Vergänglicher Raum

Pavillon für ein Architekturfestival in Granada

Im Jahr 2022 initiierte das spanische Ministerium für Verkehr, Mobilität und urbane Agenda (Ministerio de Transportes, Movilidad y Agenda Urbana) das Architekturfestival TAC!, das fortan alljährlich in ausgewählten spanischen Städten rund um einen eigens errichteten temporären Pavillon stattfinden soll. Dadurch sollen einerseits zeitgenössische, innovative und experimentelle Architektur gefördert und andererseits ein offener Raum für Dialog geschaffen werden, in dem sozialer Austausch und kulturelle Aktivitäten stattfinden können.

Verwendet wurde ein multidirektionales Stahlgerüst mit einem Durchmesser von 48 Millimetern
Die Installation nach einem Entwurf von P+S Estudio de Arquitectura befand sich an der Plaza del Humilladero in der südspanischen Stadt Granada.
Zahlreiche Menschen strömten während der einmonatigen Festivaldauer zum temporären Veranstaltungsort rund um den Pavillon AIRE.

Die erste Ausgabe des Festivals gastierte in Granada im Süden des Landes, wo zwischen dem 14. Oktober und 14. November 2022 auf der Plaza del Humilladero ein Pavillon namens AIRE vom Büro P+S Estudio de Arquitectura ins Zentrum des Geschehens rückte. Die Auswahl des Entwurfs für den temporären Veranstaltungsort ging zuvor aus einem internationalen Wettbewerb hervor.

Die Madrider Architekt*innen wählten drei Komponenten und Materialien als grundlegende Elemente ihres Entwurfs. Die äußere Struktur bestand aus einem Stahlgerüst, das als offenes, quaderförmiges Volumen das sichtbare Tragwerk der Installation bildete. Darin eingehängt war eine zeltförmige Hülle aus widerstandsfähigem Hessian-Textil. Schließlich wurden Bruchsteine aus der Sierra Elvira als stabilisierende Gewichte auf die untere Gerüstplattform sowie als Stadtmöblierung rund um den Pavillon verteilt.

Ein Zeichen für Regionalität, Handwerk und Materialkreislauf
Der Entwurf zielte bewusst darauf, Motive der Vergänglichkeit, des Halbfertigen, des Fragilen und Immateriellen zu vermitteln. Er stand zudem für Modularität und industrielle Systembauweisen. Durch seine Ähnlichkeit zu einem Gerüst, das nach einer bestimmten Zeit wieder rückgebaut wird, wurde der temporäre Charakter des Bauwerks hervorgehoben. Das Gewebe sollte das lokale Handwerk symbolisieren und nach Abbau des Pavillons an anderer Stelle im urbanen Raum als Verschattungselement verwendet werden. Je nach Nutzung der Konstruktion – etwa für Konzerte, Tanzveranstaltungen oder als städtischer Treffpunkt – konnten die Planen gerafft werden, wodurch sich der Raum zum Platz hin partiell oder komplett öffnete. Die Steine spiegelten schließlich die Verwendung von regionalen Materialien wider und wurden im Nachgang des Festivals an den Steinbruch ihres Ursprungs zurückgebracht. Im Jahr 2023 findet das TAC! Festival de Arquitectura Urbana in den beiden Städten Valencia und Sevilla statt.

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