Umbau eines Einfamilienhauses mit Café in Hue

Lichtecke

Erst 18 Jahre alt war das kleine Eckhaus an der vielbefahrenen Straßenkreuzung im Zentrum der vietnamesischen Stadt Huế, aber bereits so heruntergekommen, dass es einer Renovierung bedurfte. Die Planung dafür übernahm das ortsansässige Büro Nguyen Khai Architects & Associates (NKAA). Im Zuge des Umbaus erhielt das Wohnhaus ein völlig neues Antlitz: Eine neue luftige Raumdisposition, eine Fassade aus Glas und vorgeblendeten Brise-Soleil-Elementen sowie die Farbe Weiß für alle nichtgläsernen Bauteile bestimmen nun das Bild. Auf dem nur 35 Quadratmeter großen Grundstück findet heute auf vier Ebenen eine siebenköpfige Familie sowie – im Erdgeschoss – der von ihr betriebene Coffee Shop Tiam Platz.

Eine Fassade aus Glas sowie vorgeblendeten weißen Brise-Soleil-Elementen bestimmt nun das äußere Erscheinungsbild des Wohnhauses an einer vielbefahrenen Kreuzung der vietnamesischen Stadt Hue.
Durch die Tiefe der vertikal und horizontal verlaufenden, feststehenden Lamellen wird sowohl seitliches als auch steil von oben einfallendes Sonnenlicht vor dem Eindringen in den Innenraum abgehalten.
So wird ermöglicht, dass selbst hier im tropischen Klima Südostasiens die Fassade fast vollständig aus Glas bestehen kann.

Dem Entwurf gingen intensive Gespräche zwischen Architekturbüro und Bauherrschaft voraus, in denen die essenziellen Bedürfnisse aller Bewohnerinnen und Bewohner aus drei Generationen ermittelt wurden. Im Resultat ist ein Haus entstanden, das einen höheren Lebensstandard und wertvolle Wohnerlebnisse bieten soll. Die drei Haupt- und das Attikageschoss ergänzen ein Balkon sowie eine Dachterrasse.

Offene, ineinander verwobene Räume

Der Grundriss ist offen, die Räume sind geschossübergreifend organisiert. Auf der geringen zur Verfügung stehenden Grundfläche gestaltete man das Interieur so reduziert wie möglich, während Wohnflächen, Funktionsbereiche und Erschließungszonen ineinander verwoben wurden. So ließ das Planungsteam die alte Wendeltreppe entfernen und durch gerade Treppen ersetzen, die in die Gemeinschaftsräume integriert wurden. Das Mobiliar sowie nicht tragende Bauteile bestehen größtenteils aus Bambus, ein nachhaltiges, speziell im feuchttropischen Klima ideales Baumaterial. Trotz der offenen Grundrisse hat jedes Familienmitglied die Möglichkeit, sich zurückzuziehen.

Mit derselben minimalistischen Herangehensweise wie bei den Wohnebenen wurde das Café im Erdgeschoss gestaltet. Die Farbe Weiß dominiert auch hier und hebt einzelne Objekte wie etwa Pflanzen, aber auch Menschen hervor. Letztere können an langen gekurvten Tischen Platz nehmen oder ihren Kaffee zum Mitnehmen an der Theke bestellen. Auf den Sonnenschutz verzichtete das Planungsteam hier im Erdgeschoss zugunsten einer barrierefreien Zirkulation der Cafégäste; stattdessen wurden einzelne Stahlprofile zu festinstallierten Stehtischen umfunktioniert. Die Glasfassade kann vollständig geöffnet werden, sodass das Café an der Ecke ausgesprochen einladend wirkt. 

Sonnenschutz: Lamellengitter und Überkopfverschattung aus pulverbeschichtetem Stahl

Das aus hauchdünnen Stahlprofilen zusammengefügte Brise Soleil ist der Fassade vorgeblendet, fungiert aber teilweise auch als Überkopfverschattung, die den Innenraum vor Überhitzung schützt. Durch die gegebene Tiefe der vertikal und horizontal verlaufenden, feststehenden Lamellen wird sowohl seitliches als auch steil von oben einfallendes Sonnenlicht vom Eindringen in den Innenraum abgehalten. Das ermöglicht selbst hier im tropischen Klima Südostasiens eine Fassade fast vollständig aus Glas, welche die Grenze zwischen innen und außen verschwimmen lässt. Dadurch, so das Planungsteam, wird es den Bewohnerinnen und Bewohnern ermöglicht, sich dem von Pflanzen dominierten privaten, aber auch dem städtischen Außenraum verbunden zu fühlen.

Durch die weiße Pulverbeschichtung wird der Sonnenschutz zudem zum Lichtfänger, von dem das Sonnenlicht diffus in den Innen- und den Straßenraum reflektiert wird. Nicht zuletzt dienen die Brise-Soleil-Elemente auch als Regal für alle möglichen Objekte, vorwiegend Pflanztöpfe, die die Hülle zusätzlich als Grünfassade wirken lassen. Die Vegetation schützt dabei nicht nur selbst vor direktem Sonnenlicht, sondern erhöht durch Sauerstoffproduktion und Temperatursenkung auch die Qualität des Raumklimas. -sr

Bautafel

Architektur: Nguyen Khai Architects & Associates (NKAA), Huế
Projektteam: Nguyen Quang Khai, Tran Yen Chau
Bauherrschaft:
privat
Fertigstellung: 2020
Standort: 51 Nguyễn Thái Học, Phú Hội, Thành phố Huế, Thừa Thiên Huế, Vietnam
Bildnachweis: Quang Dam

Fachwissen zum Thema

Brise-Soleil in Form von feststehenden, doppelgeschossigen Vertikallamellen aus Beton an der Unité d'habitation bzw. dem Corbusierhaus in Berlin

Brise-Soleil in Form von feststehenden, doppelgeschossigen Vertikallamellen aus Beton an der Unité d'habitation bzw. dem Corbusierhaus in Berlin

Arten und Formen

Feststehender Sonnenschutz

Glaslamellen und Aluminiumraffstore verschatten die großen Glasflächen des Marie-Elisabeth-Lüders-Haus in Berlin. Architektur: Stephan Braunfels

Glaslamellen und Aluminiumraffstore verschatten die großen Glasflächen des Marie-Elisabeth-Lüders-Haus in Berlin. Architektur: Stephan Braunfels

Materialien

Glas und Metall

Faeststehende Horizontallamellen aus Holz am Jakob-Kaiser-Haus in Berlin, Architekten: Busman & Haberer aus Köln, de Architekten Cie. aus Amsterdam, von Gerkan, Marg & Partner aus Hamburg und Schweger & Partner aus Hamburg

Faeststehende Horizontallamellen aus Holz am Jakob-Kaiser-Haus in Berlin, Architekten: Busman & Haberer aus Köln, de Architekten Cie. aus Amsterdam, von Gerkan, Marg & Partner aus Hamburg und Schweger & Partner aus Hamburg

Arten und Formen

Sonnenschutzlamellen

Einst verschatteten Sonnensegel die Ränge des Kolosseums in Rom.

Einst verschatteten Sonnensegel die Ränge des Kolosseums in Rom.

Grundlagen

Zur Geschichte des Sonnenschutzes

Kontakt Redaktion Baunetz Wissen: wissen@baunetz.de
Baunetz Wissen Sonnenschutz sponsored by:
MHZ Hachtel GmbH & Co. KG
Kontakt: 0711 / 9751-0 | info@mhz.de