Umnutzung: Büro in Lenzburg
Zeitgemäße Bürolandschaft in ehemaliger Lagerhalle
Oft siedeln sich bei der Umnutzung ehemaliger Gewerbe- und Industriegebiete hippe Boutique-Hotels, Restaurants und Start-Ups an. So auch im schweizerischen Lenzburg, wo in Bahnhofsnähe das Produktionsareal des Lebensmittelkonzerns Hero umgewandelt wurde: In den historischen Gebäuden liegen jetzt unter anderem das Barracuda Hotel & Brasserie und die Sterneküche des Skin’s – das sich durch übersichtliche, kunstvoll arrangierte Portionen auf übergroßen Tellern auszeichnet. Im Parterre der vormaligen Lagerhallen realisierte Studio Gessaga zeitgemäße Büroräume für das Unternehmen Treuvision.
Das Konzept von Studio Gessaga sieht atmosphärische, flexibel nutzbare Büroflächen vor, die zeitgemäße Bedürfnisse des Arbeitsalltages erfüllen und dabei die industrielle Vergangenheit des Gebäudes sichtbar belassen. Farbe und akustisch wirksame Textilien übernehmen neben Glaselementwänden die Hauptrolle bei der Zonierung der Räumlichkeiten.
Vergangenheit in Farbe
So wurden die Betondecke und die massiven Betonstützen in ein tiefes Indigo-Blau getaucht. Die offen unter der Decke geführte Gebäudetechnik erhielt denselben Anstrich und ist weiterhin sichtbar, nimmt aber keine dominante Rolle ein. Im Kontrast zur dunklen Decke ist der Boden mit hellgrauem, trittschalldämmendem Kautschuk belegt. Wände, Einbauschränke und Schreibtische sind weiß. Doch so zurückgenommen bleibt das Farbkonzept nicht: In der Küche kommen farngrüne Schränke sowie gelbe Sitzmöbel hinzu. Für den Konferenzraum entwarfen die Designer*innen einen langen Tisch mit runden Kopfenden aus Arvenholz, dessen Duft Konzentration, aber auch Entspannung fördert. Tischbeine in einem dunklen Rotton bilden einen Komplementärkontrast zu den tannengrünen Holzstühlen.
Textilien für flexible Nutzungen
Um das Videostudio, das der Aufzeichnung von Tutorials dient, im Alltag auch als Besprechungsraum oder Lounge nutzen zu können, bedarf es einer flexiblen Lösung ohne trennende, bauliche Strukturen. Das Planungsteam entschied sich für einen an Schienen unter der Decke geführten akustisch wirksamen Vorhangstoff, mit dem der Raum in Sekunden abgeschirmt werden kann und dabei zugleich eine wohnliche Atmosphäre erhält. Das dreilagige Textil erzielt eine Schallreduktion von 23 Dezibel. Die äußere Lage besteht aus einem ockergelben Vorhangstoff mit einem Schallabsorptiongrad αw von 0,80. Die innere Lage ist akeleirosa und verfügt über dieselben Eigenschaften. Zwischen beiden Stoffen befindet sich eine Kautschukmembran. Mit seiner matten Oberfläche und weichen Haptik setzt der Akustikvorhang einen freundlichen, warmen Akzent.
Im Wartebereich kommt ein weißer Akustikstoff zum Einsatz, mit einem etwas geringeren Schallabsorptionsgrad αw von 0,55. Ein drittes, ebenfalls weißes Textil findet sich im Meetingraum. Hier reicht ein Schallabsorptionsgrad αw von 0,35, da zusätzlich Deckensegel den Raumklang optimieren. Auch über den Arbeitsplätzen finden weiße Akustiksegel Verwendung, die wie Wolken vor dem blauen Deckenhimmel schweben.
So entstand ein Arbeitsumfeld, das Funktionalität, gestalterische Klarheit und das industrielle Erbe des Bestands auf zeitgemäße Weise vereint.
Das Projekt wurde 2025 mit dem 1. Preis beim internationalen Architektur-Award Best Workspaces des Callwey Verlags ausgezeichnet.
Bautafel
Architektur: Studio Gessaga, Zürich
Projektbeteiligte: Création Baumann, Langenthal (Akustikstoffe; verwendete Produkte: SPORT II , Udine, BASIC V UN)
Bauherr*in: TreuVision AG, Lenzburg
Fertigstellung: 2023
Standort: Dammweg 17, 5600 Lenzburg, Schweiz
Bildnachweis: Pierre Kellenberger