Umbau und Erweiterung: Shiroiya Hotel in Maebashi

Japanische Gastlichkeit

In der japanischen Präfektur Gunma blickt die Stadt Maebashi auf eine bewegte Geschichte zurück: Als Seidenproduktionsstätte trug das industrielle Zentrum einst maßgeblich zur Modernisierung Japans bei. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde die großflächig zerstörte Innenstadt mit schmucklosen Betonbauten wiederaufgebaut, viele davon stehen heute leer. Mit dem Entwurf für das Shiroya Hotel in einem der verwaisten Bauten lieferten Sou Foujimoto Architects ihren Beitrag zu einem ambitionierten Stadtsanierungsprojekt, mit dem seit einigen Jahren die vernachlässigte Innenstadt wiederbelebt werden soll.

Der Bestandsbau wirkt von außen schlicht, wurde aber entkernt und mit einem spektakulären Atrium versehen.
In den Kunsthügeln sind Hotelzimmer untergebracht – Kunst und eine finnische Saune in Miniaturhäuschen darauf.
Vom Bestand übrig blieb im Atrium die Stahlbetonskelettstruktur, Außenwände und Dach.

Bereits seit mehr als 300 Jahren waren an diesem Ort im sogenannten Shiroiya Ryokan Gäste bewirtet worden. Dabei handelte es sich um eine typische japanische Herberge mit puristischer Innenraumgestaltung bestehend hauptsächlich aus Tatami-Matten und wenig Möbeln. Um diese Tradition japanischer Gastlichkeit fortzuschreiben, griff das Architektenteam zu drastischen Mitteln: Für die Schaffung eines riesiges Atrium wurden innenliegende Wände und Decken des Bestandsgebäudes entfernt, übrig blieb die Stahlbetonskelettstruktur.

Die Kunst der Inszenierung

Heute befindet sich hier die zur Straßenseite geöffnete und durch große Oberlichter belichtete Lobby. Inszeniert ist dieser Innenraum wie ein Stadtraum. Dazu tragen Ziegelpflastersteine, Topfpflanzen und eine Installation aus Leuchtröhren des argentinischen Künstlers Leondro Ehrlich bei, die sich um die Betonpfeiler und Balken herumwindet. Die in Drehungen, Überkreuzungen und Abzweigungen ausgeführten Treppen sind den Wegen einer Stadt nachempfunden.

Green Tower

Den entkernten Bestandsbau – heute als Heritage Tower bezeichnet – erweitert ein vollkommen gegensätzlicher rückwärtiger Anbau: Der Green Tower ist in seiner Gestaltung durch das Flussufer inspiriert, das hier einst verlief und sieht aus wie ein künstlicher Hügel. Seine Stahlbeton-Außenhaut ist vollständig begrünt. Aus der flächigen niedrigen Bepflanzung ragen mehrere Bäume empor. Bestückt ist diese Landschaft im Miniaturformat mit weißen Steildachhäuschen, in denen Kunst und eine finnische Sauna untergebracht sind.


Innengestaltung

Die 25 Gästezimmer des Green Towers verfügen über eigene Balkons und sind, wie die Rezeption und die zwei Restaurants mit zahlreichen Kunstwerken und Designobjekten bestückt. Unterstützt wurde das Planungsbüro in der Gestaltung der Innenräume durch den Textildesigner Yoko Ando und den Innenarchitekten Tomomi Nagayama. Zusätzlich sind im Heritage Tower vier Gästezimmer von namhaften Designern und Architekten gestaltet, darunter Jasper Morrison, Michele de Lucchi, Leandro Ehrlich und von Sou Fujimoto selbst.

Bautafel

Architektur: Sou Fujimoto Architects, Tokyo / Paris
Projektbeteiligte:  Ishii Sekkei (Statik und Haustechnik); Jasper Morrison, Michele de Lucchi, Leandro Erlich (Gästezimmergestaltung); Lightdesign (Lichtdesign); Yoko Ando (Textildesign); Tomomi Nagayama (Koordination Innenausstattung), Esquisse (Restaurantdesign); Solso (Gründachbepflanzung); Fuyuki Kogyo Corporation (Generalunternehmer)
Bauherr/in privat
Fertigstellung: 2020
Standort:
Maebashi, Präfektur Gunma, Japan
Bildnachweis: Katsumasa Tanaka, Daici Ano, Tomoyuki Kusunose

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