Umbau: Studierendenwohnheim Residence Bertelotte in Paris

Fassade als strohgedämmte Holzrahmenkonstruktion

Die Umnutzung bestehender Gebäude und ein verstärkter Einsatz nachwachsender Rohstoffe tragen wesentlich dazu bei, den Bausektor klimafreundlicher und ressourcenschonender zu gestalten. Architektonisch beispielhaft ist der Umbau eines Bürogebäudes zum Studierendenwohnheim in Paris, bei dem die ortsansässigen NZI Architectes auf biobasierte Materialien wie Holz und Stroh setzten.

Die Gemeinschaftsräume sind einem begrünten Innenhof zugewandt (Ansicht von Süden).
NZI Architectes trennten die beiden Gebäudeteile des ehemaligen Bürohauses: So ließen sich Fenster zu allen Seiten realisieren.
Der kleinere Gebäudeteil ist an der Südseite zurückgebaut und um ein Staffelgeschoss erhöht.

Umbau eines Bürogebäudes der 1970er Jahre

Die Résidence Bertelotte befindet sich im Südwesten von Paris, im 15. Arrondissements an der Rue du Colonel Pierre Avia. Zur Nachbarbebauung gehören mehrgeschossige Bürogebäude und Hotels sowie im Norden und Westen weitläufige Sportanlagen, Grünflächen und ein Erlebnisbad. Auf dem Grundstück stand ein 4.400 Quadratmeter großes Bürohaus der 1970er Jahre. Im Auftrag von Paris Habitat, einem der größten gemeinnützigen Wohnungsanbieter der Stadt, wurde im Jahr 2015 ein Wettbewerb zur Umnutzung des Gebäudes ausgeschrieben, den NZI Architectes für sich entscheiden konnten.


Aufgliederung, Entkernung und Ergänzung

Das Bürohaus bestand aus zwei Gebäudeteilen mit einem zentralen, verglasten Erschließungsbereich und einem gemeinsamen Kellergeschoss. Der Bestand wurde entkernt, die tragende Struktur aus Stahlbeton blieb bestehen. Das gläserne Atrium wurde entfernt. So blieben zwei Volumen, verbunden durch Laubengänge. Der kleinere, zuvor dreigeschossige Gebäudeteil wurde an der Südseite zurückgebaut und um ein Staffelgeschoss erhöht. Der Eingang gen Osten ist der Straße zugewandt. Der größere, viergeschossige Gebäudeteil schließt zurückversetzt in westlicher Richtung an. Im Untergeschoss sind beide durch einen verglasten Gang entlang eines Innenhofes, in den Obergeschossen durch Stege verbunden.


Fenster rundum, grüner Hof und Dachterrasse

Insgesamt hat das viergeschossige Studierendenwohnheim 139 Zimmer. Auf jeder Etage gibt es ein behindertengerechtes Apartment sowie eine Zweizimmerwohnung. Zur Ausstattung der rund 20 Quadratmeter großen Apartments gehören ein kleines Bad, ein separates WC, ein Bett, ein Schreibtisch, ein Kleiderschrank und eine Küchenzeile. Durch die Trennung der Gebäudeteile ließen sich allseitig Fenster anordnen, sodass viel Tageslicht in die Zimmer gelangt. Zu dem neuen begrünten Innenhof im Untergeschoss richten sich die Gemeinschaftsräume. Eine bepflanzte Terrasse auf dem Dach des größeren Gebäudeflügels ergänzt das gemeinschaftliche Raumangebot.


Fassade als Holzrahmenkonstruktion mit Strohdämmung

Die Fassade ist eine Holzrahmenkonstruktion mit einer Dämmung aus regional erwirtschaftetem Stroh. Angepasst an das Raster des Bestands wurden die Holzrahmen mit den Gefachen für das Stroh im Werk vorgefertigt. In Handarbeit wurden die 36 cm starken Strohballen in die Gefache der Holzkonstruktion gefüllt. Verschlossen ist der Holzrahmen mit Gipsfaserplatten zum Innenraum und Platten aus Holzwolle seitens der hinterlüfteten Fassade. Insgesamt ließen sich 70 Prozent der 3.100 Quadratmeter Fassadenelemente vorfertigen. Aufgrund der trockenen Bauweise ermöglichen die vorgefertigten Holzwände mit Strohdämmung eine vergleichsweise leise und saubere Baustelle.


Die Hohlräume zwischen dem unregelmäßigen Bestand und den neuen, vorgefertigten Elementen sind mit Steinwolledämmung ausgefüllt. Während der straßenseitige Baukörper eine hinterlüftete Fassade aus Lärchenholz aufweist, ist das zurückliegende Gebäude weiß verputzt. Die Fenster wurden vor Ort eingebaut. Durch die Bauweise mit Holz und Stroh ließ sich ein beinahe doppelt so hoher Wärmedurchgangswiderstand erreichen wie bei einer herkömmlich gedämmten Fassade: 9 W/m²K anstatt 5 W/m²K. Die verwendeten Materialien sind schnell verfügbar, preisgünstig und leicht.

Bautafel

Architektur: NZI Architectes, Paris
Projektbeteiligte: Bouygues Construction, Paris (Holzbau); EVP Ingénierie, Paris (Statik)
Bauherr*in: Paris Habitat, Paris, Les Crous, Paris
Fertigstellung: 2021
Standort: 28 Rue du Colonel Pierre Avia, 75015 Paris, Frankreich
Bildnachweis: Juan Sepulveda Grazioli, Alexis Toureau

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Die Holzkonstruktion dieses Wohnhauses ist ein kombinierter Skelett- und Holztafelbau (Baugruppenprojekt 3XGrün in Berlin, 2011; Architektur: IfuH - Institut für urbanen Holzbau, Atelier PK, Roedig Schop Architekten, Rozynski Sturm Architekten).

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Holzbausysteme

Tafelbau/Rahmenbau

Holzkonstruktionen erlauben eine weitgehende Vorfertigung großer Bauteile, die dann auf der Baustelle in kürzester Zeit montiert werden können (im Bild: Holzhaus Lynarstr., geplant von Schäferwenningerprojekt, Berlin).

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