Visiting. Inken Baller & Hinrich Baller, Berlin 1966-89

Philosophisches Institut der Freien Universität Berlin: Schalungsarbeiten und Guss der Betonschale des Daches
Wohnhäuser Fraenkelufer 26, 38 und 44: Der Innenhof ist zu einem Biotop in der Stadt geworden.
Wohnhäuser Fraenkelufer 26, 38 und 44: Pflanzen und auskragende Balkone verschatten im Sommer die Fassade.

Visiting. Inken Baller & Hinrich Baller, Berlin 1966-89

Urban Fragment Observatory (Hrsg.)

Park Books, Zürich 2025
544 Seiten, 147 Farb- und 322 Schwarzweißabbildungen
Format 17 x 24 cm, Softcover
in Deutsch oder Englisch

Preis: 48 EUR

ISBN 978-3-03860-427-3 (Deutsch); 978-3-03860-428-0 (Englisch)

Schlanke, Leichtigkeit versprühende Tragwerke, großzügige Balkone und vielfältige Raumbeziehungen kennzeichnen die Bauten, die Hinrich und Inken Baller in den 1970er- und 1980er-Jahren schufen. Man sieht es ihnen nicht an, doch die meisten von ihnen sind unter den engen Vorgaben des sozialen Wohnungsbaus entstanden. Das Kollektiv Urban Fragment Observatory (ufoufo) hat die Bauten erkundet und zeigten sie in der Ausstellung Visiting. Inken Baller & Hinrich Baller, Berlin 1966-89. Der dazugehörige Katalog war schnell vergriffen, Mitte 2025 erschien nun eine überarbeitete Neuauflage.

Lange hat es gedauert, bis die Architektur von Hinrich und Inken Baller mit einer Ausstellung gewürdigt wurde. Dass es ausgerechnet jetzt dazu kam, ist angesichts der aktuellen Forderungen nach mehr Modulbau überaus erstaunlich. Die Gebäude des Duos widersprechen vielen Annahmen, was sozialer Wohnungsbau zu sein hat: Ihre geschwungenen Tragwerke, unkonventionellen Grundrisse und die räumliche Großzügigkeit fallen aus dem Rahmen. Sie sind ausgezirkelt, doch zugleich reich an funktionsoffenen Nischen. Vielfache Übergangszonen und der starke Einbezug von Pflanzen und Topografie lassen Lebensräume außerhalb der Wohnungen entstehen, irgendwo zwischen Stadt und Garten.

Ufoufo besuchte die derzeitigen Bewohner*innen und machte Fotos von der lebendigen und bewohnten Architektur, die den Kern des Katalogs bilden. Gemeinsam mit Archivmaterial, Originalplänen und Aufsätzen bringen sie den Facettenreichtum der Gebäude zum Ausdruck. Zu lesen ist etwa, was die Architekturschaffenden zu ihren Entwurfsansätzen und zur damaligen Baupraxis sagen oder welche Qualitäten die Nutzer*innen schätzen. Christian Kloss analysiert, wie sich die Restriktionen des sozialen Wohnungsbaus West-Berlins im Zusammenspiel mit schwierigen Grundstücken auf den Erfindungsreichtum des Büros Ballers auswirkten. Turit Fröbe ordnet die Bauten in die Planungsströmungen der Berliner 1980er-Jahre ein und erklärt, was die Internationale Bauausstellung 1987 (IBA ‘87) so bedeutsam für die heutige Stadt macht.

Mit dem Ausstellungskatalog setzten Ufoufo nicht nur der Architektur von Hinrich und Inken Baller ein Denkmal. Er dokumentiert zugleich, dass selbst unter schwierigen rechtlichen, räumlichen und finanziellen Bedingungen ein sozialer Wohnungsbau möglich ist, der Luft zum Atmen lässt.

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Bei einer Trägerwandschalung werden standardisierte Elemente zu individuellen Schalungen montiert.

Bei einer Trägerwandschalung werden standardisierte Elemente zu individuellen Schalungen montiert.

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