Umbau: Kindergarten Gyöngyszem in Budapest

Spielräume im doppelten Sinn

Im Nordosten von Budapest, eingebettet zwischen zehngeschossigen Wohnscheiben aus den späten 1970er-Jahren, liegt der Kindergarten Gyöngyszem. Der ursprünglich eingeschossige Plattenbaupavillon mit zentralem Korridor wies einige Mängel auf: zu kleine Räume, kaum Gemeinschaftsflächen, schlechte Erschließung und fehlende Barrierefreiheit. Unter der Leitung von Archikon Architects wurden der Flachbau 2024 saniert und aufgestockt. Für passive Kühlung sorgt eine leichte, gerüstartige Verschattungskonstruktion, mit Sonnensegeln als Überkopfverschattung.

Die Ostseite prägt ein filigraner Vorbau aus Stahl und PVC-Folie.
Die massiven Verbindungsbauten wichen verglasten Fugen.
Das Gebäude wurde gedämmt und roséfarbenen verputzt.

Tragwerk und Hülle: Aufstockung mit Bestandserhalt

Ursprünglich bestand der Kindergarten aus vier aneinandergereihten, pavillonartigen Baukörpern, die jeweils einen Gruppenraum beherbergten. Die Pavillons waren durch einen mittig verlaufenden Flur verbunden, der vor allem der Erschließung diente und kaum Aufenthaltsqualität bot. Die Grundstruktur mit einem Tragwerk aus Betonfertigteilen blieb erhalten, wurde statisch ertüchtigt und um ein zweites Geschoss aufgestockt. Zwischen den Pavillons entstanden zweigeschossige, großzügig verglaste Verbindungszonen mit Galerien, die den Blick zwischen den Etagen öffnen und den Kindern als Spielzonen bereitstehen.

Die Fassade erhielt eine neue Wärmedämmung und großflächige Fenster, die den Innenräumen deutlich mehr Tageslicht geben. Außen prägt ein heller, leicht roséfarbener Putz das Erscheinungsbild, kombiniert mit olivgrünen Fenster- und Türrahmen. Auf dem Dach sorgt eine extensive Begrünung für zusätzlichen Wärmeschutz, Regenwasserrückhalt und neue Habitate für Pflanzen und Tiere. Durch die hinzugekommenen Oberlichter erreicht das Tageslicht nun auch tiefer liegender Bereiche. Einige Dachfenster sind mit filigranen Holzlamellen ausgestattet, um den direkten Sonneneinfall zu reduzieren.

Eingang: Kunst am Bau und neuer Ankunftsbereich

Der Haupteingang wurde auf die Westseite verlegt, wo ihn ein farbenfrohes Fassadenbild aus Emaille-Paneelen markiert. Mit seinem aus Halb- und Viertielkreisen zusammengesetzten Muster kann es als Reminiszenz an die Erbauungszeit des Bestands gelesen werden. Innen öffnet sich ein neues Foyer, das von einer imposanten, halbkreisförmig emporsteigenden Treppe geprägt wird. Im Mittelpunkt – dem Bereich, um den sich die Treppe windet – wächst ein Bäumchen. Weitere Aufgänge befinden sich in Form von filigranen Stahltreppen in den verglasten Verbindungsbauten.

Innenräume: Bewegung, Kreativität und gesunde Lebensweise

Neben den zehn Gruppenräumen gibt es Räume für Bewegung, kreatives Arbeiten und gemeinsames Kochen. Die doppelgeschossigen Spielflure dienen zugleich als Foyers und Bewegungszonen: Treppen sind hier nicht nur Verbindungselemente, sondern auch Spielobjekte mit Podesten, Kletterflächen und Öffnungen zum Hindurchkriechen. Materialien und Farben sind kindgerecht gewählt: Holzoberflächen in Garderoben und Spielbereichen sorgen für Wärme und angenehme Haptik, neutrale Grundtöne werden durch rötliche Bodenbeläge und Möbelelemente ergänzt. Netzbespannungen an den Galerien bieten Sicherheit, ohne den offenen Charakter einzuschränken.

