Umbau eines Schafstalls zum Wohnhaus in Gütersloh

Wände aus Ziegeln, Schilfrohrmatten und Lehmputz

Es war einmal ein Gehöft bei Gütersloh, das vor über 250 Jahren erbaut worden ist und alles hatte, was zu einem Bauernhof gehört. Ganz so märchenhaft hat sich dessen Geschichte leider nicht durchgängig fortgesetzt, denn Leerstand, Verfall und ein Brand des Hauptgebäudes schädigten es nachhaltig. Übrig blieben die Stallanlagen und eine Scheune – erhaltenswert, aber in einem maroden Zustand. Eine glückliche Wendung nahm die Geschichte, als die restlichen Gebäude nach Plänen von Spooren Architekten aufwendig saniert und zu Wohnzwecken umgebaut wurden. Heue erstrahlen sie in neuem Glanz. Umgesetzt wurden die Arbeiten von spezialisierten regionalen Handwerksbetrieben.

Der historische Schafstall von 1751 bietet nun 300 Quadratmeter Wohnfläche. Die doppelte, sogenannte Deelendurchfahrt mit zwei Torbögen konnte in der Ansicht erhalten werden
Die behutsam ergänzte Dachgaube auf der Südseite ist ein Zugeständnis an die heutige Nutzung
Eine zurückgesetzte Glasebene lässt die historischen Torbögen zur Geltung kommen

Den neuen Mittelpunkt des Hofes bildet der historische Schafstall, ein im Grundriss dreiteiliger Fachwerkbau von 1751. Charakteristisch für die Nutzung und Bauzeit sind neben dem hohen Natursteinsockel zwei nebeneinander liegende Durchfahrten mit hölzernen Torbögen auf beiden Seiten des Hauses. Aufgrund dieser doppelten, sogenannten Deelendurchfahrt bekam der ehemalige Stall im Zuge der Planungen auch Denkmalstatus. Für die Wohnnutzung behielten die Architekten die vorgefundene Raumstruktur des eingeschossigen Baus mit  Dachgeschoss weitgehend bei. Die vorhandenen Fachwerkinnenwände dienen partiell weiterhin als Raumteiler und sind als offene Konstruktionen in das Konzept einbezogen. Zeitgemäße Ergänzungen wie Fenster, Treppen oder Dachgauben bleiben ablesbar.

Nach dem Umbau befinden sich im Erdgeschoss der offene Wohn- und Essbereich samt Küche sowie Arbeits- und Gästezimmer. Ein neuer Anbau schafft Raum für einen Windfang und ein Gästebad. Schlaf- und Badezimmer liegen im Obergeschoss. Eine Treppe erschließt außerdem eine Galerie im ausgebauten Spitzboden. Insgesamt bietet der sanierte Bau damit etwa 300 Quadratmeter Wohnfläche. Großzügig sind auch die Raumhöhen: gut vier Meter im Erdgeschoss, im Dachgeschoss sogar noch etwas mehr. Hinter den Toreinfahrten zurückgesetzte, großzügige Verglasungen lassen zu beiden Seiten viel Licht ins Erdgeschoss. Die Pfosten-Riegel-Konstruktionen aus sibirischer Lärche sind als neues Element erkennbar und gleichzeitig vor der Witterung geschützt. Die Südfassade wurde im Erdgeschoss für ein Element aus horizontalen Fenstern und Terrassentür großzügig geöffnet. Durch eine darüber angeordnete breite Gaube gelangt das Tageslicht ins Obergeschoss, ergänzt durch in den Giebelseiten eingebaute Sprossenfenster.

Gesund Bauen / Umbau

Vom ursprünglich 60 cm hohen Natursteinsockel, der vielen drängelnden Schafen standhielt, waren nur noch 35 cm zu sehen. Im Laufe der Jahrzehnte war das Geländeniveau angewachsen, weshalb die Bauherren das umliegende Erdreich weiträumig abtragen ließen. Mithilfe aufwendiger Maßnahmen und Konstruktionen wurden die ursprünglichen Sockel entfernt und darunter Fundamente sowie eine Bodenplatte betoniert. Das ermöglichte gleichzeitig eine thermische Entkopplung, bevor die Natursteinansicht wieder aufgemauert wurde. Die neue Bodenplatte ist gut gedämmt, eine Fußbodenheizung sorgt für wohlige Wärme im Erdgeschoss – Komfort, von dem die Schäfer früher nur träumen konnten.

Das historische Ständerwerk aus Eichenholz wurde überarbeitet und wo notwendig, ergänzt. Dafür wurde das alte Holz zuerst mit einem Hochdruckreiniger abgestrahlt und anschließend abgebürstet. Die Gefache des Stallgebäudes bestanden ursprünglich aus mit Lehm verputztem Weidengeflecht, wurden im Laufe der Gebäudehistorie aber durch einfache Backsteine ersetzt. Diese waren zwar noch vorhanden, aber zu brüchig, um sie weiterzuverwenden. Stattdessen nutzte man zum Ausmauern des Fachwerks die hochwertigeren Ziegel des abgebrannten Haupthauses von 1928. Zwei mit Lehm verputzte Gefache sind aber noch original erhalten und wurden nach der Sanierung entsprechend in Szene gesetzt.

Auf die Innenseiten der Außenwände brachte man eine etwa 8 cm dicke Lehmschicht auf und nagelte darüber auf einer Holzständerkonstruktion Schilfrohrmatten, die anschließend mit Lehm verputzt wurden. Der 12 cm starke Zwischenraum ist zur Dämmung mit Blähton und Holzwolleleichtbauplatten gefüllt. Dieser Wandaufbau ist kapillaraktiv und dampfdiffusionsoffen. Kleinere Leckagen, die bei einer Thermografie ans Licht kamen, wurden mit Spritzkork verschlossen. In das Ständerwerk hinter den holzverschalten Giebelwänden wurde eine 28 cm dick Zellulose eingeblasen. In Verbindung mit der Dachdämmung und den dreifach verglasten Holzfenstern erreicht der ehemalige Schafstall den Wärmeschutz eines Neubaus. Die verwendeten Materialien genügen sowohl denkmalpflegerischen als auch wohngesunden Ansprüchen.

Inzwischen wurde auch der ehemalige Hühnerstall saniert und von denselben Planern zu einer Wohnung umgebaut. Als Garage dient eine instand gesetzte Scheune. Ein neu angelegter Teich mit einer Insel, auf deren Mitte ein Mirabellenbaum wächst, rundet das umgenutzte Hofidyll ab. -dg

Bautafel

Architekten: Spooren Architekten, Gütersloh
Projektbeteiligte: Zimmerei Jan Reckmann, Steinhagen (Zimmerer-, Dachdecker- und Lehmbauarbeiten), Tischlerei Lasse Reckmann, Steinhagen (Fenster, Türen, Innenausbau)
Bauherr:
privat
Fertigstellung: 2016
Standort:
Gütersloh
Bildnachweis: Spooren Architekten, Gütersloh

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