Urbane Luftfilter
Wie Fassaden Luft reinigen
Können Fassaden dazu beitragen, die Luftqualität in Städten zu verbessern? Dieser Frage gingen die Stiftung Lebendige Stadt, Schüco und die Stadt Köln in einem gemeinsamen Pilotprojekt nach. Der Leitfaden Urbane Luftfilter – Wie Fassaden Luft reinigen dokumentiert die Ergebnisse der wissenschaftlich begleiteten Untersuchung.
An der Volkshochschule in der Kölner Innenstadt wurde eine vorgehängte Textilfassade installiert, die Stickoxide aus der Umgebungsluft abbauen soll. Das Forschungszentrum Jülich untersuchte die Wirksamkeit des Systems zwischen Oktober 2024 und Dezember 2025 unter realen Bedingungen. Zwei Membranen wurden nebeneinander an der nördlichen Stirnseite des Gebäudes angebracht. Sie sind jeweils acht Meter breit und 20 Meter hoch und photokatalytisch beschichtet. Trifft Licht auf diese Oberfläche, werden Stickoxide chemisch umgewandelt. Um die Wirksamkeit zu überprüfen, wurde die Luftqualität vor und hinter der Membran messtechnisch erfasst.
Messbare Filterwirkung
Die Publikation stellt die gemessenen Daten vor und zeigt, welches Potenzial photokatalytische Textilfassaden für die Luftreinhaltung im urbanen Raum bieten. Bei Einzelmessungen wurde eine Reduktion der Stickstoffdioxidkonzentration von bis zu 28 Prozent festgestellt. Dabei zeigte sich ein deutlicher Zusammenhang mit der Tageslichtdauer und der Temperatur: Mit zunehmender Tageslichtdauer und steigenden Temperaturen nahm auch die Filterwirkung zu. Da die untersuchte Fassade nach Norden ausgerichtet ist, könnten bei stärker besonnten Fassaden also noch höhere Werte erreicht werden.
Weitere Funktionen der Gebäudehülle
Neben der Luftreinigung behandelt die Publikation weitere Potenziale des Fassadensystems. Als vorgehängte Konstruktion verschattet die Textilmembran die dahinterliegende Gebäudehülle und kann so zur Verringerung der sommerlichen Wärmeeinträge beitragen. Auch die Materialwahl wird thematisiert: Für die Membran wurden mehr als 4.400 recycelte PET-Flaschen verarbeitet, die Aluminiumunterkonstruktion besteht zu 75 Prozent aus Recyclingmaterial. Auf Klebstoffe wurde verzichtet, um eine spätere Wiederverwertung zu erleichtern.
Aus dem Inhalt
- Warum Städte neue Lösungen brauchen
- Die Anti-NOx-Fassade in Köln
- Wie funktioniert die Anti-NOx-Fassade?
- Vom Forschungsansatz zum Erprobungsprojekt
- Der Härtetest: Warum Köln? Warum eine Nordfassade?
- Was die Messungen zeigen – und was nicht
- Interview mit Wissenschaftler Dr. Jan Serode
- Die Vorteile der Anti-NOx-Fassade
- Fazit – Gebäude als aktive Infrastruktur
Das Pilotprojekt verdeutlicht, wie sich bestehende Fassaden um zusätzliche Funktionen ergänzen lassen. Zugleich liefert die Untersuchung Messdaten zur Wirksamkeit photokatalytischer Textilien im städtischen Straßenraum. Der Leitfaden steht auf der Website der Stiftung als kostenfreies PDF bereit (siehe Surftipps).
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