Urin*all

Universelles Design für öffentliche Sanitäranlagen

Auch wenn manchmal unbeliebt, sind Sanitäranlagen aus dem öffentlichen Raum nicht wegzudenken. Nicht selten finden wir die kleinen stillen Örtchen verschmutzt vor, was ihre Nutzung unangenehm oder sogar unmöglich macht. Besonders für Menschen mit Vulva gestaltet sich das herkömmliche Toilettendesign oft unpraktisch und unhygienisch – mangelt es doch an universellen Alternativen. Diese Problematik haben auch die Industriedesignerinnen Leonie Roth und Luisa Tschumi erkannt. Mit ihrem urin*all möchten sie einen Beitrag zu mehr Geschlechtergerechtigkeit im öffentlichen Raum leisten.

Die Industriedesignerinnen Leonie Roth (links) und Luisa Tschumi (rechts)
Nutzungsprinzip: Menschen mit Vulva
Nutzungsprinzip: Menschen mit Penis

Ein Entwurf für alle Geschlechter

Urin*all ist ein wasserloses All-Gender-Urinal, das eine kontaktlose Nutzung unabhängig vom Geschlecht ermöglicht. Roth und Tschumi entwickelten den Prototypen für das Universal-Urinal im Jahr 2022 im Rahmen ihrer gemeinsamen Bachelorarbeit an der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) in Basel. Durch umfassende Formstudien und Versuchsmodelle verfeinerten sie den Entwurf nach dem Prinzip „Form follows Function“ zu einer ergonomisch optimalen Gestaltung: Der vordere Bereich ist für das kontaktlose Urinieren von Menschen mit Vulva ausgelegt, während der hintere Bereich auf die Nutzung durch Menschen mit Penis abgestimmt ist.

Nachhaltige Technologie und Ressourcenschonung

Die glatte Keramikoberfläche ermöglicht eine vollständig wasserlose Nutzung – gebrauchtes Toilettenpapier wird separat entsorgt. Dadurch werden nicht nur erhebliche Mengen Wasser eingespart, sondern auch wertvolle Nährstoffe wie Phosphor, Stickstoff und Kalium aus dem Urin zurückgewonnen – essenzielle Ressourcen für das Pflanzenwachstum. Zusätzlich ist das urin*all im Vergleich zu Modellen mit Wasserspülung pflegeleichter und wartungsärmer. 

Von der Bachelorarbeit in die Produktion

Was als gemeinsames Universitätsprojekt begann, soll nun in die Produktion überführt werden. Seit November 2023 arbeiten die Designerinnen in einer Kooperation mit der Schweizer Urimat AG, einem führenden Unternehmen für nachhaltige Lösungen im Bereich wasserloser Urinale. Die Zusammenarbeit zeigt bereits erste Erfolge: Im Sommer 2024 schlossen Roth und Tschumi einen Produktionsvertrag mit dem Hersteller ab. Läuft alles wie geplant, wird die Produktion des genderneutralen Prototyps Anfang 2025 beginnen, sodass die ersten Urinale voraussichtlich Mitte 2025 auf den Markt kommen können. Ihr urin*all verstehen die beiden Schweizerinnen dabei nicht als Ersatz für bestehende Sanitäranlagen, sondern als Ergänzung, die gesellschaftspolitische Diskussionen anstößt und einen Beitrag zur Geschlechtergleichberechtigung leistet. -sms

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