Außenräume: Natur als Mitspieler

Der Kindergarten liegt an einer begrünten Promenade mit angegliedertem Park mit altem Baumbestand, der erhalten und in die Planung integriert wurde. Die Bäume spenden nicht nur Schatten, sondern tragen auch zu einem angenehmen Mikroklima bei. Pflanzflächen mit blühenden Stauden und Wildblumen begleiten die Wege und schaffen jahreszeitliche Vielfalt. Vor dem Haupteingang markieren gelbe Sitzbänke den Vorplatz.  Schattige Plätze unter den Baumkronen, sonnige Wiesen und überdachte Terrassen direkt vor den Gruppenräumen bieten verschiedene Spielzonen.

Sonnenschutz: Segelkonstruktion aus Stahl und PVC-Membranen

Der auffälligste Sonnenschutz befindet sich an der Ostseite des Gebäudes, wo die großflächigen Gruppenraumfenster der Morgen- und Vormittagssonne ausgesetzt sind. Hier setzten die Architekt*innen ein zweigeschossiges Raumgitter aus extrem dünnen Stahlprofilen vor die Fassade. An der Konstruktion sind Sonnensegel aus PVC-Folie befestigt sind.

Obwohl es von weitem so scheint, hängen die Membranen nicht durch: Ein mittig gesetzter, kurzer Stahlstift drückt das Tuch an der Vorderkante nach unten, sodass eine geneigte Furche entsteht. Diese ermöglicht einerseits eine effiziente Entwässerung, andererseits erzeugt sie die markante Wellenlinie, die sich in der Ansicht ergibt. Das Auf-und-Ab der Sonnensegel und die filigrane Stahlstruktur rhythmisieren die Fassade und betonen die horizontale Ausrichtung des zusammengewachsenen Baukörpers.

Die Segel reduzieren den direkten Wärmeeintrag und verhindern Blendungen, lassen dabei aber ausreichend diffuses Tageslicht in die Innenräume. Zugleich überdachen sie die Spielflächen vor den Gruppenräumen. In Kombination mit dem dichten Baumbestand bildet das System einen passiven, mehrschichtigen Sonnen- und Witterungsschutz, der den Energiebedarf für die Gebäudekühlung minimiert. Ergänzend dazu sind die Glasfronten der verglasten Verbindungsbauten mit außenliegenden, olivgrünen Außenrollos ausgestattet, die zusätzlichen Blendschutz bieten. Einige der neu eingebauten Oberlichter sind innen mit Holzlamellen versehen, um auch hier den direkten Sonneneinfall zu filtern.

Bautafel

Architektur: Archikon Architects, Budapest
Projektbeteiligte: ÉKI Terv Mérnökiroda, Budapest (Tragwerksplanung); PHQ Épületgépészeti Mérnökiroda, Budapest (Haustechnik); AP-Lightworks, Budapest (Elektroplanung); Fireeng, Budapest (Brandschutz); Miskolczy EnergiaTerv, Budapest (Gebäudeautomation/RFID)
Bauherr*in: Mayor’s Office, 13. Bezirk Budapest
Fertigstellung: 2024
Standort: Gyöngyösi Promenade 5, 1138 Budapest
Bildnachweis: Balázs Danyi, Balázs Koch (Fotos); Archikon Architects, Budapest (Pläne)

Fachwissen zum Thema

Seit jeher in sonnigen Regionen anzutreffen: Pergola, Spalier und andere Formen von Rankgerüsten bieten rankenden Pflanzen wie Weinlaub einen Unterbau und schützen Terrassen und Außenwände.

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Arten und Formen

Natürlicher Sonnenschutz

Regendichtes Sonnenschutzsegel aus dem Textil Soltis W96 beim United Nations Recreation Center in Nairobi. Architektur: BAA Architects, Nairobi

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Textilien

Sonnensegel

Horizontale Sonnensegel zur Verschattung von Außenflächen.

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Textilien

Textiler Sonnenschutz

Außen liegende Textilien müssen schwerentflammbar und witterungsbeständig sein.

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Materialien

Textilien und Membranen

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