Umbau einer Wohnung im „Haus des Kindes“ in Berlin

Allraum mit eingebautem Objektmöbel

Das „Haus des Kindes“ ist nicht nur eines der wenigen Gebäude, die der Architekt der früheren Stalinallee (heute Karl-Marx-Allee), Hermann Henselmann, selber plante, hier bezog er mit seiner Familie auch zwei Wohnungen. Der turmartige Bau bildet mit seinem nahezu identischen Gegenüber ein Tor zum Strausberger Platz und überragt die angrenzende Bebauung um mehrere Geschosse.

Nutzungsszenario
Raumteiler
Grundrissperspektive

Die Architekten Behles & Jochimsen haben eine Wohnung im „Haus des Kindes“ umgestaltet und mit dem Einbau eines verbindenden Möbels die nutzungsoffenen Räume im Sinne Henselmanns erhalten bzw. neu geschaffen. Als gestellte Bauaufgabe galt es, ein Refugium zu finden, eine kleine, feine Wohnung mit der Perfektion einer Hotelsuite. Für das „Haus des Kindes“ sprach unter anderem die Lage der 1,5-Zimmerwohnung im 7. Obergeschoss, wo sich das Gebäude auf Traufhöhe seiner Nachbarn zurückstaffelt und eine große Südterrasse mit Panoramablick offeriert.

Grundrissgestaltung Henselmann

Die Grundrisse Henselmanns basieren auf einer Aufrasterung der Geschossfläche in annähernd gleiche Felder. Im Kern liegt die Erschließung. Fassadenseitig sind Räume angeordnet, die keine eindeutige Nutzungszuweisung, etwa als Wohn- oder Kinderzimmer, erfahren. Großzügigkeit und Komplexität entstehen aus der Verschaltung über innenliegende Dielen, die durch Türen mit Glasausschnitt belichtet und beispielsweise als Esszimmer benutzt werden können. Die klassische Raumdisposition, die Diele und die Nutzungsoffenheit unterscheiden die Henselmannschen Grundrisse deutlich vom zeitgenössischen Wohnungsbaufunktionalismus Westberliner Prägung. So kultiviert das Haus des Kindes nicht nur im Äußeren einen erneuerten Klassizismus, sondern stellt auch innen eine Art Kondensat – damals zeitgenössischer – Wohnvorstellungen dar.

Gliederung

Durch Hinzunahme eines ehemaligen, Etagenlobby und Terrasse verbindenden Flurs konnte für die umgestaltete Wohnung ein zweites vollwertiges Zimmer von 14 m² gewonnen werden, sodass die Wohnung nach dem Umbau über 50 m² verfügt. In Abstimmung mit der Denkmalpflege wurde statt des vorhandenen kleinen Fensters und einer Feuerschutztür ein der übrigen Fassade entsprechendes großes Fensterelement eingebaut.

Allerdings fehlte der Wohnung aufgrund der Rückstaffelung die charakteristische Diele und es galt, hierfür eine Kompensation zu schaffen. Das mittlere, bisher von Flur, Bad und Küche besetzte dritte Grundrissquadrat sollte deshalb auch als ein Raum erlebbar werden, der mit den beiden anderen Zimmern in einer Art „En-suite“-Folge verbunden ist.

Einbau eines Schrankmöbels

Alle nicht tragenden Wände wurden entfernt und die vorhandenen Türöffnungen in den massiven Querwänden, soweit statisch vertretbar, erweitert. Durch diese mit breiten Leibungen gerahmten Durchbrüche konnte mittig ein langes Schrankmöbel gesteckt werden. Das Äußere ist hochglänzend rosa, das Innere des Möbels matt dunkelrot lackiert. Optisch verbindet dieses neue, türhohe Element die Teilräume zu einem Großraum, ermöglicht aber auch deren – zumindest temporäre – Abgeschlossenheit.

Der mittlere Raum wird durch das Möbel funktional in eine Diele mit kleiner Kochzeile und ein Bad geteilt; beide Räume bleiben aber über eine mattierte Glaswand verbunden, die Tageslicht durchlässt und nachts hinterleuchtet werden kann. Über eine Vielzahl von Klappen, Türen und Auszügen öffnet sich das Innere des Möbels. Im Bereich der Wanddurchbrüche dienen die auf der Rückseite mit Spiegeln versehenen Türen sowohl dem Zugang zum Schrankinneren als auch dem Raumabschluss. Mit ihnen können also bei Bedarf die beiden neu geschaffenen Bereiche (Bad und Kochdiele) vollständig geschlossen werden. Das Möbel nimmt ein Maximum an Stauraum auf und integriert Badobjekte, Küchengeräte, Waschmaschine und Trockner. Auch Daten-, Audio- und Videoanschlüsse stehen zur Verfügung.

Farbe und Materialität

Im Sinne Henselmanns bleiben die Räume weitestgehend nutzungsoffen und werden deshalb auch homogenisierend hinsichtlich ihrer Farbe und Materialität behandelt. Das in einem Zimmer vorgefundene Eichenparkett wurde in den anderen Räumen, auch im Bad, ergänzt und dunkel geölt. Die Wände sind in einem lichten Grau gehalten; Decken, Fenster und Leibungen wurden weiß gestrichen. Auf statisches Mobiliar kann verzichtet werden.

Das Projekt von Behles & Jochimsen ist ein gelungenes Beispiel zum Thema „auf kleinem Raum Maximales erreichen“. Der Einbau des Möbels ist extrem determiniert und hochtechnisiert und befreit somit die anderen Räume von jedweden Zwängen.

Bautafel

Architekten: Behles & Jochimsen Architekten BDA, Berlin
Mitarbeit: Jana Gallitschke, Alexander Kuhnert
Bauherr: privat
Fertigstellung: 1951 – 1954, Umbau: November 2006
Standort: Strausberger Platz 19, 10243 Berlin-Friedrichshain
Bildnachweis: Marcus Bredt, Berlin

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