Veranstaltungsbereich im The Post Building in London
Textiles Akustiksystem für offenen Grundriss
Das The Post Building entstand durch die Umnutzung einer ehemaligen Royal-Mail-Sortieranlage im Westend von London. Der ursprünglich im 20. Jahrhundert als großmaßstäbliche Post- und Logistikinfrastruktur errichtete Gebäudekomplex stand nach Aufgabe der Nutzung über rund zwei Jahrzehnte leer. Im Zuge einer umfassenden Transformation durch Allford Hall Monaghan Morris im Jahr 2019 wurde der Bestand zu einem hybriden Stadtbaustein weiterentwickelt, der heute auf 44.000 Quadratmetern Büro-, Einzelhandels-, Wohn- und Gemeinschaftsnutzungen vereint. Ziel der Umnutzung war es, die industrielle Großform zu erhalten und diese zugleich in ein zeitgemäßes, offen strukturiertes Gebäude zu überführen, das eine flexible Nutzung ermöglicht.
Der erhaltene Stahlrahmen blieb im Inneren ablesbar und definiert großzügige, flexible Grundrisse mit großen Spannweiten und sichtbaren Trägerstrukturen. Ergänzende Geschosse und Einbauten verdichten den Bestand, ohne die ursprüngliche Raumhöhe vollständig aufzulösen, wodurch teilweise mehrgeschossige, offene Raumzonen entstehen. Auch der Veranstaltungsbereich im 10. Obergeschoss, der kürzlich durch das Londoner Büro Waverly akustisch optimiert wurde, weist in Teilen die ursprüngliche Geschosshöhe auf, teils ist er in einem zusätzlich eingezogenen Mezzanin untergebracht.
Industrielle Innenraumästhetik
Er zeichnet sich durch einen rohen, industriellen Charme aus. So werden die gebäudetechnischen Leitungen und Kanäle sichtbar unter der Decke geführt und durch eine rote Lackierung in Szene gesetzt. Ebenso sichtbar ist das Traggerüst des Gebäudes in Form von unverkleideten Stahlstützen. In dieses gestalterische Konzept fügt sich auch der Boden aus großformatigen, quadratischen Keramikfliesen ein.
Akustische Herausforderung
Doch gerade diese offene Struktur und die vielen schallharten Materialien erforderten eine ausgeklügelte akustische Optimierung. Dabei stellten die hohen Decken, teils geneigte Dachflächen und bereits vorhandenen akustischen Maßnahmen in Form großer Akustikpaneele für die Fachplaner*innen eine Herausforderung dar.
Textile Akustiklösung
Aufgrund der räumlichen Gegebenheiten entschieden sich die Verantwortlichen für ein flexibles, textiles System, das sich technisch und gestalterisch präzise integrieren ließ. Dessen Kernstück ist eine schalldämmende Membran aus synthetischem Kautschuk, die zwischen zwei Lagen Akustikstoff eingebettet ist. Laut Hersteller erreicht das System mit nur einer Innenlage und zwei Außenlagen eine Schalldämmung von bis zu 23 Dezibel. Ein beige melierter Akustikstoff bindet die textilen Raumteiler optisch in die zurückhaltende Materialität des Innenraums ein.
Installiert wurden zwei manuell betriebene Vorhänge im Mezzaninbereich und zwei motorisierte Vorhänge für die volle Raumhöhe der 10. Etage. Neben der akustischen Wirksamkeit spielte auch die konstruktive Umsetzung eine zentrale Rolle. Akustikvorhänge sind aufgrund ihrer schalldämmenden Eigenschaften deutlich schwerer als andere Vorhangarten. Hersteller und Planer*innen entwickelten daher spezielle Befestigungs- und Schienenlösungen, die Stabilität gewährleisten und zugleich möglichst filigran sind. Eine überlappende Schienenführung an den Wandkanten sorgt zusätzlich für ein ruhiges Gesamtbild.
Bautafel
Architektur: Allford Hall Monaghan Morris, London (Umbau 2019); Waverley, London (Planungs- und Umsetzungspartner für die Vorhanglösung des Veranstaltungsbereiches)
Projektbeteiligte: Création Baumann, Langenthal (Akustiksystem ACOUSTIC DIVIDER VARIO; Akustikstoff MIDNIGHT)
Bauherr*in: keine Angabe
Fertigstellung: 2024 (Akustiklösung Veranstaltungsbereich)
Standort: 100 Museum Street / New Oxford Street, Holborn, London WC1A 1JS, Vereinigtes Königreich
Bildnachweis: Création Baumann, Langenthal