Waldschwimmbad in Liberec

Vom Verfall zum gemeinschaftlich revitalisierten Erholungsort

Am nordöstlichen Stadtrand der tschechischen Großstadt Liberec, eingebettet in ein dichtes Waldgebiet, liegt das Lesní koupaliště (deutsch: Waldschwimmbad). Die Anlage am Zusammenfluss zweier Bäche blickt auf eine lange Tradition als Badeort zurück. Von der Errichtung einer ersten Badestelle in der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg über einen Brand bis hin zu Schließung und Verfall hat der Ort schon zahlreiche Umbrüche erlebt. Mit großer Sorgfalt und in enger Zusammenarbeit mit der Stadt Liberec sowie engagierten Bewohner*innen nahm sich das Architekturbüro Mjölk architekti der Revitalisierung des Geländes an. Unter Einsatz von Low-Budget-Strategien und Elementen des Selbstbaus ist eine schneeweiße, funktional durchdachte Badeinfrastruktur mit hoher Aufenthaltsqualität entstanden, die Lust auf erfrischende Stunden im Freien macht.

Die Instandsetzung ist mit großer Sorgfalt und in enger Zusammenarbeit mit der Stadt Liberec sowie ihren Bewohner*innen entstanden.
Die Holzrahmenkonstruktion aus CLT-Paneelen folgt den zwei Niveaus der vorhandenen Betonplatte und nimmt von Westen nach Osten die zentralen Funktionsbereiche auf: Lagerraum, WCs, eine Sauna mit Lounge-Bereich sowie einen Kiosk.
Unter dem Dach und dem Funktionsriegel vorgelagert, befinden sich Schließfächer, Umkleiden und Außenduschen.

Geschichtlicher Kontext

Die Geschichte des Lesní koupaliště reicht bis in die 1930er-Jahre zurück, als der Verein „Waldbad in Ruppersdorf“ den Bau einer Badestelle initiierte. Während des Krieges diente das im Bau befindliche Schwimmbad sowohl militärischen Trainingszwecken als auch der öffentlichen Erholung. In der Nachkriegszeit wurde die Anlage weiterentwickelt: Neben einer verbesserten Zufahrt entstanden ein Parkplatz, Umkleiden und ein Restaurant. In den 1950er Jahren kam ein zusätzliches Gebäude hinzu, das 2010 durch einen Brand zerstört wurde. Nach der Schließung 2007 verfiel das Gelände, bis 2016 erste Revitalisierungsmaßnahmen einsetzten. 2018 wurde das Bad mit provisorischer Infrastruktur wiedereröffnet. Im Frühjahr 2020 übernahm der von Mjölk architekti gegründete Verein Lesní koupaliště offiziell die Pacht und Verantwortung für das Areal und leitete eine umfassende Neugestaltung ein.

Eigeninitiative, Fördermittel und Machbarkeitsstudie

Da zunächst keine finanziellen Mittel zur Verfügung standen, wurden erste Maßnahmen in Eigenleistung durch freiwillige Helfer*innen umgesetzt. Der bestehende Imbissstand erhielt einen neuen Anstrich sowie ein markantes Schild, und aus Bauplatten und Latten entstanden provisorische, weiß gestrichene Möbel. Parallel dazu arbeiteten die Architekt*innen an einer Machbarkeitsstudie sowie der Beschaffung von Fördermitteln. Die Finanzierung erfolgte überwiegend über den Bürgerhaushalt der Stadt Liberec sowie durch private Spenden. Nach Erteilung der Baugenehmigung im Mai 2022 wurden zunächst die Fundamente und das Abwassersystem instand gesetzt. Die Bauarbeiten am neuen Hauptgebäude begannen im darauffolgenden Jahr. Zahlreiche Leistungen wurden durch Eigenarbeit oder mit Hilfe privater Unterstützer*innen erbracht. Ein zusätzlicher, einmaliger Zuschuss der Stadt ermöglichte schließlich die Fertigstellung und Eröffnung des Waldschwimmbads im Frühjahr 2025. 

Neubau aus Holz und Stahl

Der Neubau versteht sich nicht als prätentiöses Prestigeobjekt öffentlicher Gelder, sondern als funktionaler und sorgfältig durchdachter Beitrag zur infrastrukturellen Erneuerung des Waldbads. Leitgedanke des Entwurfs war eine klare, reduzierte Formensprache sowie eine strukturierte Gliederung in sinnvolle Bauabschnitte, um bei begrenzten finanziellen Mitteln flexibel auf Bauverzögerungen oder -unterbrechungen reagieren zu können. 

