgeben, die oben mit einem Geländer abschließen. Aus dieser abweisenden Infrastruktur sollte ein einladender Ort werden, wobei sich En-Dehors dafür entschieden, alle Bauteile wiederzuverwenden. Zwei großzügige Schnitte in der südlichen Umfassungsmauer, die dem Dorf zugewandt ist, öffnen das Becken. Die herausgeschnittenen Betonstücke dienen nun als Stufen der Eingangstreppe. Teile des Geländers wurden als Begrenzung des Eingangs neu eingesetzt und flankieren eine links hinter der Treppe liegende Rampe. Kinder können über einen rechtsseitigen hölzernen Turm rutschend auf den Spielplatz gelangen.

Wasser marsch!

Passend zur Geschichte des Ortes dreht sich auf dem Spielplatz alles um das Wasser. Im Inneren des ehemaligen Klärbeckens laden verschiedene wasserbezogene Spielelemente zum Entdecken ein. Eine Zapfstelle mit einer scheibenförmigen Drehkurbel lässt Wasser in ein Rinnensystem fließen, das keilförmig in den Betonboden geschnitten wurde. Entlang dieses künstlichen Wasserlaufs finden sich kleine Wehre, die von den Kindern betätigt werden können. Das aufgestaute überfließende Wasser bewässert Eschen und Weiden, die in kreisförmigen Betoneinschnitten gepflanzt wurden. Eine Bodendüse sprüht Wasser wie ein Geysir in die Luft, während weitere, an der oberen Wand montierte Auslässe für eine Erfrischung von oben sorgen. Kinder können das Wasser durch an die Wand angebrachte Drehkurbeln und Knöpfe aktivieren.

Die Schnittstellen im Beton sind in den Grundfarben rot, blau und gelb markiert und lassen das monotone Grau des Betons fröhlicher erscheinen. Aus der funktionalen Infrastruktur ist ein abwechslungsreicher Spielplatz geworden, der Kindern die Freude am Wasser näherbringt. -hs

Bautafel

Architektur: En-Dehors, Lausanne/Sion
Projektbeteiligte: Jardin alpin, Haute-Nendaz, Valais (Landschaftsplanung); Masserey & Voide, Sion (Bauingenieure); Discobéton, Conthey (Bohrungen Beton); Bornet, Sitten (Sanitärarbeiten); Lourejoints, Veyras (Abdichtungen)
Bauherrschaft: Gemeinden Sion und Nendaz
Standort: Impasse Bord'Eaux 6, 1994 Aproz / Nendaz, Valais, Schweiz
Fertigstellung: 2023
Bildnachweis: Baptiste Coulon (Fotos); En Dehors (Fotos und Pläne)

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