Video: Beton zerlegen

Dokumentation des Online-Seminars von Architects for Future Zürich und Charlotte Bofinger

Welche Chancen bietet die Betonwiederverwendung, wenn ein Abriss nicht zu verhindern ist? Das ist eine der Fragen, die Charlotte Bofinger umtreiben. Die Bauingenieurin für Wiederverwendung arbeitet im Planungsbüro Zirkular und engagiert sich darüber hinaus bei Architects for Future Deutschland (A4F) und beim Rethink Materials Kollektiv. Ihr Wissen vermittelt sie im Online-Seminar Beton zerlegen, das 2022 von der Züricher A4F-Ortsgruppe organisiert und von Hans-Christian Rufer moderiert wurde.

Zirkular hat sich zum Ziel gesetzt, die Wiederverwendung massentauglich zu machen. Das Planungsteam ergänzt eine Familie von heute insgesamt vier Büro, die alle an Bestandstransformationen arbeiten: Unterdessen, Denkstatt sarl und Baubüro in situ. Charlotte Bofinger beginnt das rund einstündige Seminar mit einer Präsentation, bei der sie die Motive für den Betonerhalt und die Wiederverwendung auf den Punkt bringt und ausführlich über die Untersuchung der Triemli-Personalhäuser in Zürich spricht. In der zweiten Hälfte beantwortet die Bauingenieurin Fragen der Zuschauer*innen, etwa zur Ökobilanz der Demontage und zur Nachfrage nach rückgebauten Betonfertigteilen.

Beton und die Bauwende

Zwei entscheidende Aufgaben sieht die Bauingenieurin vor sich: die Dekarbonisierung der Bauindustrie und die Schaffung einer Kreislaufwirtschaft. Es geht also darum, einerseits den CO2-Ausstoß massiv zu reduzieren und andererseits Abfall zu vermeiden und die mit der Bauteilproduktion verbundenen Emissionen (graue Emissionen) zu sichern. Beides spricht für die Wiederverwendung von Beton. Verglichen mit Recyclingbeton ist viel weniger neuer Zement nötig und auch die Bewehrung muss nicht eingeschmolzen und neu geformt werden. Zugleich betont Charlotte Bofinger, dass Recyclingbeton aber dennoch Ressourcen schone, etwa weil keine Flüsse ausgebaggert werden müssten.

Beton-Wiederverwendung am Beispiel der Triemli-Personalhäuser

Um den Abriss der Hochhäuser des Stadtspitals Zürich gibt es schon lange Diskussionen. Zwischenzeitlich sind in die 750 Zimmer temporär Geflüchtete und Senior*innen eingezogen. Im Auftrag des Hochbaudepartments der Stadt Zürich analysierte Zirkular die Bausubstanz und holte sich anschließend weitere Expertise dazu: Angelika Mettke, Professorin am Arbeitsgebiet Bauliches Recycling der BTU Cottbus, das Structural Xploration Lab der EPFL (siehe Tipps zum Thema) und das Rückbauunternehmen Eberhard. In ihrer Präsentation berichtet Charlotte Bofinger von der Bestandsanalyse und zeigt auf, welche Abläufe es für die interdisziplinäre Zusammenarbeit beim Bauen mit wiederverwendeten Betonteilen braucht.

Wenige Monate nach dem Online-Seminar, im Sommer 2022, führte die ZAS* (Zürcher Arbeitsgruppe für Städtebau) den Ideenwettbewerb Stadthotel Triemli durch. Dabei waren interessierte Architekt*innen und Bauingenieur*innen aufgefordert, mit den Tiremli-Bauteilen neue Gebäude zu entwerfen. Im Oktober 2023 wurde der Jurybericht veröffentlicht (siehe Surftipps).

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Wiederverwendung unmöglich: Anstatt sie behutsam rückzubauen werden viele Betongebäude mit der Abrissbirne zerstört, wie 2018 bei der Oberpostdirektion Hamburg (Post-Pyramide) geschehen.

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