Der Neubau erstreckt sich als linearer Riegel entlang des nördlichen Randes des Geländes. Die Holzrahmenkonstruktion aus CLT-Paneelen folgt den zwei Niveaus der vorhandenen Betonplatte und nimmt von Westen nach Osten die zentralen Funktionsbereiche auf: Lagerraum, WCs, eine Sauna mit Lounge-Bereich sowie einen Kiosk. 

Der schneeweiße Baukörper wird von einer türkis lackierten, abgerückten Stahlkonstruktion gefasst, die ein leichtes Dach trägt und Schutz vor Regen und direkter Sonneneinstrahlung bietet. Im tieferliegenden Bereich, der durch das Geländegefälle eine größere Raumhöhe aufweist, sorgen arkadenartige Fassadenelemente aus weiß gestrichenem Holz für zusätzlichen Sonnenschutz. Auf der Stahlstruktur montiert, wirken sie fast wie eine Kulisse – funktional und atmosphärisch zugleich. Unter dem Dach und dem Funktionsriegel vorgelagert, befinden sich Schließfächer, Umkleiden und Außenduschen. Eine sechsstufige Treppe verbindet die beiden Ebenen miteinander. Vor dem Kiosk lädt ein großzügig überdachter Terrassenbereich zum Verweilen ein.

Duschen unter freiem Himmel

Zwei Außenduschen im Bereich der Umkleiden sowie drei weitere hinter dem Gebäude ermöglichen eine schnelle Erfrischung und dienen der hygienischen Reinigung vor oder nach dem Baden. Der rückseitige Duschbereich ist direkt an die Sauna angebunden und bietet Abkühlung nach dem Schwitzbad. Ergänzt wird das Angebot durch ein kleines Eisbecken, das zur Kreislaufanregung beiträgt. Außenduschen sind fest installierte Duscheinrichtungen im Freien, die über das Trinkwassernetz oder alternativ gespeist werden. In öffentlichen Anlagen wie hier erfolgt die Wasserzufuhr meist über Druckknöpfe oder Hebelarmaturen; das abfließende Wasser wird über Rinnen oder Gitterroste in das Abwassersystem eingeleitet. Die Konstruktion ist witterungsbeständig und auf intensive Nutzung im Außenraum ausgelegt.

Funktionsweise des Beckens und Hochwasserschutz

Das große Schwimmbecken wird durch einen natürlichen Zufluss aus einem Bach gespeist. Zur Sicherung der Anlage vor plötzlichen Hochwasserereignissen – insbesondere bei Starkregen – verfügt das Bad über ein Umleitungssystem. Zwei Zuflussleitungen aus einem oberhalb gelegenen Speicherbecken können bei drohendem Unwetter über ein manuelles Ventilsystem geschlossen und umgeleitet werden. Das Wasser wird dann über ein unterirdisches Rohrsystem vorbeigeführt und gelangt nicht ins Becken.

Nächste Schritte für das Gelände

Mit dem neuen Waldbad ist ein zeitgemäßer Freizeit- und Erholungsort entstanden, der die wesentlichen Infrastrukturelemente zum Baden sowie eine Sauna für die Nutzung in den kälteren Monaten vereint. Weitere Maßnahmen sind bereits in Planung – darunter ein Wasserspielbereich für Kinder und ergänzende Sport- und Freizeitangebote. Die Entwicklung des Areals ist noch nicht abgeschlossen, sondern bleibt ein fortlaufender und partizipativer Prozess. -sms

Bautafel

Architektur: Mjölk architekti, Liberec, Tschechien 
Projektbeteiligte: Jiří Janďourek und Jiří Bliml (Projektkoordination seitens der Stadt); 1ku1 (Generalunternehmer); Milan Šulc von REAL engineering (Bauaufsicht); Booba (Lichtplanung); Houška OK (Stahlbau); Marma Liberec (Fenster und Türen); Topeni plus (Heiztechnik)
Bauherr*in: Stadt Liberec
Fertigstellung: 2025
Standort: U Koupaliště 536, 460 14, Liberec, Tschechien
Bildnachweis: BoysPlayNice (Fotos); Mjölk architekti, Liberec (Pläne)

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